Wirtschaft

Logistikzentrum Rheinberg: Amazon wächst, die Kritik auch

Das Amazon Logistikzentrum hat momentan viele Aufträge.

Das Amazon Logistikzentrum hat momentan viele Aufträge.

Foto: Vladimir Wegener / WP

Bei Amazon nehmen die Bestellungen von Toilettenpapier, Seife und Co. wegen des Coronavirus zu. Hygienemaßnahmen wurden verstärkt.

Rheinberg. Restaurants dürfen nur noch bis zum Nachmittag öffnen, viele Einzelhändler mussten ihre Geschäfte in Rheinberg schließen, weil sie nicht dem täglichen Bedarf dienen. Beim Online-Versandhandel Amazon geht das Tagesgeschäft in Zeiten der Corona-Krise aber weiter – zum Unverständnis von Jovica Jovic. „Dort arbeiten pro Schicht knapp 1000 Leute. Wie gewährleistet Amazon, dass der nötige Abstand zwischen den Mitarbeitern beispielsweise am Fließband eingehalten wird?“, fragt sich Jovic, der als Pflegefachkraft in einer leitenden Position arbeitet.

„Nicht zu verantworten“

Er fordert, dass auch die Arbeit in den Amazon-Logistikzentren niedergelegt werde. „Amazon dient nicht der Grundversorgung. Auf eine Spielekonsole, Elektronik oder Schuhe kann man aktuell doch verzichten. Die Arbeit weiterlaufen zu lassen, ist moralisch und gesundheitlich nicht zu verantworten“, betonte Jovic. Ihm wurde – wie er selbst sagt – aus einer nahen Quelle zudem zugetragen, dass die Mitarbeiter zwar selbst entscheiden könnten, ob sie zur Arbeit erscheinen wollen oder nicht, sollten sie dies aber nicht tun, werde ihnen das vom Urlaub und den Überstunden abgezogen. „Alle sprechen in diesen Zeiten von Solidarität. So viele Überstunden hat ein Mitarbeiter bei Amazon aber gar nicht. Es kann ja nicht sein, dass er danach nicht weiterbezahlt wird“, kritisierte der Kamp-Lintforter.

Amazon bezog auf Anfrage der NRZ Stellung zu den Vorwürfen. Aktuell steige vor allem die Nachfrage nach typischen Supermarktprodukten: Unter anderem Desinfektionsmittel, Seife oder Toilettenpapier, erklärte Amazon-Pressesprecher Thorsten Schwindhammer. Damit stelle der Versandhandel auch die Grundversorgung sicher.

Die Bedürfnisse erfüllen

Seit dieser Woche werden bestimmte Waren, die Kunden aktuell am dringendsten brauchen, priorisiert. Es handelt sich dabei um Artikel für den täglichen Bedarf, medizinische Verbrauchsgüter und andere Produkte mit hoher Nachfrage. Das heißt im Umkehrschluss auch: Der Versand von Produkten, wie beispielsweise einem Fußball oder dem Spielgerät, könnten nun etwas länger dauern. „Viele Kunden haben keine andere Möglichkeit, an wichtige Artikel zu kommen, weil sie zum Beispiel in Quarantäne sind und wir wollen sicher sein, dass wir die richtigen Ressourcen zur Verfügung haben, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen“, so der Pressesprecher über die Priorisierung.

Die Kritik über die mangelnde Hygiene ließ er nicht gelten. „Wir halten uns genau an die Richtlinien der lokalen und internationalen Gesundheitsbehörden und haben eine Reihe von präventiven Gesundheitsmaßnahmen an Standorten auf der ganzen Welt eingeführt“, so Schwindhammer. Es gebe verstärkte Reinigungsintervalle und genügend Desinfektionsmittel. Besprechungen, die nicht notwendig seien, würden abgesagt werden, ebenso achte man auf den nötigen Abstand zwischen den Mitarbeitern während der Arbeit und in den Pausen. Um der anhaltenden Nachfrage gerecht zu werden, schafft Amazon deutschlandweit aktuell 350 zusätzliche Voll- und Teilzeitstellen.

Willkommen heißen

„Wir wissen, dass viele Menschen wirtschaftlich betroffen sind, da Arbeitsplätze in Bereichen wie Hotels, Restaurants und Reisen als Teil dieser Krise wegfallen. Wir möchten, dass diese Menschen wissen, dass wir sie in unseren Teams willkommen heißen, bis sich die Dinge wieder normalisieren und ihr früherer Arbeitgeber in der Lage ist, sie weiter zu beschäftigen“, warb Thorsten Schwindhammer, der im gleichen Zug aber auch klarstellte, dass niemand, der sich krank fühle, zur Arbeit kommen müsse: „Die Gesundheit steht an erster Stelle.“

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