Gastronomie

Null-Umsatz-Herberge: Hilferuf eines Alpener Hotelbetreibers

Inhaber Wolfgang Gödecke in seinem komplett verwaisten Restaurant. Es ist  ungewiss, wie es mit der Burgschänke in Alpen weitergeht.

Inhaber Wolfgang Gödecke in seinem komplett verwaisten Restaurant. Es ist ungewiss, wie es mit der Burgschänke in Alpen weitergeht.

Foto: ARMIN Fischer / arfi

Alpen.  Wolfgang Gödeke von der Burgschänke hat seiner CDU-Parteifreundin im Bundestag, Sabine Weiss, geschrieben. Es ist ein dramatische Notruf.

Seit Wochenbeginn ist es Gastronomen komplett untersagt, ihr Restaurant zu öffnen. Für die meisten lohnte es sich schon vorher nicht mehr. Mit Ausbruch der Corona-Krise kam keiner mehr. „Wir stehen vor einem Null-Umsatzgeschäft“, sagt Wolfgang Gödeke von der Burgschänke in Alpen. Der CDU-Ratsherr im Rheinberger Stadthaus hat seiner Parteifreundin im Bundestag, Sabine Weiss, einen Brief geschrieben. Es ist ein dramatischer Notruf.

Gödeke und seinen Partner Frank Sieger trifft die Krise besonders hart. Erst vor zwei Jahren haben sie ihrem Restaurant ein Hotel angegliedert. In dem dürfen momentan nur noch Geschäftsreisende übernachten. Gäste, auf die der Betrieb mit Blick nach vorn nicht verzichten kann, die das Geschäft aber unrentabel machen. Mehr noch. „Ich kann nicht mehr schlafen“, schreibt Gödeke: „Ich frage mich wirklich, ob es meine Unternehmen in einem Monat noch gibt.“

Er hat kaum Rücklagen bilden können

Über die Zusicherungen der Minister Altmaier und Scholz von schneller, unkomplizierter Staatshilfe kann der Millinger nicht mal lachen. Seine Erfahrungen mit komplizierten Vorgaben der Geldinstitute lassen ihn drastisch werden in seiner Wortwahl. Von denen höre er nur, dass seine Unternehmen „gefährdet“ seien. Für eine Finanzspritze brauche es „weiteres Sicherheitspotenzial“, heißt es im Brief an Sabine Weiss, der der Redaktion vorliegt. Gefordert seien vorausschauende Berechnungen auf zwei Jahre. Aber: „Wer kann denn im Moment überhaupt voraussehen, wie es wann weitergehen kann?“, fragt der erfahrenen Gastronom. Rücklagen habe er in der Anfangsphase kaum bilden können.

Sein junges 46-Betten-Hotel, mit hohen Investitionen an den Markt gebracht, beherberge momentan gerade mal vier Gäste. Die, so Gödeke, versorge er, „komplett selbst – vom Frühstück bis zur Zimmerreinigung, damit das Licht nicht ganz ausgeht“. Bis auf eine Etage sei die Heizung heruntergefahren, alle verzichtbaren Stromverbraucher seien ausgeschaltet. Für die 14 Angestellten von Hotel und Restaurant, seit Mitte März dicht, haben die Pächter Kurzarbeitergeld beantragt. Sie selbst gehen leer aus.

Ein „Außer-Haus-Service“ für die Küche würde nur zusätzliche Kosten verursachen. Da fast jeder Haushalt in der Krise finanzielle Einbußen verkraften müsse, so Gödeke, und sich den „Luxus“, im Restaurant zu bestellen, kaum noch einer leiste, laufe er Gefahr, Lebensmittel einzukaufen, die am Ende verderben würden.

Azubis stehen vor der Prüfung

Gödeke hat die Hoffnung auf zinsfreie Soforthilfen noch nicht aufgeben. Und er setzt auf das Entgegenkommen der Verpächter. „Wir sitzen doch alle in einem Boot und kommen nur da raus, wenn alle zusammenhalten.“ In besagtem Boot säßen auch Wäschereien, Lebensmittellieferanten, Entsorgungsbetriebe oder Getränkehersteller. „Sie alle spüren das.“ Eng werde es auch für die zwei Auszubildenden. „Die hätten im April schriftliche Prüfung. Daran glaubt aber niemand mehr.“ Die Berufsschulen seien geschlossen. „Die notwendige Vorbereitung fehlt also“, sagt Gödeke.

Er glaubt nicht, dass es unmittelbar nach Ostern weitergeht. Falls doch, wollen Gödecke und sein Partner den Betrieb langsam wieder hochfahren. Bis dahin sei ohnehin alles storniert und neue Buchungen kämen nicht herein. Das Telefon stehe in diesen Tagen still.

Aber es gebe auch Zeichen der Zuversicht, dass Menschen fest an ein Ende der Krise glauben. „Wir haben eine Anfrage für eine Trauerfeier im September“, so Gödeke. Hintergrund: Weil die Beisetzung jetzt nur im engsten Familienkreis stattfinden durfte, möchten die Angehörigen die Trauerfeier und den Beerdigungskaffee nachzuholen. Nach dann hoffentlich überstandener Krise.

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