Religion

Ramadan – zwischen Schulpflicht und Religionsfreiheit

Schülerin mit Kopftuch während des Unterrichts

Schülerin mit Kopftuch während des Unterrichts

Foto: Archiv/Imago

Rheinberg/Sonsbeck/Alpen/Xanten.   Für muslimische Schüler, aber auch für Lehrer ist das Fasten im Ramadan eine besondere Herausforderung. Was sagen Schulleiter in der Region dazu?

„Interessanterweise ist es bei jüngeren Schülern, also in den Jahrgangsstufen fünf bis sieben in diesem Jahr eher ein Thema“, sagt Tilman Latzel. „Es macht mir und meinen Kollegen natürlich Sorgen, denn wir haben eine Verantwortung unseren Schülern gegenüber.“ Der Schulleiter der Sekundarschule Alpen muss und möchte sich mit dem Ramadan auseinandersetzen. Der islamische Fastenmonat, der eine wichtige Säule des Glaubens darstellt, dauert dieses Jahr noch bis zum 14. Juni.

Schon im Vorfeld gab es Klagen und Kritik vom Deutschen Lehrerverband. Durch das Fasten seien die Schüler in ihrer Leistung beeinträchtigt – aber noch schlimmer: Die Gesundheit ihrer Schüler sehen viele Pädagogen gefährdet. Schulpflicht und Religionsfreiheit stehen einander eher unvereinbar gegenüber. „Wir weisen die Kinder auch darauf hin, dass es Ausnahmen gibt, also dass Kinder und alte Menschen nicht verpflichtet sind, den Ramadan vollumfänglich einzuhalten“, sagt Schulleiter Latzel, der sich mit vielen Kollegen auch von anderen Schulen darüber unterhalten und Informationen eingeholt hat. „Besonders im Hinblick auf das Trinken, das in diesen Tagen, bei diesen Temperaturen so wichtig ist, sorge ich mich um die Gesundheit meiner Schüler.“

Auch während des Ramadans sind Schüler muslimischen Glaubens vollumfänglich schulpflichtig, müss(t)en auch am Schulsport teilnehmen. Latzel: „Wenn die muslimischen Schüler während des Fastenmonats zum Beispiel am Sportunterricht nicht teilnehmen, stellt das eine Leistungsverweigerung dar. Auf der anderen Seite haben wir als Lehrer und meine Sportkollegen momentan insbesondere eine Verantwortung den Schülern gegenüber, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen darf.“ Bei diesen Temperaturen, sei es mehr als verantwortungslos, fastende Schüler über den Sportplatz zu scheuchen.

Sicherheit auch für Lehrer

Norbert Giesen, Direktor der Rheinberger Europaschule, sieht das ähnlich. Obwohl Giesen momentan keine Schüler hat, die offensichtlich den Ramadan begehen, würde „ich mich, rein hypothetisch, absichern und mit den Eltern sprechen“, sagt Giesen. „Wir sind alle nur Menschen und respektieren natürlich alle Religionen – es ist aber ein heikles Thema, weil ich als Schulleiter nicht nur die Verantwortung für die Kinder, sondern auch gegenüber meinen Kollegen habe.“ Sollte es dadurch, dass Schüler während des Ramadans fasten, zu gesundheitlichen Zwischenfällen kommen, wären auch die Kollegen als Aufsichtsperson betroffen.

Am Rheinberger Amplonius-Gymnasium war der Ramadan im vergangen Jahr, als noch viele Flüchtlingskinder die Schule besuchten, ein Thema. „Heute haben wir elf Schüler, die muslimischen Glaubens sind und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie sich an mich wenden würden, wenn es Probleme gäbe“, sagt Schulleiter Marcus Padtberg. „Insgesamt glaube ich, dass im Fall der Fälle bei uns ein Dialog mit betroffenen Schülern und auch den Eltern immer möglich ist.“

Nicht nur das Negative sehen und Feste feiern: Das ist Judith Wille, stellvertretende Schulleiterin der Gesamtschule Xanten/Sonsbeck, wichtig. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob muslimische Schüler unserer Schule momentan den Ramadan begehen“, sagt Wille. „Aber wir kommunizieren schon lange, dass, wenn Schüler am Zuckerfest frei haben möchten, die Eltern gerne einen Antrag auf Freistellung stellen können.“ Das sei von der Bezirksregierung schon lange so vorgesehen. Denn auch Muslime haben ein Recht auf Feiertage – doch nur wenige wissen davon.

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