Bildung

In Rheinberg sofort verliebt in Deutschland

Die amerikanische Austauschschülerin Lilly Gee kam über den Rotary Austausch nach Rheinberg. Hier mit Martin Reichert und Edith Catrein - Diering

Die amerikanische Austauschschülerin Lilly Gee kam über den Rotary Austausch nach Rheinberg. Hier mit Martin Reichert und Edith Catrein - Diering

Foto: Fischer, Armin (arfi)

Rheinberg.  Die amerikanische Austauschschülerin Lillian Abigail Gee verbringt ihr Auslandsjahr in Rheinberg. Sie ist von ihrer neuen Heimat begeistert.

Es war wie die berühmte Liebe auf den ersten Blick. „Ich war fasziniert, es hat mir so gut gefallen“, erinnert sich Lillian Abigail Gee, die alle Lilly nennen, an ihren 24-Stunden-Aufenthalt in München vor zwei Jahren. Ein einziger Tag in der bayrischen Landeshauptstadt reichte der 16-jährigen Schülerin aus den USA aus, um eine weitreichende Entscheidung zu treffen: Sie wollte unbedingt nach Deutschland. Und zwar nicht nur für einen kurzen Urlaub, sondern für ein Austauschjahr.

Eine immense Bereicherung

Vor knapp zwei Monaten kam sie im Rahmen des Rotary Austauschprogramms aus der 100.000-Einwohner-Stadt Rochester in Minnesota an den Niederrhein. Ein Jahr lang wird sie in Gastfamilien den Alltag erleben und die Jahrgangsstufe elf der Europaschule besuchen. Martin Reichert, Didaktischer Leiter der Schule, freut sich über den Langzeitgast: „Für uns ist es eine immense Bereicherung, eine Muttersprachlerin aus den USA zu haben.“ Eine Premiere für die Europaschule.

Noch nimmt neben dem Unterricht der Intensivkurs Deutsch einen Großteil von Lillians Zeit in Anspruch. Derzeit gilt es für sie, sich zu orientieren, neue Freunde zu finden und ihren persönlichen Alltag in Deutschland zu gestalten. Allzu große Unterschiede hat die Schülerin bislang noch nicht ausgemacht. Kulturschock? Eigentlich nicht, sagt Lilly. Bisher seien es die Kleinigkeiten im Alltag, die hierzulande so ganz anders sind als in ihrer Heimat. Die Schultüte zur Einschulung zum Beispiel. Auch der Stundenplan in der Schule ist für sie neu. „In Amerika haben wir jeden Tag dieselben Fächer, das ist hier anders“, erzählt Lilly. Und Autofahren darf sie mit ihren 16 Jahren – anders als in den USA – in Deutschland natürlich nicht. Für die Mobilität in einem Dorf wie Wallach sei der Verzicht aufs Auto daher eher gewöhnungsbedürftig.

Lilly vermisst den Sport

Eines vermisst Lillian dennoch ein wenig: Sport genießt in den Staaten eine wesentlich höheren Stellenwert als in Deutschland. Die 16-Jährige ist eine hervorragende Tennisspielerin; zwei Stunden hat sie in Rochester täglich auf dem Platz verbracht. Dass sie momentan nicht mehr regelmäßig den geliebten Schläger schwingen kann, sieht die Oberstufenschülerin aus den USA dennoch positiv: „Ich suche eine neue Sportart, die mir Spaß macht.“ Auch der Besuch einer Foto AG steht auf ihrem Plan. Nicht ohne Grund: Nach ihrem Schulabschluss möchte Lillian Fotografie studieren.

Die 16-Jährige möchte ihren Horizont erweitern

Über den Tellerrand hinausschauen, mögliche Vorurteile überwinden und den Horizont erweitern – das ist das Motto der jungen Frau. „Genau das will auch der Rotary Club jungen Menschen mit dem Austauschprogramm ermöglichen“, bestätigt Edith Catrein-Diering vom hiesigen Rotary District. Sie steht Lillian und den Gasteltern mit Rat und Tat zur Seite. Ihr wichtigster Praxistipp für alle Austauschschüler: Sich auf das Leben in Deutschland einlassen und dabei den Kontakt zu den Lieben daheim nicht zu intensiv zu gestalten. „Einmal pro Woche telefonieren oder eine kurze Textnachricht am Tag – das macht Lillian richtig“, ist Catrein-Diering überzeugt. Auch an die fünf großen D-Verbote, die der Rotary Club aufgestellt hat, müssen sich junge Menschen halten: No drinks, drugs, dates, drives und downloads (dt.: kein Alkohol, keine Drogen, keine Verabredungen, kein Autofahren und keine Downloads). „Das wissen aber alle, bevor sie den Austausch antreten“, sagt die ehemalige Schulleiterin.

Das Mädchen ist nicht auf Vorurteile gestoßen

Doch wie war eigentlich die Reaktion von Lillys Familie, Freunden und Mitschülern, als sie ihr Vorhaben präsentierte, nach Deutschland zu gehen? „Sie waren traurig, aber überzeugt, dass es eine gute Gelegenheit sei, die ich auf jeden Fall nutzen sollte“, erzählt Lilly. Auf Vorurteile sei sie nicht gestoßen. Ein Missverständnis gab es aber dann doch. Das konnte Lilly inzwischen aber selbst aus der Welt räumen: Für sie habe die deutsche Sprache bislang immer so geklungen, als seien die Redner stets sehr wütend. Genau diese Sprache hat Lilly binnen kurzer Zeit schon sehr gut gelernt.

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