Waldtheater

Gelungene Neuauflage der Festspiele in Birten

Ingrid Kühne moderierte den Comedy-Abend, als ersten Künstler kündigte sie den Stand-Up-Comedian Thorsten Bär an.

Ingrid Kühne moderierte den Comedy-Abend, als ersten Künstler kündigte sie den Stand-Up-Comedian Thorsten Bär an.

Birten.  Die Künstler im gut besuchten Waldtheater haben für einen wunderbaren Abend gesorgt, bei dem man so richtig herzhaft lachen konnte.

Das Rezept ist genial: Man nehme engagierte Menschen, die den Verein „Amphitheater“ gründen und ehrenamtlich das idyllische, fast 100 Jahre alte Waldtheater in Birten in Schuss halten. Man füge mit Julian Köster und Hilmar Schulz zwei Männer hinzu, die unter dem Namen „Klangwelten“ in Wesel eine Unternehmergemeinschaft gegründet haben, die Kulturveranstaltungen organisiert. Man würze diese Mischung mit ausgezeichneten Singer-Songwritern, fünf Comedians, einer Kindertheatergruppe, der Matt Warren Band und dem Duo HeWei – und fertig ist der Kuchen mit dem Namen „Sommerfestspiele“. Und der schmeckte ausgezeichnet. Davon konnten sich von Freitag bis Sonntag gut 1000 Besucher überzeugen, die das dreitägige Festival sichtlich genossen haben.

Allein 600 saßen am Samstag auf den Holzbänken und Steinstufen im Amphitheater, als Kabarettistin Ingrid Kühne den Eisbrecher machte – „den machen im Packeis auch immer die dicken Schiffe“ – und nacheinander vier Comedians anmoderierte, die sich auf den Kleinkunstbühnen des Landes längst einen guten Namen gemacht haben. Erster auf der Bühne: Torsten Bär. Die hessischen Wurzeln haben den Wahl-Hamburger geprägt, der sich im Gegensatz zu den Norddeutschen aber durchaus lautstark aufregen kann, wenn der HSV mal wieder verliert.

Unglaublich gute Stimme - aus dem Bauch

„Riesenapplaus an alle da oben, die uns mit Getränken und was zu essen versorgen“, verabschiedete sich Bär vom Publikum, machte die Bühne frei für den „unglaublichen Heinz“ (Gröning), einen Comedian, den Ingrid Kühne sehr schätzt, „auch wenn er auf der falschen Rheinseite (in Emmerich) geboren und groß geworden ist“. Dieser griff zur Gitarre, ließ sich drei Stichworte aus dem Publikum zurufen – Hund, Jugendherberge, Römertopf – und machte daraus ein Lied für Birten. Den Refrain sang das begeisterte Publikum nur allzu gerne lautstark mit.

Sie komme aus Gelsenkirchen, habe „als Kind gestottert und ist deswegen nach Baden-Baden gezogen, da fällt das nicht so auf“, kündigte Ingrid Kühne dann mit Murzarella alias Sabine Murz eine Frau an, die nicht nur mit dem Bauch reden, sondern damit auch unglaublich gut singen kann. Sie hatte die Puppe Adelheid dabei, eine verkappte Opernsängerin. Und Kanalratte Kalle, mit der sie AC-DCs „Highway to hell“ anstimmte und mit der sie später „My way“ von Frank Sinatra sang. Großartig.

Überall nur noch Jüngere

Die Sonne war längst untergegangen, der Mond schien durch das dicht umwaldete Amphitheater, als mit Kai Magnus Sting ein Duisburger auftrat, der laut Ingrid Kühne „ganz viele Krimis schreibt und Heiligabend spannende Menschen kennenlernt“. Wie beispielsweise Hanns-Dieter Hüsch. Den habe er vor 21 Jahren genau hier, an dieser Stätte, zum ersten Mal erlebt, hielt Sting kurz inne und schickte einen stummen Gruß nach oben, bevor er sich Dingen widmete, über die er sich furchtbar ärgert: Das „Wie-geht-es-uns-denn-heute“ bei Arztbesuchen („Ich möchte weder ge-wir-t noch ge-uns-t werden, noch dass mir einer sagt, was gut für mich ist“). Und dass er beim Älterwerden um sich herum nur noch Jüngere sieht. So wie seinen braun gebrannten Hausarzt und dessen junge Sprechstundenhilfe, die bei der Visite anmerkt, er komme langsam in das Alter („da bin ich drin, seit ich auf der Welt bin, verdammt noch mal“).

Ingrid Kühne, Torsten Bär, Heinz Gröning, Murzarella und Kai Magnus Sting: Sie alle haben für einen wunderbaren Abend gesorgt, bei dem man so richtig herzhaft lachen konnte. Herzlichen Dank dafür.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben