Kulturlokal

Täglich mehr Retter für den Schwarzen Adler in Rheinberg

Vierbaum - Schwarzer Adler - Bildung einer Genossenschaft um den Betrieb zu erhalten hier von links die Initatoren Werner Susmann Marco Nöchel Fritz Wagener

Vierbaum - Schwarzer Adler - Bildung einer Genossenschaft um den Betrieb zu erhalten hier von links die Initatoren Werner Susmann Marco Nöchel Fritz Wagener

Foto: Fischer, Armin (arfi)

Rheinberg.  Gut 130 Leute wollen das Kulturlokal "Schwarzer Adler" retten. Und täglich werden es mehr. Selbst eine Genossenschaft zum Erhalt ist im Gespräch.

Rund 130 Adler-Fans wollen bisher mitmachen und würden eine Genossenschaft zum Erhalt des Kulturlokals Schwarzer Adler finanziell unterstützen. „Und jeden Tag kommen weitere hinzu, die bereit sind, eine Einlage von 1000 Euro zu machen“, sagt Fritz Wagener. Als er erfuhr, dass Eigentümer Ernst Barten das Traditionshaus an der Baerler Straße in Vierbaum zum Ende des Jahres aus Altersgründen verkaufen und aufgeben möchte, machte es sofort „klick“. Wagener: „Ich dachte sofort: Der Adler muss als Dorfmittelpunkt und einzigartige Kulturadresse erhalten bleiben.“

Lichtblick auf dem Land

Seit 35 Jahren ist der Adler das Stammlokal für den jetzt 67-jährigen Orsoyerberger: „Und das soll auch so bleiben.“ In Werner Susmann (57) und Marco Nöchte (43) fand Wagener schnell zwei Mitstreiter. Für Susmann war der Adler schon Treffpunkt und Stammkneipe, als er noch die Oberstufe des Gymnasiums besuchte.

„Und nicht zuletzt habe ich dort meine Frau kennengelernt“, sagt er. Nöchte hat den Adler mit seiner Frau entdeckt, als die beiden vor rund 15 Jahren nach Orsoy gezogen sind. „Die Kneipe war unser Lichtblick, dass wir nach dem Umzug aufs Land doch nicht vereinsamen werden“, erzählt er. „Seitdem ist es unsere Stammkneipe, in der wir viele nette Menschen kennengelernt, Comedians entdeckt und so manche Party gefeiert haben.“

Jeder Genosse hat eine Stimme

Die Planung einer Genossenschaftsgründung kommt gut voran. Als Kaufpreis sind für den Schwarzen Adler laut Gutachten 549.000 Euro aufgerufen. „Plus Nebenkosten muss man von 600.000 Euro ausgehen“, schätzt Wagener, der versichert: „Natürlich werden wir einen eigenen Sachverständigen hinzuziehen, der das Haus genau untersucht, bevor es gekauft wird.“ Und: Ein Unternehmensplan muss geschrieben und vorgelegt werden.

Die komplette Summe – 600 Mal 1000 Euro – zusammenzubekommen, sei nicht nötig. Stehen rund 200.000 Euro zur Verfügung, kann man die Verhandlung mit einer Genossenschaftsbank aufnehmen und die Mittel für die Gründung investieren. Details sollen beim nächsten Treffen am Montag, 2. September, 19.30 Uhr, im Schwarzen Adler besprochen werden. „Das ist allerdings noch nicht die Gründungsversammlung“, so Wagener. Er ist vom Genossenschaftsmodell absolut überzeugt.

Später einsteigen auch möglich

Gerechnet wird mit einer Einlage von 1000 Euro pro Unterstützer. Die Einlagesumme soll nach oben hin gedeckelt werden, voraussichtlich bei 10.000 Euro. Wobei das Genossenschaftsgesetz vorgibt: Jeder Genosse hat in den zu gründenden Gremien nur eine Stimme, unabhängig von der Höhe der Einlage. Wagener: „Jeder hat die Möglichkeit, seine Einlage nach einer Kündigungsfrist, die in der Satzung definiert wird, wieder herauszunehmen.“

Man kann seinen Anteil nicht von sich aus an Dritte weiterverkaufen; im Todesfall geht sie auf die Erben über. Der Initiator: „Eine Genossenschaft ist kein ,closed shop’. Man hat auch die Möglichkeit, später einzusteigen.“ Die Aufnahme sei leicht zu händeln, wenn die Genossenschaft einmal gegründet sei. Der Vorstand zeichnet gegen, man zahlt 1000 Euro ein und ist Mitglied.

Genossenschaft hat Mitspracherecht

Bei Genossenschaften besteht keine sogenannte Nachschusspflicht, was bedeutet: Wer 1000 Euro einzahlt, kann maximal 1000 Euro verlieren. Wagener verdeutlicht aber: „Das ist bei einer Genossenschaft aber sehr unwahrscheinlich, weil diese vor Eintragung mit allen wirtschaftlichen Daten geprüft wird und es ja das Gebäude als Sicherheit gibt. Viel wahrscheinlicher ist, dass man auf seine Einlage eine Rückvergütung erhält. Die Höhe legt der Vorstand fest.

Die Genossenschaft kann die Gastronomie in Eigenregie betreiben oder verpachten. Auf jeden Fall redet die Genossenschaft bei der gastronomischen und der kulturellen Ausrichtung des Programms mit. Sind Renovierungen oder andere Arbeiten am Gebäude zu erledigen, sollen sie sauber über beauftragte Unternehmen abgewickelt werden. Ein Vorstand und ein Aufsichtsrat müssen allerdings gegründet werden, um die nötigen Entscheidungen zu treffen.

Geringes Darlehen wäre wichtiger Baustein

Das vorrangige Ziel laute, den Schwarzen Adler zu erhalten. Wagener betont: „Und deshalb ist Eile geboten. Wir wollen versuchen, das Haus ohne Unterbrechung ab dem 1. Januar 2020 weiterzuführen.“ Weil die Genossenschaft für die Prüfung und Eintragung vier bis sechs Wochen benötige, müsse die Gründungsversammlung bald erfolgen.

Und das Kulturprogramm müsse geplant werden, damit auch im kommenden Jahr Künstler auf der Adler-Bühne stehen. Wagener ergänzt: „Wir brauchen weiterhin ,Mitmacher’, die mit 1000 Euro helfen, den Adler zu erhalten. Ein möglichst geringes Darlehen wäre ein wichtiger Baustein für den Erfolg des Vorhabens.“

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