Kinderbetreuung

In Rheinberg fehlen bis zu 100 Kindergartenplätze

In Rheinberg fehlen bis zu 100 Kindergartenplätze.

Foto: Archiv/Julian Stratenschulte

In Rheinberg fehlen bis zu 100 Kindergartenplätze. Foto: Archiv/Julian Stratenschulte

Rheinberg.   Der Kinderbetreuungsbedarf ist groß, das Angebot zu gering. 75 Plätze in der Reichelsiedlung decken nicht einmal den Bedarf dort. Was ist zu tun?

788 Kinder im Alter ab drei Jahren aufwärts, sogenannte Ü3-Kinder, gibt es in Rheinberg. Sie müssten mit Kindergartenplätzen versorgt werden. Es gibt aber nur 714 Plätze für diese Altersgruppe. Diese Zahlen, die Sozialdezernentin Rosemarie Kaltenbach im Gespräch mit der NRZ nannte, zeigten den Bedarf an Kinderbetreuung in der Stadt allein in dieser Altersgruppe.

„Zu diesen 74 unversorgten Kindern kommen noch 180 hereinwachsende Kinder“, so Kaltenbach. Hereinwachsende: Das sind die Kinder, die im laufenden Kindergartenjahr 2017/18 drei Jahre alt werden. Dem stehen zwar 150 sogenannte U3-Plätze zur Verfügung, also Betreuung für Kinder unter drei Jahren. Das fängt aber zusammengenommen nicht alle Unversorgten auf. Kaltenbach: „Im Moment sind bis zu 100 Kinder nicht versorgt.“

Dieses Loch konnte natürlich auch in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses nicht gestopft werden, als über die Tagesstättenbedarfsplanung diskutiert wurde. Aber es sorgte wieder einmal für Debatten, auch über das Verfahren. So kritisierte zum Beispiel Karin Ricking (CDU): „Das Verfahren läuft aktuell nicht rund.“

Svenja Reinert (Grüne) forderte, dass die bisher nicht in den Planungszahlen auftauchenden Kinder aus Flüchtlingsfamilien berücksichtigt werden müssten. Und sie sagte voraus: „Der U3-Bedarf wird zunehmen, da viele Mütter nach dem Auslaufen des Elterngeld nach einem Jahr wieder in ihren Beruf zurückkehren müssen.“

Gerade das sei aber schwierig, erklärte Kaltenbach. „In Flüchtlingsfamilien gibt es großen Beratungsbedarf, weil diese eine Kinderbetreuung wie bei uns gar nicht kennen. Aber sie brauchen diese Betreuung, damit die Kinder bessere Startchancen in der Schule haben.“ Viele Familien hätten jedoch durch die Flucht Verlustängste. „Wir müssen da aktiv werden. Flyer alleine reichen nicht aus.“

Heike Finmans-Göbel bemängelte, dass „erst am 20. Mai die Zusagen gekommen sind, dass zum 1. August Betreuungsplätze mit einem Umfang von 45 Stunden bereitstehen. Das geht nicht!“ Auch Kaltenbach haderte mit diesem Problem: „Es ist in unserem Interesse, dass das so früh wie möglich geklärt ist.“

Ein weiteres Problem könnte auf die Stadt dadurch zukommen, dass „im Grunde auch für unter einjährige Kinder ein Anspruch auf einen Betreuungsplatz besteht, wenn beider Eltern berufstätig sind“, so Kaltenbach – und das vor dem Hintergrund, dass selbst mit dem Entstehen der geplanten Einrichtung in der Reichelsiedlung der Bedarf allein dort nicht einmal gedeckt ist. Kaltenbach: „Dort wird es 75 Plätze geben. Aber es gibt 102 Ü3-Kinder und zusätzlich noch einmal 29 Hereinwachsende.“

Dennoch ist sie froh über den Bau und die weiteren Option Schützen- und Moerser Straße. Aber: An der Moerser Straße gebe es in der Nähe kein Wohngebiet. Das sei keine Nahversorgung.

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