Historisches

General Eisenhower stand in Alpen auf der Jugendburg

General Dwight D. Eisenhower (Mitte),  späterer Präsident der USA, überzeugt sich vom Erfolg der Operation „Plunder“.

General Dwight D. Eisenhower (Mitte),  späterer Präsident der USA, überzeugt sich vom Erfolg der Operation „Plunder“.

Foto: Fischer, Armin ( arfi ) / Fischer, Armin (arfi )

24. März 1945: Dwight D. „Ike“ Eisenhower. Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte und später Präsident der Vereinigten Staaten, war in Alpen.

Alpen. Der 24. März 1945 ist am Niederrhein ein wunderschöner Frühlingsmorgen. Die Sonne scheint. Ein leichter Westwind aber weht über Stunden bedrohliches Trommelfeuer über den Rhein. Gegen 10 Uhr löst wie auf Kommando angstvolle Stille den Kanonendonner ab.

Der blaue Himmel verdunkelt sich. Das Dröhnen von Flugzeugmotoren wird lauter. Die Maschinen haben Lastensegler im Schlepptau, die zwischen Wesel und Hamminkeln landen und die Luft erzittern lassen. Gleichzeitig schweben tausende amerikanische, britische und kanadische Fallschirmspringer zu Boden. Die Operation „Varsity“, größte Luftlandeoperation des Zweiten Weltkrieges, nimmt ihren Lauf. Teil davon ist die Operation „Plunder“, bei der alliierte Truppen zwischen Wesel und Emmerich den Rhein überqueren.

Nach Westen ausgebreitet

Der ZDF-Historiker Alexander Berkel, aufgewachsen in Wesel, hat ein Buch geschrieben über die Geschehnisse vor 75 Jahren. Titel: „Krieg vor der eigenen Haustür“. Dieter Schauenberg (74), als Autor des Alpen-Lexikons mit der Geschichte seiner Heimat bestens vertraut, urteilt: „Ein lesenswertes Buch.“ Ein Foto, besser die textliche Erläuterung, auf Seite 279 hat ihn stutzen lassen. Es zeigt Dwight D. „Ike“ Eisenhower. Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte und später Präsident der Vereinigten Staaten, im Kreise von Generälen auf einer Anhöhe – mit Blick auf die flache Landschaft vor ihnen, die sich nach Westen ausbreitet. „Auf einem Turm – vermutlich der Solvay – beobachten die US-Generäle und ihr Oberkommandierender Eisenhower den Angriff über den Rhein. Eisenhower scheint mit den Erfolgen seiner Truppen höchst zufrieden zu ein“, schreibt Berkel.

Um bessere Sicht zu haben

„Falsch“, hat Schauenberg sofort gedacht und sich das Bild genauer angeschaut. Ergebnis: „Eisenhower und seine Generäle stehen auf der zweithöchsten Plattform der Jugendherberge auf dem Berg in Alpen.“ Sicherlich sei die Gruppe noch nach ganz oben gestiegen, so der ortskundige Alpener, um noch bessere Sicht zum Rhein zu haben.

Schauenberg, kurz nach Kriegsende in Duisburg geboren und dann mit seiner Mutter nach Alpen gekommen, hier heimisch geworden, und später Lehrer an der Hauptschule, erkennt auf einem anderen Foto ganz eindeutig das Alpener Krankenhaus, heute das Altenpflegeheim Marienstift an der Ulrichstraße. Das abseits daliegende Anwesen links identifiziert der Alpen-Kenner als Villa Krasse, Wohnhaus und Praxis des Landarztes Krasse, der hier bis 1938 praktiziert habe. Auch dessen Nachfolger, Wilhelm Schwarze, habe hier noch bis 1953 praktiziert.

Schauenberg hat Historiker Berkel auf die falsche Vermutung aufmerksam gemacht und die Jugendburg als richtigen Ort des Geschehens mitgeteilt. Bei einer Neuauflage soll die Präzisierung erfolgen. Berkel habe sich für die Klärung bedankt.

Spärlicher Blick auf die Rheinaue

Den Blick der Generäle nachzuempfinden, ist nicht mehr möglich. Die Jugendburg, Wahrzeichen Alpens, ist 1968 wegen Baufälligkeit abgerissen worden. Heute immer noch eine schmerzhafte Wunde im Empfinden manch’ älterer Alpener. Schauenberg, der die Geschichte der Jugendburg in seinem Alpen-Lexikon festgehalten hat, zitiert den CDU-Politiker und ausgewiesenen Heimatfreund Theo Ridder, der festgestellt habe, dass Alpen „ohne die Jugendherberge und ohne das Hotel Terheggen ärmer geworden“ sei.

Von der Herberge stecken noch Mauerreste im Hügel. Man findet sie über einen Pfad durch den Wald der „Wurzelzwerge“. Die Natur hat sich des Hügels bemächtigt. Unbelaubte Sträucher lassen einen spärlichen Blick auf die Rheinaue zu. Efeu legt am Boden einen grünen Teppich aus über dem Ort Alpener Geschichte. Der es wert ist, sich noch lange an ihn zu erinnern.

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