Rettungsdienstbedarfsplan

Rat stimmt für Erhalt des Notarztstandortes in Rheinberg

Klaus Overmeyer (Linke), Jürgen Bartsch (Grüne), Herbert Becker (FDP), Jürgen Madry (SPD) und Erich Weisser (CDU) setzen sich weiterhin gemeinsam für den nächtlichen Notarztstandort in Rheinberg ein.

Klaus Overmeyer (Linke), Jürgen Bartsch (Grüne), Herbert Becker (FDP), Jürgen Madry (SPD) und Erich Weisser (CDU) setzen sich weiterhin gemeinsam für den nächtlichen Notarztstandort in Rheinberg ein.

Foto: arfi

Rheinberg.  In seiner Sitzung spricht sich der Rat einstimmig für den nächtlichen Notarztstandort aus. Auch für die Notdienstpraxis am Melkweg wird gekämpft.

„Dieses Thema zeigt: Wenn es um das Wohl unserer Bürger geht, ziehen alle Fraktionen an einem Strang.“ Rheinbergs CDU-Fraktionschef Erich Weisser fasste die Haltung zusammen, die derzeit alle Rheinberger Fraktionen geschlossen vertreten, wenn es um die Änderungen des Rettungsdienstbedarfsplanes geht.

Bekanntlich soll der nächtliche Notarztstandort in Rheinberg und Xanten aufgegeben und dafür ein gemeinsamer Standort in Alpen errichtet werden. Von dort müsste ein Notarzt zwischen 19 und 9 Uhr ein Einsatzgebiet von Xanten-Marienbaum bis Rheinberg-Orsoy betreuen. Rund 36 Kilometer trennen beide Ortschaften.

Dreiseitige Stellungnahme

Die nicht gänzlich aufgehobene, lediglich für ein Jahr aufgeschobene Absicht, die nächtlichen Notarztstandorte Rheinberg und Xanten zu streichen, sei eine „nicht zu akzeptierende Verschlechterung“ der notfallmedizinischen Versorgung der Bevölkerung. Deshalb fordern die Rheinberger Politiker: „Die bisherige gute Regelung muss beibehalten werden.“

Diesen Standpunkt hat die Verwaltung auf gut drei Seiten sachlich und ausführlich begründet. Einstimmig stimmte der Rat in seiner Sondersitzung am Dienstagabend dafür, dieses Papier an den Kreis Wesel weiterzuleiten und dem Entwurf zum Rettungsdienstbedarfsplanes somit eine klare Absage zu erteilen. Jürgen Bartsch (Grüne) lobte in diesem Zusammenhang auch die Verwaltung für die klare Stellungnahme. „Schön, dass wir uns nicht auf irgendwelche Spekulationen eingelassen haben“, sagte Bartsch.

Anders als in Xanten war von der Rheinberger Verwaltung und dem Rat lange kaum etwas zu den Plänen des Kreises zu hören. Dann aber traten alle Fraktionsvorsitzenden geschlossen auf. Der Grünen-Sprecher betonte, dass die Abschaffung des nächtlichen Notarztstandortes „ein deutlich erkennbarer Rückschritt in der ohnehin aus der Vergangenheit gesundheitspolitisch gebeutelten Kommune“ sei. Dem schloss sich Jürgen Madry (SPD) an. Die Versorgung vor Ort sei extrem wichtig, sagte er.

Gutachten sei eine „Momentaufnahme“

Das Gutachten, das zu dem Ergebnis kam, dass ein Notarzt pro Nacht weniger als einen Einsatz zu fahren hat, stelle nur eine „Momentaufnahme“ dar, erklärte Herbert Becker (FDP). Dass in Rheinberg stationierte Notarzteinsatzfahrzeug hatte im vergangenen Jahr insgesamt 504 Einsätze innerhalb des Zeitraums zwischen 19 und 9 Uhr. Dies mache im Durchschnitt 1,38 Einsätze pro Nacht. „Notfälle haben keine Saison“, betonte Becker.

Bürgermeister Frank Tatzel brachte es nach der Abstimmung auf den Punkt: „Das Ergebnis ist ein gutes Zeichen für unsere Stadt.“

>>>Rat kämpft auch für Notdienstpraxis am Melkweg

Vollkommene Einigkeit herrschte im Rat auch in puncto Notdienstpraxis am Melkweg. Die Kassenärztliche Vereinigung möchte die Praxis schließen, um diese dann ans Bethanien-Krankenhaus in Moers anzugliedern (wir berichteten).

Der Rheinberger Rat sprach sich auch hier geschlossen gegen die Pläne aus. „Das wäre die nächste Hiobsbotschaft für Rheinberg“, sagte Jürgen Bartsch (Grüne). „Wir versuchen jede Chance zu nutzen, um die Notdienstpraxis zu erhalten.“ Seine Fraktion stellte im Vorfeld einen Antrag bei der Verwaltung, dass diese eine Protestresolution verfasst, die die Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung ablehnt.

Bereits 2015 hat die SPD den gleichen Antrag gestellt. „Wir können den Grünen also zustimmen“, sagte SPD-Fraktionschef Jürgen Madry. In seiner kommenden Sitzung im Oktober will der Rat nun solch eine Resolution verabschieden. „Weiteres Engagement ist da dringend erforderlich“, betonte auch Erich Weisser (CDU).

„Es wird vom Bürger erwartet, dass wir gegen die Aufgabe des Standortes etwas tun“, ergänzte Ulrich Hecker (fraktionslos). Die SPD tut schon etwas: Peter Tullius gab einen Sachstand über die noch bis Ende September laufende Petition: Innerhalb einer Woche hätten sich schon mehr als 1000 Bürger in die Unterschriftenlisten eingetragen.

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