Wirtschaft

Gelderstraße Rheinberg: Ein weiteres Geschäft verschwindet

Schuster Thomas Seidl hat sein Geschäft an der Gelderstraße aufgegeben..

Foto: Peter Bußmann

Schuster Thomas Seidl hat sein Geschäft an der Gelderstraße aufgegeben.. Foto: Peter Bußmann

Rheinberg.   Nach 31 Jahren musste Schuster Thomas Seidl sein Geschäft an der Gelderstraße in Rheinberg schließen. Der Leerstand nimmt geht weiter zu.

Der Geschäftsleerstand in Rheinberg setzt sich fort. Inzwischen haben drei weitere Betriebe, Blumen Thelen an der Römerstraße und der Schuster an der Gelderstraße, geschlossen. Gegenüber das Lottogeschäft ist ebenfalls geschlossen. Dass der Schuster sein Geschäft dicht machte, ist für viele ein Schock. Denn mit Thomas Seidl verschwindet ein Handwerker, der für Generationen nicht nur das Schuhwerk von Groß und Klein wieder instand setzte. Auch so manche Aktentasche, der Schulranzen oder der Rucksack landeten unter seinen begabten Händen. Und für jeden hatte er ein paar Minuten Zeit für einen kleinen Plausch.

Qualität und Schnelligkeit

Vor 31 Jahren startete Seidl als Schuster an der Gelderstraße. Ein „Geht nicht“ hörte man selten vom sympathischen Lintforter mit dem Pferdeschwanz. So mancher brachte seinen kaputten Schuh morgens, bat um Reparatur und konnte ihn am Abend wieder abholen. Denn das war sein unschlagbares Plus: Qualität verbunden mit Schnelligkeit – und das meist für einen kleinen Preis. Hauptsächlich sind es gesundheitliche Gründe, die ihn zur Aufgabe zwangen. Die harte Arbeit über 31 Jahre an den Maschinen forderte ihren Tribut. Die intensive Nachsuche nach einem Nachfolger blieb erfolglos. 31 Jahre konnte jeder Seidl bei der Arbeit durch das „offene Schaufenster“ zusehen. In den vergangenen fünf Jahren habe sich vieles verändert, sagt Seidl – und meint hier vor allem das veränderte Käuferverhalten. Ringsum schlossen viele Läden, der Kundenstrom blieb auch für den Schuster aus. Unattraktiv ist die einstig florierende Einkaufsstraße geworden. Die Rheinberger kaufen anderswo, orientieren sich um, kauften im Internet. Auch Schuster Seidl merkte es: Die Laufkundschaft wurde weniger. In den Internetportalen gibt es Schuhe um die zehn Euro. Lose Sohle, schräger Absatz? Da der Schuh so billig und zudem reparaturunfreundlich war, fiel auch der Weg zum Schuster weg. Rein in die Tonne, preiswert billige Ware neu kaufen. Lieber neu kaufen als reparieren zu lassen: Das ist das Motto.

Leidtragende sind nun die Rheinberger. Mit „dem kleinen Schuster“ verloren sie einen Meister seines Fachs. Ganze Berufe verschwinden in Rheinberg. Nur noch einen Schuhmacherbetrieb gibt es in der Stadt, ebenso nur noch ein Geschäft, wo man mal eben Schlüssel nachmachen lassen kann. Und nun fehlt der freundliche Schuster. Es waren ja nicht nur Sohlen oder die Absätze, weswegen man zu Seidl ging. Der Riss in Hose oder Jacke? Seidel hatte immer eine Idee. Ein schicker Lederflicken drauf und alles sah wieder toll aus. Damit ist es jetzt vorbei.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik