Soziales

Literatur zum Kilopreis: Das gibt es in Sonsbeck

Reis Ali, Jacek Boczek und Brigitte Remitschka kümmern sich um die Spenden für den Emmaus-Flohmarkt.

Reis Ali, Jacek Boczek und Brigitte Remitschka kümmern sich um die Spenden für den Emmaus-Flohmarkt.

Foto: crei

Sonsbeck.   Das bietet die Emmaus-Bruderschaft mit ihrem Flohmarkt in Sonsbeck. Und dort gibt es auch Hilfe für Menschen, die sich in Not befinden.

Auspacken erwünscht. Reis Ali und Jacek Boczek reden nicht viel. Dafür packen sie an. Kisten voller Bücher müssen ausgepackt werden, mit Kleidung und Spielzeug. Ein uraltes Tonband wird ins Regal der Elektro-Ecke gehievt. Fleißige Hände werden an der Alpener Straße immer gesucht. „Über einen Mangel an Spenden können wir uns wirklich nicht beklagen“, sagt Brigitte Remitschka, während sie vorsichtig um Kisten und Kästen in der Lagerhalle der Emmaus-Gemeinschaft herumgeht.

Seit mehr als 25 Jahren ist die Sozialpädagogin als ehrenamtliche Helferin im Flohmarkt dabei, hat selbst sieben Jahre hier gewohnt, zusammen mit Menschen, die in Notlagen versuchen, festen Boden unter die Füße zu kriegen – dazu zählen bisweilen auch Flüchtlinge, die sinnvolle Tätigkeiten suchen. In Sonsbeck finden sie ein Dach über dem Kopf und Arbeit.

Vier Menschen leben derzeit hier – ohne Alkohol, ohne Drogen. Für ihre Arbeit werden sie bezahlt. Für die Unterkunft und das Essen wird ein kleiner Betrag einbehalten.

Eigentlich sei Platz für zehn, vielleicht sogar zwölf Menschen. Aber nach dem Brand einer Lagerhalle im April 2015 und dem Wiederaufbau könne mit einem Ausbau der Bruderschaft erst im neuen Jahr Schritt für Schritt begonnen werden, sagt Brigitte Remitschka. Inzwischen ist der Büchermarkt wieder angelaufen. Wer Literatur zum Kilopreis kauft, tut nebenher auch etwas Gutes. Ein Teil der Einnahmen geht an wohltätige Vereinigungen. Auch an die Wiedereinführung des Antiquitäten-Marktes ist gedacht. Die Hallen sind vom Porzellan bis zu Möbeln inzwischen jedenfalls wieder gut gefüllt. Besonders mittwochs kommen regelmäßig 200 bis 300 Gäste selbst aus dem Ruhrgebiet und den Niederlanden, geben ihre Sachen ab und kaufen günstig ein.

Das heißt: „Für teure Sammelstücke nehmen wir auch schon mal einen höheren Betrag“, sagt Brigitte Remitschka, die an viele fleißige Helfer beim Wiederaufbau erinnert. „Ohne die hätten wir das nie geschafft.“ Die vier Mitarbeiter halten den Güterkreislauf jedenfalls in Gang. Für Transporte stehen zwei Lastwagen zur Verfügung, mit denen Möbel abgeholt werden können.

Was in Sonsbeck nicht verkauft wird, geht an die anderen zwei deutschen Emmaus-Gemeinschaften in Krefeld und Köln. Und regelmäßig werden die beiden Sonsbecker Lastwagen auch zu Transporten zu Emmaus-Niederlassungen in Rumänien eingesetzt.

Brigitte Remitschka: „Die Menschen dort haben unsere Hilfe dringend nötig. Auch in die Niederlande und nach Frankreich gehen Lieferungen. In Paris steht auch die Wiege der Bewegung. Der ehemalige Parlamentsabgeordnete Abbé Pierre baute nach dem Krieg mit und für Obdachlose Notunterkünfte in den Vorstädten auf. Um den vielen Notleidenden beistehen zu können, sammelten Pierre und seine Helfer auf den Müllhalden Lumpen, Eisen und Papier, sortierten alles und verkauften es.

Die Idee machte in ganz Frankreich Schule: Dort gibt es 240 der weltweit gut 350 Emmaus-Einrichtungen. Dort gibt es wie in Sonsbeck sehr viele Gäste, die regelmäßig vorbeischauen, um gemeinsam eine Tasse Kaffee zu trinken und mit den Mitarbeitern zu plaudern. Auch das sei wichtig, sagt Brigitte Remitschka „Wir pflegen diese sozialen Kontakte.“

Der Flohmarkt an der Alpener Straße 40 in Sonsbeck (Tel. 2838 96446) ist ab 10. Januar wieder mittwochs und freitags von 14 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

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