Ausstellung

Gesichter von Xantener Juden

Museumsleiterin Elisabeth Maas, Kunstlehrerin Eva Mesmann, Annabell Smit, Hannah Herter, Anna Thevissen und Theresa Steglich, die durch die Ausstellung führen werden und Künstlerin Laula Plaßmann mit fünf von 22 Stelen.

Foto: arfi

Museumsleiterin Elisabeth Maas, Kunstlehrerin Eva Mesmann, Annabell Smit, Hannah Herter, Anna Thevissen und Theresa Steglich, die durch die Ausstellung führen werden und Künstlerin Laula Plaßmann mit fünf von 22 Stelen. Foto: arfi

Im Xantener Stiftsmuseum werden derzeit die Stelen der Marienschülerinnen öffentlich ausgestellt. Dazu ist ein Faltblatt erschienen

Xanten. Sally Bruckmann, Lieselotte Markus, Rosa Stern, Hermann Passmann. Die Liste ließe sich fortsetzen. Es sind die Namen von Xantener Juden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben und ermordet wurden. Im Rahmen eines Kunstprojekts erinnern Schülerinnen der Klasse 10 der Marienschule an diese Menschen und ihr Schicksal. Die Stelen mit den Namen der Verfolgten, die die 15- und 16-Jährigen zur Gedenkfeier zur Reichspogromnacht im November im Ratssaal erstellt haben, sind nun auch öffentlich ausgestellt – bis zum 19. August im Stiftsmuseum.

Ein würdiger Rahmen, befand Laula Plaßmann, bildende Künstlerin und Tochter jüdischer Eltern, die die Shoah überlebt haben. Im Museum gehe es um den Glauben, an Leben und Leiden. Dies umfasse auch den Ansatz des Schülerprojekts, das sie entwickelt hatte, erklärte Laula Plaßmann, die sich seit zehn Jahren auf die Spuren ihrer von den Nazis ermordeten Verwandten machte und sie zu porträtieren versucht. Denn: „Nur wenn wir begreifen, dass hinter den nüchternen Zahlen Individuen mit Namen, Gesichtern, Geschichten, Gefühlen Reaktionen, Schicksalen stehen, kann Empathie mit den Opfern geweckt werden.

Das scheint ihr und Kunstlehrerin Eva Mesmann gelungen zu sein. Elene Müller, die sich wie ihre Mitschülerinnen in teilweise mühseliger Kleinarbeit dem Schicksal der Xantener Juden näherte, hatte schon bei einem Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz das Grauen erahnt. „Wenn man aber durch Xanten geht und weiß, dass hier und da Menschen gelebt haben, die ohne Grund grausam ermordet wurden, geht einem das noch mehr nahe“, sagte die Marienschülerin. Und: „Das Thema ist auch heute noch aktuell“, zogen Annabell Smit und Theresa Steglich Parallelen zur Gegenwart, in der Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe oder Konfession verfolgt werden: „Wir müssen aufpassen.“

Zu den 22 Stelen des Projekts „Gesichter Xantener Juden“ ist ein Faltblatt erschienen. Außerdem liegen im Museum Lesehefte mit Texten der Schülerinnen zu ihren Stelen aus. Das Stiftsmuseum macht Schülern, die mit ihren Eltern oder Großeltern die Ausstellung anschauen wollen, ein spezielles Angebot. Als Begleiter ihrer Kinder und Enkel zahlen Eltern und Großeltern jeweils nur einen Euro Eintritt – statt des Regeleintrittspreises von vier Euro. „Wir wollen damit den Dialog der Generationen zu diesem wenngleich traurigen, so doch wichtigen Thema aus unserer näheren Geschichte fördern“, sagt Elisabeth Maas, die atellvertretende Leiterin des Museums.

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