Lei.la-Region

Im Klostergarten von St. Bernardin blüht die Inklusion

Diplom-Landschaftsökologin Sabine Kotzan (l.) und „Lei.La“-Regionalmanagerin Ute Neu im Garten von St. Bernardin. Er ist die Basis für die vom Leader-Projekt geförderte Arbeit von Sabine Kotzan.

Diplom-Landschaftsökologin Sabine Kotzan (l.) und „Lei.La“-Regionalmanagerin Ute Neu im Garten von St. Bernardin. Er ist die Basis für die vom Leader-Projekt geförderte Arbeit von Sabine Kotzan.

Foto: Norbert Prümen (nop)

Sonsbeck/Kapellen.  Sabine Kotzan bringt in St. Bernardin zwischen Hamb und Kapellen Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen.

Sabine Kotzan ist ein wenig erschöpft. Einen ganzen Vormittag lang war sie in der Sommerhitze mit Kindern für eine Ferienfreizeit unterwegs. Den Sechs- bis Elfjährigen hat die Landschaftsökologin und Gartentherapeutin eine Woche lang eine Menge zu bieten: einen Waldspaziergang, eine Kräuter-Rallye, das Selbermachen von Kräuterjoghurt und Kräuterzahnpasta.

„Barrierefreie Umweltbildung“ ist die Aufgabe der gebürtigen Düsseldorferin, deren Stelle zu 65 Prozent als Leader-Projekt der Regionen „Leistende Landschaft“ (Lei.La-Region Geldern, Kevelaer. Nettetal und Straelen) sowie „Niederrhein: Natürlich lebendig!“ (Alpen, Rheinberg, Sonsbeck und Xanten) finanziert wird. Träger dieser Maßnahme, die noch ein Jahr läuft, ist der Nabu-Kreisverband Kleve, der zehn Prozent beisteuert. Die restlichen 25 Prozent kommen von der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW.

2008 wird der Garten für die Öffentlichkeit zugänglich

Stützpunkt für diese Maßnahme des frühen 21. Jahrhunderts ist eine Anlage aus der Mitte des 19. Jahrhunderts: der Park von St. Bernardin, dem denkmalgeschützten Kloster in Hamb am Ortsrand von Kapellen. Es wurde 1853 von Franziskanerinnen als Mädchenpensionat gegründet und dient seit 1993 als Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderung in Tragerschaft der Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein (CWWN).

Mit der schrittweisen Öffnung des Parks für die Öffentlichkeit ab 2008 bekam der Nabu die Möglichkeit, zunächst einen Kräutergarten und dann einen Schau-Bauerngarten für fast vergessene Gemüsesorten aufzubauen. Hier findet man unter anderem Pastinaken, Mangold und Haferwurz. Sieben Hochbeete mit Duftkräutern sind ein besonderer Blickfang im weitläufigen Areal.

Programme sprechen alle Altersgruppe an

„Die Anlage war schon barrierefrei, das ist ein großes Plus“, sagt Sabine Kotzan über ihre ersten Eindrücke beim Start. Sie ist dafür zuständig, das Gelände in Schuss zu halten und Veranstaltungen zu organisieren für Menschen mit und ohne Behinderung. Die Programme, die sie konzipiert, werden mit allen Altersgruppen erprobt. Der Schwerpunkt lag anfangs auf Grundschulklassen, mittlerweile sind weiterführende Schulen hinzugekommen. Die Themenpalette, um Natur zu erfahren, ist unerschöpflich: Wildbienen, die Flora im Jahreszeitenlauf, das Ernten und Essen alter Gemüsesorten, Wildkräuterkochkurse.

Auch die gartentherapeutische Gruppe von St. Bernardin nimmt am Umweltprojekt teil. Mittwochs arbeitet Sabine Kotzan zwei Stunden mit den Bewohnern. „Das steigert deren Wohlbefinden“, hat die 52-Jährige erfahren. Die Fachfrau kann sich gut vorstellen, dass dieses Inklusions-Konzept auch auf andere Kommunen übertragbar ist.

Ehrenamtliche Helfer leisten Verstärkung

Verstärkung bekommt Sabine Kotzan donnerstags nachmittags von ehrenamtlichen Helfern. Für diese Hilfe ist sie dankbar. Und gut findet sie auch, dass ihre Wochenstunden Anfang Juli von 25 auf 30 aufgestockt wurden. „Sonst wäre das hier alles auch gar nicht zu schaffen.“ Und sie hat sich noch viel vorgenommen. Zum Beispiel mehr Begegnungen von behinderten und nicht-behinderten Menschen. „Das kann gerne noch zunehmen“, meint sie. Die Angebote in St. Bernardin seien alle niederschwellig. „Jeder kann teilnehmen, die Angebote sind für alle offen.“ Gartentherapie für an Demenz Erkrankte würde Sabine Kotzan auch gerne noch machen.

Noch bleibt gut zwölf Monate Zeit. „Die Förderung der Stelle läuft zunächst bis August 2020“, erklärt Sabine Neu vom Lei.La-Büro in Geldern. Doch eine Verlängerung der Projekt-Stelle sei durchaus möglich. Die könnte dann bis 2022 gehen.

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