Kirchenschäden

Rechtsstreit um Kirchenschäden geht weiter

Das Tageslicht von außen ist bei St. Walburgis Menzelen-Ost als heller Fleck zu erkennen, der Riss geht durch das gesamte Mauerwerk.

Das Tageslicht von außen ist bei St. Walburgis Menzelen-Ost als heller Fleck zu erkennen, der Riss geht durch das gesamte Mauerwerk.

Foto: arfi

Alpen-Menzelen-West.   Eine Einigung mit der Cavity ist nicht in Sicht. Die Pfarrei will Beweissicherung für St. Peter Büderich und St. Walburgis Menzelen-Ost.

Der Druck auf die Cavity GmbH Rheinberg, die für die Regulierung der Solvay-Schäden zuständig ist, wird größer. Einerseits hat die Bürgerinitiative der Salzbergbaugeschädigten NRW die Landespolitik für ihren Ruf nach einer Schlichtungsstelle sensibilisiert und beim Kreis Wesel die Einrichtung eines Runden Tisches erwirkt. Andererseits wächst bei Betroffenen die Bereitschaft zu einer härteren Gangart. Ein Beispiel dafür ist die Pfarrei St. Ulrich Alpen, die beim Landgericht Kleve ein Beweissicherungsverfahren erwirkt hat. Es bezieht sich auf Schäden an den Kirchen St. Walburgis Menzelen-Ost und St. Peter Büderich. Jeweils in einer Größenordnung von rund 60 000 Euro.

Seit 2004 läuft der Streit um Risse, die sich in Menzelen-Ost längst durch die ganze Kirche ziehen und hoch bis ins Gewölbe reichen. Die Cavity habe seinerzeit eine Summe angeboten, doch reiche die nicht aus, sagt Dietmar Heshe, Leitender Pfarrer der Alpener Großpfarrei. Am frischesten in Erinnerung ist der Fall Büderich, der sich am 7. Mai 2015 unmittelbar nach einer Beerdigungsmesse ereignete: Es gab einen Knall, Fliesen aus dem Mittelgang flogen durch die Kirche und es entstand eine Staubwolke. Als die sich gelegt hatte, wurde ein 15 Meter langer Riss sichtbar. Verletzt wurde niemand. Aber die Kirche wurde für einige Wochen gesperrt, Messen fanden im Pfarrheim statt. Offenbar hatten sich unter Tage Spannungen gelöst. In 800 Meter Tiefe endet eine Salzkammer direkt unter dem Kirchturm.

Die Pfarrei nahm Verhandlungen mit der Cavity auf, die laut Dietmar Heshe auch gleich anbot, 50 Prozent der Kosten bezahlen zu wollen. Ohne Schuldeingeständnis, wie Heshe sagt und anfügt: „Entweder bin ich verantwortlich oder ich bin es nicht.“ Nach vielen weiteren Gesprächen mit dem Regulierer habe dieser drei Viertel der Kosten zur Schadensbehebung tragen wollen. „Wir wollten aber auch unsere Gutachter- und Anwaltskosten ersetzt bekommen“, sagt Heshe. Da habe Cavity dann gar nichts mehr bezahlen und nur noch Höhenbolzen zum Messen etwaiger Senkungen anbringen wollen. „So geht es nicht“, sagt der Pfarrer. Die Gemeinde wandte sich ans Landgericht Kleve und nahm die Walburgiskirche gleich mit ins Paket. Das Gericht hat nun in Absprache mit der Cavity und dem Fachanwalt der Pfarrei einen Gutachter bestellt.

Bis das Gutachten vorliegt und das Gericht zu einem Spruch kommt, kann es noch lange dauern. Pfarrer Heshe versichert, dass von den Kirchen keine Gefahren für Besucher ausgehen. Unterdessen bleibt dennoch die Sorge bestehen, dass sich Schäden verschlimmern oder anderswo gar ganz neue auftreten könnten.

Zum Beispiel an der Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt in Ginderich, die ebenfalls in einem Gebiet steht, das vom Salzbergbau betroffen ist. Nicht ohne Grund ist die Cavity mit Millionen an den Reparaturen auf der nahen L460 (Xantener Straße) beteiligt gewesen sowie aktuell Mitauftraggeber der Kanalsanierung in der Marienstraße – mitten in Ginderich.

Kritiker finden es übrigens bemerkenswert dass Vertreter der öffentlichen Hand – wie Straßen NRW, der Deichverband oder die Kommunen – offenbar weit weniger Probleme haben, den Salzbergbauregulierer zahlend ins Boot zu holen als Privatleute.

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