Rettungsdienstbedarfsplan

Nächtlicher Notarztstandort: Rheinberg setzt sich zur Wehr

Der Notarzt rückt aus.

Der Notarzt rückt aus.

Foto: dpa

Auch die Stadt hält nichts von den Plänen des Kreises, den nächtlichen Notarztstandort Rheinberg aufzugeben. Eine Sondersitzung ist geplant.

Rheinberg. Auch die Stadt Rheinberg will sich mit aller Vehemenz gegen die Pläne des Kreises Wesel wehren, den nächtlichen Notarztstandort in ihrer Stadt aufzugeben. Bürgermeister Frank Tatzel kritisierte in der Ratssitzung am Dienstag vor allem die fehlerhafte Datenerhebung des Kreises bei den durchschnittlichen Einsatzzahlen pro Nacht – ähnlich wie es zuvor schon die Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung Xanten gemacht hatten (wir berichteten). So sei die Zahl der von der Rettungswache am Melkweg gefahrenen Einsätze mit 1,36 im Durchschnitt pro Nacht deutlich über der vom Kreis angesetzten Zahl von weniger als einem Einsatz. „39.000 Menschen wären in einem Gebiet von 99 Quadratkilometern betroffen, falls der Notarzt abgezogen wird“, erläuterte Tatzel. „Und die Fahrtzeiten würden sich signifikant erhöhen.“ Und im Falle der bislang vorgesehenen nächtlichen Zusammenlegung der beiden Notarztsysteme Xanten und Rheinberg würde sich der Einsatzbereich erheblich erweitern: Ein Notarzt wäre dann für insgesamt 262 Quadratkilometer und 73.500 Einwohner zuständig.

Von der Nordgrenze bis zur Südgrenze würde so eine Fahrtzeit von rechnerisch über 35 Minuten entstehen. Wegen der Frist für die Stellungnahme der Stadt, die bis zum 25. September beim Kreis vorliegen muss, beruft Bürgermeister Tatzel eine Sondersitzung am 17. September ein. Jürgen Bartsch, Fraktionschef der Grünen, regte an, eine Arbeitsgruppe zu bilden und „ein klares Signal für die Stadt abzugeben.“ SPD-Chef Jürgen Madry betonte ebenfalls, dass man „ganz klar keine Veränderungen will“, erinnerte aber an die jetzt beginnenden Sommerferien und ärgerte sich darüber, dass man bis dato noch auf einem schlechten Informationsstand sei. CDU-Fraktionschef Erich Weisser begrüßte den Vorschlag der Grünen. „Wir müssen mit der Feinarbeit zügig anfangen, um noch zu retten, was noch zu retten ist. Eine Arbeitsgruppe würde da weiterhelfen.“ Auch Herbert Becker (FDP) war grundsätzlich der Meinung, dass „wir etwas machen müssen“. Klaus-Dieter Overmeyer (Linke) sah das ähnlich: „Wir müssen sofort reagieren, damit uns später nicht vorgeworfen wird, wir hätten zugeschaut.“

Einstimmig beschloss der Rat, der Beschlussvorlage zu folgen und fordert den Kreis auf, von der Planung zurückzutreten, den in Rheinberg stationierten Notarzt während der Nachtstunden abzuziehen und in Alpen zu stationieren. Die Notarztstandorte Rheinberg und Xanten sollen auf Dauer erhalten bleiben.

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