Praktikum

Pfleger René Schneider bittet in Xanten in die Ambulanz

Schwester Angela (r.) begleitete den Landtagsabgeordneten René Schneider durch sein Tagespraktikum im St.-Josef-Hospital.

Schwester Angela (r.) begleitete den Landtagsabgeordneten René Schneider durch sein Tagespraktikum im St.-Josef-Hospital.

Foto: René Schneider

Seit 2012 absolviert der Landtagsabgeordnete Tagespraktika in verschiedenen Berufen. Dieses Mal ging es für den Politiker ins St. Josef-Hospital.

Xanten. Alltag in der Zentralambulanz des St.-Josef-Hospitals Xanten: Menschen, die verletzt sind, Unfälle hatten, über Schmerzen klagen oder anderweitig behandelt werden müssen, brauchen Hilfe. Die Ambulanz ist voll, ein Patient nach dem anderen wird versorgt. Mitten drin im Geschehen: Ein Praktikant, der versucht, möglichst nicht im Wege zu stehen und doch mit anzupacken, wo es eben geht.

Eigentlich keine Besonderheit, denn in der Ambulanz sind immer wieder Praktikanten zu Gast. Deshalb wundert sich auch kein Patient, wenn Schwester Angela ihnen den Herrn in weißer Pflegerkluft als „unseren Praktikanten Herrn Schneider“ vorstellt. Dass dieses Gastspiel jedoch etwas Besonderes ist, merkt keiner der Patienten. Denn beim „Praktikanten Schneider“ handelt es sich um den SPD-Landtagsabgeordneten René Schneider aus Kamp-Lintfort.

Was bewegt ihn zu so einem ungewöhnlichen Besuch? „Seitdem ich 2012 in den Landtag gekommen bin, mache ich solche Tagespraktika“, erläutert der Politiker. „Ich finde, es ist die beste Gelegenheit, verschiedene Lebensweisen der Menschen aus meinem Wahlkreis kennenzulernen.“ Die Erfahrungen dieser Tage vermitteln ihm völlig neue Perspektiven. „Ich glaube, wenn ich politische Entscheidungen mitzutragen habe, dann ist es ganz wichtig, genau zu wissen, worum es eigentlich geht. Und dabei helfen mir diese Praktika.“

Und so gewinnt er auch nach einem Tag in der Ambulanz, in der es zugeht wie im sprichwörtlichen Bienenstock, erstaunliche Eindrücke: „Das waren die kurzweiligsten acht Stunden, die ich je in einer fremden Arbeitswelt verbracht habe“, lautet Schneiders Fazit. „Mir hat am meisten die Arbeitsweise imponiert. Ich wusste gar nicht, wie viele Menschen dort tätig sind. Völlig beeindruckt bin ich aber von dem reibungslosen Zusammenspiel aller Kollegen. Das läuft ab wie ein gut funktionierendes Uhrwerk, da weiß jeder genau, was er zu tun hat, alle unterstützen sich gegenseitig, keiner steht im Weg – auch wenn die Räume nicht gerade riesig sind.“

Praktikant Schneider konnte mit anpacken – natürlich nicht bei der Behandlung von Patienten. „Aber ich konnte Betten abholen, Liegen desinfizieren, einen Patienten im Rollstuhl zu einer Untersuchung fahren und ähnliche kleinere Aufgaben erledigen. Erstaunlich fand ich, wie man in dieser Pflegerkleidung anders angesehen wird, als wenn man in Alltagskleidung durch die Gänge geht.“

René Schneider ist an diesem Tag mit Schicksalen in Berührung gekommen, die ihn nicht sofort wieder loslassen. „Ich bewundere die Mitarbeiter der Ambulanz, die täglich mit diesen und noch viel schlimmeren Erlebnissen konfrontiert werden. Aber sie haben mir klar gemacht, dass man solche Dinge nicht zu sehr an sich heranlassen darf, das wäre kaum zu ertragen. Und doch haben sie sich bei aller Distanz unglaublich viel Menschlichkeit bewahrt.“

Den Blick hinter die Kulissen habe Schneider als äußerst spannend und interessant empfunden. Dabei sei ihm auch noch etwas bewusst geworden: „An diesem Tag habe ich gesehen, wie viele alte Menschen gar keine Angehörigen haben, die spontan helfen könnten. Viele sind völlig auf sich allein gestellt, das war mir in dem Maße gar nicht klar. Und es war eine wunderbare Erfahrung zu sehen, wie Mitarbeiter des Krankenhauses sich auch um Dinge außerhalb der medizinischen Versorgung gekümmert haben.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben