Passfotos

Passbilder im Amt? Das sagen Rheinberg, Xanten und Co. dazu

Brauch bald jedes Amt einen Fotoautomaten? Im Bürgeramt in Duisburg gibt es bereits einen „Self-Service-Terminal“.

Brauch bald jedes Amt einen Fotoautomaten? Im Bürgeramt in Duisburg gibt es bereits einen „Self-Service-Terminal“.

Foto: Uwe Koeppen / Stadt Duisburg

Rheinberg/Sonsbeck/Alpen/Xanten.  Ein Gesetzesentwurf sieht vor, dass Bilder für Ausweisdokumente auch im Amt entstehen können sollen. Das sagen Behörden und Fotografen dazu.

Personalausweise, Reisepässe, Führerscheine: Wer eines dieser Ausweisdokument beantragen möchte, der muss dafür ein biometrisches Passbild vorlegen. Zukünftig sollen Passbilder auch im Amt entstehen können – um Manipulationen zu verhindern. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf hat das Bundesinnenministerium am Freitag gefasst.

Zuvor sah der Entwurf vor, dass die Bilder ausschließlich im Amt entstehen dürfen – nach massiver Kritik von Fotografen und Verbänden ruderte das Bundesinnenministerium zurück. Bürger sollen zukünftig entscheiden können, ob sie die Bilder bei einer Behörde oder in einem Fotogeschäft anfertigen lassen.

Fotograf aus Xanten: Umsatzeinbußen erwartet

„Ich halte das für blödsinnig“, erklärte Fotograf Helge Boele vom Fotostudio „Photo & Art“ in Xanten am Mittwoch. „Wir sind extrem davon betroffen.“ Eine Auslagerung der Passbilder in die Ämter bedeute extreme Umsatzeinbußen – „teilweise bis zu 50 Prozent“, so Boele. Die Argumentation, mit der Neuregelung könnte Manipulation verhindert werden, kann er nicht nachvollziehen: „Wir könnten die Bilder ja direkt online zur Stadtverwaltung schicken. Eine Manipulation ist da nicht wirklich gegeben.“ Auch könnte das Gesetz Neukunden fernhalten. Der Gang zum Fotografen für biometrische Passbilder sei oft der Erstkontakt für weitere Fotoarbeiten.

Eine ähnliche Einschätzung hat der Xantener Fotograf Thomas Költgen. Zwar bietet er selber in seinem Studio „PhotoX“ keine Passbildfotografie an, aber: „Es gibt ein paar Sachen, die nicht sinnvoll sind zu verstaatlichen.“ Auch er glaubt nicht daran, dass die Neuregelung dem Entgegenwirken von Manipulationen helfen würde.

Sonsbeck, Alpen und Co.: Bisher keine Möglichkeiten

Sollte das Gesetz durchkommen, müssen sich Städte und Kommunen auf die neue Situation vorbereiten. „Ich halte da nichts von“, erklärt Xantens Bürgermeister Thomas Görtz auf Anfrage. „Ich bin ein Freund davon, wenn solche Dienstleistungen in privater Hand bleiben.“ Die Stadt Xanten habe bislang keine technischen Vorrichtungen, um biometrische Passbilder zu erstellen. „Wir können das aktuell gar nicht leisten“, sagt Görtz. Und: „Man entzieht einem Wirtschaftszweig die Einnahmequellen.“

Auch in Rheinberg gibt es bislang keine Möglichkeiten, Passbilder im Amt anzufertigen. „Wenn das Gesetz offiziell wird, dann müssen wir es auch umsetzen“, erklärt Elke Danners von der Stadt. Für die Neuregelung soll eine zweijähriger Übergangsfrist geben – „Die wäre dann auch nötig“, so Danners. Eine ähnliche Einschätzung haben die Gemeinden Alpen und Sonsbeck.

„Wir würden uns damit auseinandersetzen, wenn es soweit ist“, erklärt Markus Janßen vom Fachbereich Ordnung und Soziales in Sonsbeck. Aber: „Unser Wunsch ist es aktuell nicht.“ Bisher gäbe es keinerlei Berührungspunkte mit der Passbild-Fotografie, einen Fotoautomaten gibt es im Sonsbecker Amt nicht. „Wenn dem so sein sollte, werden aber bestimmt Anbieter auf uns zukommen“, so Janßen. Einen Fotoautomaten müsste auch die Gemeinde Alpen anschafften: „Dieser könnte auf jeden Fall untergebracht werden“, erklärt Gemeindesprecher Andre Emmerichs.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben