Restaurierung

Neuer Glanz für den Turm von St. Peter in Rheinberg

Udo Schäfer gehört zu den Fugern. Rechts neben ihm: Architekt Franz Falke.

Udo Schäfer gehört zu den Fugern. Rechts neben ihm: Architekt Franz Falke.

Foto: Fischer / arfi

Noch bis Mitte September dauern die Arbeiten an der Rheinberger Kirche an. An den Fassaden werden die Fugen erneuert und die Uhren vergoldet.

Rheinberg. Vor genau zwei Jahren war es, da schrillten die Alarmglocken im Kirchturm von St. Peter. Unmittelbar unter der Turmhaube, in 26 Metern Höhe, hatte sich im Gesims ein Stein gelöst und drohte herunterzufallen. Der Turm wurde sofort großflächig gesperrt, von einem Hubsteiger aus wurde er untersucht und schnell stand fest: An einer umfangreichen Bearbeitung führt kein Weg vorbei.

Aktualisierung

„Es wurden zwar keine weiteren gefährlichen Stellen, also lockere Steine, entdeckt. Aber nach der Schadenskartierung war klar, dass der Turm stein- und fugenmäßig saniert werden musste“, sagt Franz Falke. Der Rheinberger Architekt betreut die Baumaßnahme für die Katholische Kirchengemeinde St. Peter als Bauherrin.

Mit Hilfe einer Drohne wurde der Turm von drei Seiten aus abgeflogen und jede Stelle fotografiert, bis klar war, was genau gemacht werden müsse. Falke: „Als Mitte April das Gerüst aufgebaut wurde, konnten wir die Schaden­kartierung noch einmal aktualisieren.“

Seit Mai nun arbeiten die Fachleute des Steinmetzbetriebs Baufeld aus Essen nahezu jeden Tag, 450 Quadratmeter misst die Fassade, jede einzelne Fuge muss erneuert werden. Der alte, bei der Sanierung 1964 etwas zu hart gewählte Zement muss angeschnitten und herausgenommen werden, bevor neues Fugenmaterial sorgfältig eingearbeitet werden kann. Und zwar so, dass es bündig mit den gelblichen Steinen aus Weiberner Eifel-Tuffstein abschließt. „Die alte Sichtfuge war zu dünn, nur zehn Millimeter“, erklärt Falke. „30 Millimeter sollte sie schon haben.“

Der Tuffstein ist ein relativ weicher Stein, der viel Wasser aufnimmt. Das bedeutet: Er dehnt sich aus. In Verbindung mit dem harten Fugenmaterial kam es irgendwann zu Ablösungen. Weil die St.-Peter-Kirche aber nicht irgendein Gebäude ist, wird alles wieder tiptop hergestellt. Die Arbeiten finden in enger Abstimmung mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege in der Abtei Brauweiler und der Dombauhütte Xanten statt. Johannes Schubert, Leiter der Xantener Dombauhütte, nimmt die Arbeiten in Rheinberg regelmäßig in Augenschein.

Bevor die Steinmetze auf den stabilen Gerüstbohlen in schwindelerregender Höhe loslegten, wurde die Fassade mit Wasserdampf – mit einem Druck von maximal zwei Bar – gereinigt. Dass die Oberfläche der Steine dadurch etwas poröser geworden ist, habe sich nicht vermeiden lassen, beschreibt Falke.

450 Quadratmeter groß sind die Fassaden des Turms. Lediglich die Ostseite (zum Kirchenschiff hin) bleibt unverändert. Insgesamt müssen 450 Steine komplett erneuert werden. Das alles dauert lange und kostet viel Geld. „Wir gehen davon aus, dass die Arbeiten Mitte September abgeschlossen sind“, unterstreicht der Architekt. Allerdings soll schon ab der nächsten Woche das Gerüst nach und nach zurückgebaut werden. Die Kosten für die gesamte Sanierung liegen bei 270.000 Euro. Die St.-Peter-Gemeinde und das Bistum Münster tragen sie gemeinsam.

Auch für Dachdecker Rolf Hermes vom Dachdeckerbetrieb Roth­gang in Orsoy bleibt genug zu tun. Er erneuert die Bleiverwahrungen, die Abdeckungen der Gesimse. Eine kniffelige Arbeit, die der Handwerksmeister da zu bewältigen hat. Vor allem an Stellen, an denen runde Steine mit dem weichen Blei ausgekleidet werden müssen.

Vergoldet

In neuem Glanz werden auch die drei Turmuhren mit einem Durchmesser von jeweils 1,40 Meter erstrahlen. Die großen Zeiger und die Stundenstriche sind mit frischem Blattgold überzogen worden. Die Experten des Rheinberger Malerbetriebs Riekötter haben das nicht oben vom Gerüst aus erledigt, sondern haben die Uhrenteile abmontiert und sie in der Werkstatt an der Bahnhofstraße neu vergoldet.

Nicht nur für die beauftragten Handwerker, auch für ihn als Architekten sei die Arbeit am Turm eine Herausforderung, sagt Falke: So eine Kirche könne man nicht mit einem normalen Wohnhaus vergleichen – „das ist etwas ganz Besonderes“. Eine wunderbare Aussicht auf die Innenstadt mit Stadthaus, Großem Markt, Altem Rathaus und Underberg-Palais gibt es gratis dazu.

Die St.-Peter-Kirche ist mehr als 900 Jahre alt. Die erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1007 zurück. Schäden: Der Turm wurde mehrfach durch Feuer oder Beschießung stark beschädigt. Im Jahr 637, 1778 und von 1843 bis 1885 wurde er ausgebessert und gesichert. Von 1954 bis zum Jahr 1959 wurden dann die Kriegsschäden ausgebessert.

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