Naturschutz

Ranger am Orsoyer Rheinbogen: Kreis zieht positive Bilanz

Andreas Majdaniuk (links) und Jürgen Grewer bewachen den Orsoyer Rheinbogen.

Andreas Majdaniuk (links) und Jürgen Grewer bewachen den Orsoyer Rheinbogen.

Foto: Christian Schyma

Rheinberg.  Seit einem Monat sind Ranger am Rhein unterwegs. Der Kreis Wesel und der Nabu sind zufrieden. Aber: Auch die Kritik der Bürger bleibt.

Seit gut einem Monat pa-trouillieren Andreas Majdaniuk und Jürgen Grewer nun schon im Orsoyer Rheinbogen. Im Auftrag des Kreises Wesel sollen die beiden Ranger des Regionalverbandes Ruhr (RVR) Erholungssuchende vor Ort über die sensiblen Bereiche des Naturschutzgebietes aufzuklären. So sollen die Rückzugsorte von Tieren und Pflanzen vor möglichen Gefährdungen besser geschützt werden.

Zwei der sechs für den Kreis Wesel eingesetzten Ranger des RVR (Ulrich Gräfer und Jürgen Grewer), teilten nun ihre ersten Erfahrungen mit. „Bisher haben wir in den Naturschutzgebieten überwiegend positive Erfahrungen mit den Menschen gemacht. Die meisten Erholungssuchenden sind dankbar für Informationen, die ihnen vorher einfach gefehlt haben, um zu verstehen, warum das widerrechtliche Betreten von Naturschutzgebieten so einen starken, negativen Einfluss auf die Flora und Fauna vor Ort hat.“

Klaus Horstmann, Leiter des Fachdienstes Naturschutz, Landwirtschaft, Jagd und Fischerei des Kreises Wesel, ergänzt: „Leider wird das Betretungsverbot von Naturschutzgebieten in einigen Bereichen von zahlreichen Menschen, die es bisher einfach nicht besser wussten, bereits seit Jahren missachtet. Durch die erheblichen Störwirkungen ist in der Natur schon ein deutlicher Artenrückgang erkennbar geworden. Daher freue ich mich umso mehr über die positiven Rückmeldungen von vielen Besuchern, aber auch Landwirten und den Deichverbänden zum Ranger-Einsatz. Sie versicherten mir, dass die Naturschutzgebiete durch die Aufklärungsarbeit der Ranger bereits viel ruhiger geworden seien.“

Über das europäische Naturschutzförderprogramm „Life+“ sind in den letzten Jahren öffentliche Mittel im Umfang von insgesamt 3,2 Millionen Euro in den Orsoyer Rheinbogen geflossen. „Die Ruhigstellung des Gebietes ist insofern eine maßgebliche Voraussetzung dafür, dass mit diesen gut eingesetzten Steuergeldern auch eine Erhöhung der Artenvielfalt erreicht werden kann,“ erläutert Horstmann weiter.

Die Anwesenheit der Ranger stößt allerdings nicht überall auf Begeisterung, besonders Hundehalter füllen sich in ihrer Freizeit beschränkt. Sie sammelten sich bereits zu mehreren Protestspaziergängen am Rheindamm und gründeten die Bürgerinitiative „Contra Rheinufer Verbot Ossenberg – Mein Vater Rhein“ (wir berichteten). „Was vielen leider noch immer nicht bewusst ist: Das Verbot das Rheinufer zu betreten, beschränkt sich nicht auf Hundehalter. Es gilt für jeden“, kritisiert eine Nutzerin in den sozialen Medien. Die Bürger riefen zudem eine Unterschriftenaktion ins Leben. Die Listen wollen sie Landrat Ansgar Müller überreichen.

Verbot gilt nicht überall

Der Kreis weist die Kritik zum Teil zurück: Entgegen der Annahme, dass das Betreten von Naturschutzgebieten gänzlich verboten sei, ist es lediglich verboten, sich außerhalb von gekennzeichneten, offiziellen Wegen aufzuhalten und die Hunde unangeleint laufen zu lassen. „Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass sich Menschen, die sich über Jahre zur Erholung in den Gebieten aufgehalten haben, durch die Umsetzung von Verboten eingeschränkt fühlen – insbesondere dann, wenn sie keine Ausweichmöglichkeit sehen, beispielsweise für einen Spaziergang mit dem Hund“, betont Horstmann. Gerade in Rheinberg sei dies ein großes Thema. „Bei Stromkilometer 804,5 gibt es einen offiziellen Weg zum Rhein und am Rheinufer selbst gibt es einen Bereich, groß wie ein Fußballfeld, auf dem sich Mensch und Hund aufhalten können“, ergänzt er. „Die Menschen sollen den Rhein natürlich weiterhin als Erholungsort besuchen können. Ich bitte aber um Verständnis, dass das nicht an jeder Stelle geht“, betont er.

Auch auf diese Bereiche in Naturschutzgebieten weisen die Ranger vor Ort hin. Als Sonderordnungsbehörde ist der Kreis Wesel zur Überwachung der geltenden gesetzlichen Bestimmungen verpflichtet. „Da es sich bei den Naturschutzgebieten entlang des Rheins unter anderem um europäische Schutzgebiete (Vogelschutzgebiete und teilweise FFH-Gebiete) und damit um einen besonders schützenswerten Raum handelt, sind die Anforderungen an den Kreis Wesel und dessen Verantwortung diesbezüglich besonders hoch“, erklärt Horstmann. Die Kreisgruppe Wesel des Naturschutzbundes (Nabu) sieht unangeleinte Hunde in Schutzgebieten ebenfalls als ein zunehmendes Problem für die heimische Tierwelt. Insbesondere im wertvollen Naturschutzgebiet Orsoyer Rheinbogen sei das zügellose Verhalten von Hundebesitzern nicht mehr zu akzeptieren .„Ich betone ausdrücklich, dass ich selbst ein großer Hundefreund bin“, so der Nabu-Kreisvorsitzende Peter Malzbender.

Stressfaktor für hiesige Tierwelt

Nicht nur zur Brutzeit, wenn in der Auen-Wiesenlandschaft äußerst seltene Vögel brüten, haben hier Uferschnepfe, Rotschenkel, Kiebitz und Flussregenpfeifer letzte geeignete Refugien für ihre Bodennester. „Hunde, die kreuz und quer, oft sogar zu mehreren, über diese äußerst wertvollen Biotope laufen, werden zu einem großen Stressfaktor für alles, was dort kreucht und fleucht“, sagt Malzbender. Der Nabu unterstützt ausdrücklich den Einsatz der Ranger und die Bemühungen der Unteren Naturschutzbehörde. „Ich selbst war Augenzeuge, als eine Hundebesitzerin Ballspiele mit ihrem Vierbeiner auf dem Weg direkt unter der Graureiherkolonie veranstaltete. Das ist ein schweres Naturschutzvergehen“, sagt Malzbender. Außerdem ignorieren regelmäßig Hundebesitzer auch das Betretungsverbot auf dem Betriebsgelände des Kiesunternehmens Hülskens. Dabei ist auch dieses Firmengelände ein Vollnaturschutzgebiet.

Die Anfeindungen von einigen Hundebesitzern gegen die Ranger seien unhaltbar. Der Nabu kündigt an, diese groben Verstöße nicht mehr als Kavaliersdelikt zu betrachten. „Wir sind jederzeit bereit, mit Hundebesitzern vor Ort ins Gespräch zu kommen. Allerdings scheuen wir uns auch nicht, bei ganz Uneinsichtigen, die Polizei zur Hilfe zu rufen“, betont der Nabu- Vorsitzende.

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