Seniorencafé

Kaffee, Kuchen und Kontakte

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Rheinberg.   Das Café Böhnchen feierte den ersten Geburtstag. Anlaufstelle für Senioren

Erst ein Jahr ist es alt, aber schon in aller Munde. „Die Idee war goldrichtig“, betont eine Seniorin. „So etwas hat uns am Annaberg gefehlt“, ergänzt eine andere. Gemeint ist das Café Böhnchen, das fast auf den Tag genau vor einem Jahr im Haus der Generationen – das sich vor Jahren noch Evangelisches Gemeindehaus nannte – an den Start ging, und gleich ein voller Erfolg wurde, wie man sich jeden Sonntagnachmittag überzeugen kann.

Am Sonntag nun wurde der erste Geburtstag gefeiert. Zwar gab es keine Geburtstagstorte und auch auch kein Geburtstagsständchen, doch ein Glas Sekt für jeden Gast war drin.

Es waren die Senioren selbst, die die Idee zu einem Café am Sonntagnachmittag hatten. Hausleiterin und Quartiermanagerin Anke Sczesny: „Wir haben mit engagierten Senioren zusammengesessen und überlegt, was man für sie tun kann.“ Die Idee eines Cafés stand an der Spitze. „Gerade für Senioren, Witwen oder Witwer, ist der Sonntagnachmittag oft sehr öde“, hatten die geäußert. „Wir hätten gerne einen Ort, an dem man sich nachmittags treffen kann.“

So startete man im vorigen Jahr: Am 22. Mai gab’s erstmals Kaffee und Kuchen. 120 Senioren aus ganz Rheinberg waren die ersten Gäste. Der Name „Café Böhnchen“ war schnell gefunden, setzte sich gegen „Café Jedermann“ und „Café Zukunft“ durch.

„Nur an zwei Sonntagen im vergangen Jahr hatten wir geschlossen“, weiß Anke Sczesny. Es war der Tag des Stadtfestes und der 2. Weihnachtstag. Auch Jüngere kommen gerne zum Plausch. „Sechs Blechkuchen stehen immer bereit.“

Inzwischen gibt es ein Mal im Monat einen Themensonntag mit Musik oder Tanz. Wenn besondere Themen geboten werden, kommen schon mal 70 Besucher. „Es ist wichtig, dass die Senioren aus der Vereinsamung herausgeholt werden“, sagt Anke Sczesny, der ein 15-köpfiges Team zur Seite steht. Ute Donat, Renate Flack, Marge Freckmann und Käthe Karoly waren von Anfang an dabei, fanden längst weitere Helferinnen.

Mit viel Spaß dabei

„Ich finde das Café ganz toll“, lobt Nils Neumann. Der 18-Jährige ist Jahrespraktikant in der Kirchengemeinde, sonntags im Café dabei. „Ich war vorher in der Jugendarbeit, hatte mit Senioren nichts zu tun. Mit denen zusammen zu sein, macht Spaß.“ Ähnlich sieht es Lars Stefan Schäfer (17) vom Annaberg. Als er gefragt wurde, ob er mithelfen möchte, sagte er sofort zu. Seither teilte er an vielen Sonntagen Kaffee aus.

Auch Hildegard Schmerkötter und Tochter Ingrid, die im Rollstuhl sitzt, sind regelmäßige Gäste. „Wir sind vor eineinhalb Jahren aus Essen zugezogen und mussten einen neuen Bekanntenkreis aufbauen.“

Da kam das Café gerade recht: Schon am Eröffnungstag waren sie dabei. „Wir haben inzwischen viele nette Kontakte gefunden.“ Sie erlebte vor einer Woche wieder mal die Teilnahmslosigkeit Anderer. „Die Busfahrerin der Linie 913 half uns nicht, den Rollstuhl in den Bus zu bringen. Da mussten wir den selbst rein wuchten.“ Auch ein paar junge Männer an der Haltestelle blieben tatenlos, was sie ärgert. „Hier im Café Böhnchen fühlen wir uns wohl, hoffen, dass es immer so weiter geht.“

So etwas hört natürlich auch Anke Sczesny gerne, die lange damit beschäftigt war, mit den Gästen zum Geburtstag anzustoßen.

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