Handwerk

Fachkräftemangel: Junge Dachdecker wollen hoch hinaus

Die Lossprechungsfeier der Dachdeckerinnung des Kreises Wesel fand am Wochenende auf dem Elvericher Hof in Rheinberg statt. Dort wurde mit den 23 erfolgreichen Absolventen, deren Familien und Ausbildungsbetrieben ein zünftiges Sommerfest gefeiert.

Die Lossprechungsfeier der Dachdeckerinnung des Kreises Wesel fand am Wochenende auf dem Elvericher Hof in Rheinberg statt. Dort wurde mit den 23 erfolgreichen Absolventen, deren Familien und Ausbildungsbetrieben ein zünftiges Sommerfest gefeiert.

Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Rheinberg.  Die Kreis-Innung hat die Lossprechungsfeier für 23 Absolventen erstmals mit einem Sommerfest auf dem Elvericher Hof verbunden.

Auf dem Elvericher Hof verband die Dachdecker-Innung des Kreises am Samstag ihre Lossprechungsfeier erstmals mit einem zünftigen Sommerfest. Insgesamt 23 Junggesellen aus dem Kreis Wesel waren mit Vertretern ihrer Ausbildungsbetriebe, Eltern und Freunden erschienen.

Holger Benninghoff, Geschäftsführer der Innung, betonte in seiner Festrede, dass die jungen Gesellen mit dem Abschluss ihrer Ausbildung ein wichtiges Fundament für ihren weiteren Berufs- und Lebensweg gelegt haben. Benninghoff hob dabei die Vorzüge der dualen Berufsausbildung hervor: „Mit der Kombination aus theoretischer und praktischer Ausbildung erreichen die Auszubildenden eine praxisorientierte Qualifikation und damit beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt.“

„Der Markt ist leer“

In Zeiten des Fachkräftemangels sind diese Chancen aber ohnehin gegeben, sagt Hans-Werner Schumacher: „Der Markt ist leer, Dachdecker können sich den Arbeitgeber aussuchen.“ An der mangelnden Attraktivität liegt das nach Ansicht des Innungsmeisters nicht: „Der Beruf ist sehr interessant und abwechslungsreich, denn er deckt viele Bereiche ab. Dachdecker übernehmen Zimmerer-Arbeiten, die Fassadengestaltung und installieren Photovoltaik-Anlagen.“ Ebbe im Portemonnaie während der Wintermonate müssen Dachdecker heutzutage auch nicht mehr befürchten. Durch eine Lohnausgleichszahlung sei der Verdienstausfall laut Schumacher kaum noch spürbar.

Dazu bieten sich nahezu unbegrenzte Weiterbildungsmöglichkeiten. Voraussetzung dafür ist der Meisterbrief. Schumacher: „Mit dem Meisterbrief können Dachdecker ein Ingenieurs- oder Architekturstudium beginnen. Außerdem haben Auszubildende die Möglichkeit, nebenher ihr Fachabitur zu machen.“

Der Beruf ist übrigens längst keine Männerdomäne mehr. So wie Coletta Gilz finden immer mehr Frauen Gefallen daran. „Man ist immer an der frischen Luft und hat eine tolle Aussicht. Mit modernen Hilfsmitteln hält sich auch die körperliche Belastung in Grenzen“, erklärt die Dachdeckermeisterin.

Erstmal muss der Rohbau stehen

Um ein neues Dach herzurichten, muss erstmal der Rohbau stehen. Und da könnte es bald haken, sagt Günter Bode: „Das Bauhandwerk ist unser großes Sorgenkind. Niemand will mehr Maurer werden.“ Dachdecker müssen sich aus Sicht des Kreishandwerksmeisters aber keine Sorgen machen: „Was die energetische Sanierung von Altbauten betrifft, haben wir einen riesigen Stau, damit sind wir noch die nächsten 50 Jahre beschäftigt.“ Allerdings seien die meisten Betriebe hoffnungslos überaltert.

Anreize alleine reichen nicht aus, laut Bode hat der Beruf, wie viele andere im Handwerk, ein Imageproblem: „Wenn der Sohn einer Akademikerfamilie Dachdecker wird, gilt das gleich als sozialer Abstieg.“ Die 23 Junggesellen ließen sich davon nicht beeindrucken und feierten bei herrlichem Sonnenschein ihre bestandene Prüfung.

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