Wohnen

Neuer, freundlicher Nachbar in Xanten gesucht

Cordula Janßen und Ingrid Schalwig (l.) suchen einen neuen Nachbarn für eine freigewordene Wohnung im Ambulant Betreuten Wohnen.

Cordula Janßen und Ingrid Schalwig (l.) suchen einen neuen Nachbarn für eine freigewordene Wohnung im Ambulant Betreuten Wohnen.

Foto: Armin Fischer

Xanten-Marienbaum.  Cordula Janßen und Ingrid Schalwig leben im Ambulant Betreuten Wohnen in Marienbaum. Gerade ist auf ihrer Etage etwas frei geworden

Cordula Janßen und Ingrid Schalwig wohnen auf einer Etage, sie sind Nachbarinnen. Manchmal kochen sie zusammen oder spielen „Mensch ärgere dich nicht“. Manchmal möchten sie aber ihre Ruhe haben, häkeln oder Fußball schauen, dann gehen sie in ihre eigenen Wohnungen und schließen die Türen hinter sich zu. Für die meisten Menschen ist das normal, aber Cordula Janßen und Ingrid Schalwig lebten bis vor drei Jahren mit weiteren Personen in einer Wohngemeinschaft – bis sie auf eigenen Füßen stehen wollten. Es sei viel schöner, „sein eigener Herr zu sein“, sagt Cordula Janßen (61). Auch wenn es dazu gehört, sich selbst um den Haushalt kümmern.

Dabei wird ihnen geholfen, zum Beispiel von Annette Janßen. Sie arbeitet für das Heilpädagogische Heim-Netz (HPH) Niederrhein des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) und unterstützt Menschen mit Behinderung im Ambulant Betreuten Wohnen – wie die beiden Frauen in Marienbaum. Rund 50 Frauen und Männer, die vom LVR-HPH-Netz Niederrhein betreut werden, leben im Kreis Wesel im Ambulant Betreuten Wohnen. Manche allein, manche als Paar, andere in einer Wohngemeinschaft. Genauso wie Menschen ohne Behinderung hätten auch Menschen mit Behinderung das Recht darauf, in eine eigene Wohnung zu ziehen, sagt Kira Jahn, die das Ambulant Betreute Wohnen in dieser LVR-HPH-Region leitet. „Wenn es ihr Wunsch und Wille ist.“

Umzug wird sorgfältig vorbereitet

Es werde aber niemand ins kalte Wasser geworfen, erklärt Jahn. Der Umzug in die eigenen vier Wände werde sorgfältig und manchmal sogar über ein oder zwei Jahre vorbereitet.

Denn Selbstständigkeit müsse erst einmal gelernt werden. „Das sind kleine Dinge, zum Beispiel, was es bedeutet, den Müll nach unten zu bringen oder die Waschmaschine zu bedienen.“ Wer in eine eigene Wohnung ziehe, müsse sich auch um Fragen kümmern, die das Geld betreffen. Was kostet überhaupt ein Einkauf? Bleibt am Ende des Monats noch Geld für Kleidung übrig? Zusätzlich zur sozialen Begleitung könnten auch pflegerische Leistungen in Anspruch genommen werden. „Das bieten wir aus einer Hand an, so wird das Leben in den eigenen vier Wänden häufig erst möglich.“

Wenn Annette Janßen zu Besuch kommt, wird sie von Ingrid Schalwig und Cordula Janßen direkt in Beschlag genommen, schließlich muss das Essen für die Woche geplant werden. Einkäufe stehen an, vielleicht wollen die Frauen auch einen Ausflug machen oder müssen zum Arzt, vielleicht gibt es auch das eine oder andere Problem, das durch ein Gespräch aus der Welt geschafft werden kann. „Der Mensch steht im Mittelpunkt und wird individuell unterstützt“, sagt Janßen. Es gehe nicht darum, ihre Vorstellungen umzusetzen, sondern die der Menschen, denen sie zur Seite stehe.

Bisheriger Bewohner ist nach Duisburg gezogen

Das würde natürlich auch für einen neuen Nachbarn gelten: Auf der Etage von Ingrid Schalwig und Cordula Janßen gibt es eine dritte Wohnung, sie ist gerade frei geworden, nachdem der bisherige Bewohner nach Duisburg gezogen ist. Deshalb suchen die beiden Frauen einen Nachmieter für knapp 40 Quadratmeter. Am liebsten wäre ihnen eine Frau. Noch wichtiger ist ihnen aber, dass die neue Nachbarin oder der neue Nachbar zu ihnen passt. Er oder sie solle in ihrem Alter sein, sagen sie. „Und lieb soll er sein“, sagt Cordula Janßen. „Und freundlich“, ergänzt Ingrid Schalwig (58). Die Chemie muss eben stimmen. Wie in jeder guten Nachbarschaft. Und wie zwischen den beiden Frauen.

Die Wohnungen sind über einen Flur miteinander verbunden. Es gibt einen Gemeinschaftsraum mit einer Sitzecke und einer Küche. Zusätzlich haben die Bewohnerinnen jeweils eine kleine Kochzeile in ihrer Wohnung und auch ein eigenes Badezimmer. Sie müssen sich also nichts teilen, auch wenn sich die beiden Frauen gut verstehen und liebevoll miteinander umgehen. Sie können sich aber jederzeit in ihre Wohnungen zurückziehen. „Jeder hat sein eigenes Reich“, sagt Cordula Janßen.

Informationen rund um die Wohnung

Die Wohnung befindet sich in einem Mehrfamilienhaus in Marienbaum. Es handelt sich um Ambulant Betreutes Wohnen. Kontakt Wer Interesse hat, kann sich bei David Heymings vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) melden, Tel. 01520 9314599, E-Mail: david.heymings@lvr.de

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