Bürgerinitiative

Rheinberger kämpfen um den freien Zugang zum Rhein

Die Sprechergruppe der Rheinberger Bürgerinitiative "Contra-Rheinuferverbot": Anika Miesen, Janina Pollmann, Thomas Lehnst, Britta Krämer, Sabine Willicks, Kerstin Karabeg (hinten von links) und Sabine Lehnst und Patrick Meyer (vorne)

Die Sprechergruppe der Rheinberger Bürgerinitiative "Contra-Rheinuferverbot": Anika Miesen, Janina Pollmann, Thomas Lehnst, Britta Krämer, Sabine Willicks, Kerstin Karabeg (hinten von links) und Sabine Lehnst und Patrick Meyer (vorne)

Foto: Jasmin Ohneszeit

Rheinberg  In Rheinberg hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, nachdem für einen Uferabschnitt ein Betretungsverbot gilt. Eine Demo ist geplant.

„Es geht uns nicht darum, das Naturschutzgebiet zugunsten des Menschen zu verkleinern. Aber wenn Platz für neue Industrieflächen ist, dann sollte auch Platz für Menschen sein, die die Natur achten und in ihr Erholung suchen“, betont Patrick Meyer. Er erhält Applaus für diese Aussage. Dass das Zugangsverbot zum Rheinufer in Ossenberg weiterhin einen hohen Protestwert bei den Rheinbergern hat, zeigte das große Interesse an der Informationsveranstaltung der Gruppe „Contra Rheinuferverbot Ossenberg – Mein Vater Rhein“. Im Bürgerkeller der Alten Apotheke war es voll, zusätzliche Stühle wurden herangeschafft, einige Bürger mussten sogar stehen. Rund 70 waren der Einladung gefolgt, denn am Donnerstagabend gründeten einige Mitglieder der Gruppe die offizielle Bürgerinitiative „Contra-Rheinuferverbot“, um weiterhin gegen das Verbot vorzugehen.

Über den großen Zuspruch waren die Organisatoren selbst etwas überrascht – positiv natürlich. Patrick Meyer hat sich bereit erklärt Sprecher der Initiative zu werden. „Wenn sich jeder darauf verlässt, dass jemand anderes schon etwas gegen das Verbot unternimmt, dann wird das nichts. Dafür ist die Sache zu wichtig“, so Meyer.

Die Bürgerinitiative fordert einen freien Zugang zum Rhein auf einem Abschnitt von knapp 600 Metern zwischen dem geplanten Ruhehafen und dem Kiesgebiet. Seit dem verhängten „Betretungsverbot“ müssten sich Fußgänger und Radfahrer den Weg auf der Deichkrone noch mehr teilen. Meyer: „Da verläuft die offizielle Oranierroute lang. Man reibt ständig aneinander. Es ist zu wenig Platz.“

Bürgerinitiative will vor dem Kreishaus in Wesel protestieren

Der Sprecher betonte, dass man nichts gegen die eingesetzten Ranger des Regionalverbandes Ruhr (RVR) habe. Im Gegenteil: „Es gibt viele schwarze Schafe, die ihren Müll in die Natur werfen, die sollen auch von den Rangern zur Rechenschaft gezogen werden“, ergänzt Britta Krämer, ebenfalls Mitglied der Bürgerinitiative. Als nächster Schritt soll ein Bürgerbegehren bei der Stadt eingereicht und ein Gutachten angefordert werden, ob der Kiesbrüter wirklich am betroffenen Stromkilometer 805 lebt. „Da ist schließlich weit und breit ein Sandstrand“, so Janina Pollmann, stellvertretende Sprecherin. Vor dem Stadthaus und dem Kreishaus in Wesel wollen die Mitglieder zeitnah eine Demo veranstalten.

„Die Verantwortlichen der Stadt und des Kreises haben sich bisher nicht sehr dialogbereit gezeigt“, sagt Krämer. „Wir mussten beim Bürgermeister dreimal fragen, um eine von zehn Fragen beantwortet zu bekommen.“ Ebenso wollen sie auf Stadtfesten Präsenz zeigen und informieren. „Viele glauben nämlich immer noch irrtümlicherweise, dass das Zugangsverbot nur für Hundehalter gilt, aber es betrifft alle Menschen.“

Bis zum 8. September liegt eine Unterschriften-Liste aus

Die Initiative fordert eine Kompromisslösung. Ein ausgewiesener Weg zum Rheinufer und einer, der wieder zum Deich führt, wäre zum Beispiel einer. Einer Hundehalterin reiche das aber nicht. Sie fordert eine Wiese, auf der die Tiere freilaufen können. Diese könne man während der Brutzeit sperren. Diese Hoffnung nahm ihr Klaus Lorenz, Vorsitzender der Biologischen Station des Kreises Wesel, schnell. Er kam als einziger Vertreter einer öffentlichen Institution, um sich die Belange schildern zu lassen. „Im Naturschutzgebiet haben freilaufende Hunde nichts zu suchen, auch außerhalb der Brutzeit nicht.“ Da sei die Stadt Rheinberg gefragt an anderen Stellen Hundewiesen auszuweisen.

Lorenz begrüßt die Arbeit der Ranger, möchte aber nicht, dass Menschen, die sich anständig benehmen, aus den Naturschutzgebieten ferngehalten werden. Eine andere Frau fragte sich, ob nicht einer der Baggerseen als Erholungsschutzgebiet ausgewiesen werden könnte, wo Hundehalter mit ihren Vierbeinern frei sein könnten. Die Ideen und Vorschläge wurden gesammelt.

Die Initiative nimmt nun ihre Arbeit auf. Bis zum 8. September liegen auch die Unterschriftenlisten aus, die dann Landrat Ansgar Müller übergeben werden sollen. „Allein in Orsoy kamen bisher 200 Unterschriften zusammen“, sagt Janina Pollmann. Fazit des Abends: 59 Mitglieder schlossen sich der Bürgerinitiative an.

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