Musik

Pop-Oratorium „Luther“ in Rheinberg: Ein Beitrag zur Ökumene

Luther in der Mitte ganz in schwarz, rechts Dirigent Michael Wulf-Schnieders

Foto: Peter Bußmann

Luther in der Mitte ganz in schwarz, rechts Dirigent Michael Wulf-Schnieders Foto: Peter Bußmann

Rheinberg.   Das Pop-Oratorium „Luther“ begeisterte an zwei Tagen die Besucher in der Stadthalle Rheinberg. Auch die Logen wurden für den Chor genutzt.

Eigentlich hätte er nervös und voll Lampenfieber sein müssen, Orsoys Pfarrer Uwe Klein, wegen der Rheinberger Premiere des großen Pop-Oratoriums „Luther“, das er gemeinsam mit Kirchenmusiker Michael Wulf-Schnieders ins kleine Berka holen konnte. Denn das 15köpfige Ensemble samt eigenem Orchester gastiert seit Monaten vielbeachtet nur in Großstädten wie noch in dieser Woche in Berlin. Das Pop-Oratorium „Luther“ von Michael Kunze und Dieter Falk, eigens zum Jubiläum „500 Jahre Reformation“ komponiert, ist derzeit auf Deutschland-Tournee. Dieses Wochenende war Rheinberg angesagt. Gelöst stand Klein im Foyer der Stadthalle, begrüßte die Gäste, die in Rheinberg auch durch die Sperrung des Marktes lange Parkmöglichkeiten suchten.

„Das wird ganz sicher der Höhepunkt des Jahres in Rheinberg“, verkündete der Pfarrer vor der Aufführung. Um es vorweg zu nehmen: Klein, der stolz war, das moderne Musical aus Anlass des 500jährigen Jubiläums an den Niederrhein geholt zu haben, hatte nicht zu viel versprochen. An zwei Tagen, dem Premierenabend Freitag und am Samstag, war das Publikum in der voll besetzten Stadthalle vor Begeisterung aus dem Häuschen.

Es war eine Mammutaufgabe. Die wohl größte Last lag auf Kirchenmusiker Wulf-Schnieders. Freitagabend war es so weit. Letztes Lampenfieber vor dem großen Auftritt. Ein halbes Jahr Proben hatte der über 120 Mitglieder starke Projektchor unter der Leitung des Rheinberger Kirchenmusikers hinter sich. Er war so kopfstark, dass er Samstag und am Sonntag beim großen Pop-Oratorium „Luther“ nicht gemeinsam auf die Bühne passte.

Großes Aufatmen beim Chorleiter und den Sängerinnen und Sängern. Präzision, punktgenaue Einsätze waren für die aus Rheinberg, Moers, Alpen, Xanten und sogar aus Essen stammenden Stimmgewaltigen gefragt. Und es klappte. Der Kirchenmusiker dirigierte vor der Bühne, auf der gerade mal 15 Sängerinnen und Sänger des dafür gebildeten Projektchores Platz fanden, darunter auch eine Pfarrerin und ein Ortsvorsteher. Eine Leinwand hoch oben übertrug das Dirigat, so dass die anderen punktgenau folgen konnten. Die restlichen 110 Sängerinnen und Sänger waren auf die Logen, Balkönchen, wie sie liebevoll genannt werden, verteilt. Jede war mit ausgefeilter Mikrofontechnik versehen. Für die Besucher wurde es zu einem einmaligen Klangerlebnis, die Stimmen von allen Seiten zu hören.

Dass das Pop-Oratorium am Wochenende mit den Sängerinnen und Sängern hiesiger Chöre nach Rheinberg kam, ist dem unermüdlichen Kampf des Orsoyer Pfarrers, des Kirchenmusikers und der evangelischen Kirchengemeinden von Orsoy bis Wallach und Bönninghardt zu verdanken. Ihre Idee war es, das gigantische Musikwerk zum 500jährigen Jubiläum der Reformation ins kleine Rheinberg zu holen. Größere Städte hatten abgewinkt.

„Es ist ein Wahnsinn, was die Gemeinden auf die Beine gestellt haben“, lobte Klein. „Das ist echt irre, ein Riesenerfolg!“ Ralf Rathmann von der Stiftung Creative Kirche in Witten, die die bundesweite Tournee schuf, andernorts treten bis zu 1800 Sänger auf, war begeistert. „Der Name Rheinberg wird in der Geschichte des Pop-Oratoriums ganz groß geschrieben werden.“ Kirchenmusiker Wulf-Schnieders erkannte mehr: „Es war ein großer Betrag zur Ökumene“, weil beim Luther-Oratorium viele Katholiken mitmachten. „Das hätte Luther gefreut.“ Er kam übrigens nicht in Mönchskutte auf die Bühne kam, zwar ganz in Schwarz, aber in Springerstiefeln, Cargohose, schwarzem Jackett mit angedeuteter Kapuze. Das Musical, modernste Klänge der Solisten und der Chöre verzauberten, war vom Wormser Reichstag mit Kaiser Karl V. in die Neuzeit adaptiert. Da schäkerte der Kaiser, in weißem Anzug und goldener Baseball-Kappe lieber mit seinen Mätressen, als sich um Mönch und Ablasshandel der in modernen Anzügen oder Freizeitkleidung auftretenden Priestern, dem im knallroten Anzug auftretenden Kardinal, zu kümmern.

Die tollen Stimmen des Ensembles kamen an

Immer wieder war es in der Handlung der Projektchor, der singend Fragen stellte, kommentierte oder selbst Partei ergriff. Und immer wieder kam pop-artig singend die Frage „Wer ist Luther?“. Fehlen durfte natürlich nicht der Kasten mit den vielen Scheinen. „Wenn das Geld in den Kasten fällt, die Seele aus dem Feuer springt.“ Voll dabei war das Publikum. Als das Ensemble verkündete „Wir sind Gottes Kinder“ klatschte man im Rhythmus mit. Am Ende, beim Finale, wollte der Applaus kein Ende nehmen.

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