Porträt

Rheinberg: Ein gebürtiger Orsoyer führt den Awo-Kreisverband

Betreuung bei der Arbeiterwohlfahrt in einer Einrichtung in Moers  

Betreuung bei der Arbeiterwohlfahrt in einer Einrichtung in Moers  

Foto: Marc Albers

Rheinberg/Alpen/Xanten/Sonsbeck.   Bernd Kwiatkowski ist seit Januar Geschäftsführer des Wohlfahrtsverbands, verantwortlich für 1200 Mitarbeiter und etwa 50 Millionen Euro Umsatz.

Nein, im Verbandsgebiet wohnt er nicht. Aber seine Wurzeln liegen schon hier: Dr. Bernd Kwiatkowski, seit Jahresbeginn Geschäftsführer des Kreisverbands Wesel der Arbeiterwohlfahrt mit Sitz an der Bahnhofstraße in Rheinberg, ist gebürtiger Orsoyer. Und wenn die Kinder aus dem Haus sind, könnte er sich einen Umzug von seinem derzeitigen Wohnsitz Mettmann in diese Region durchaus vorstellen.

In der Region hat Kwiatkowski auch seine Ausbildung gemacht. Im Bethanien in Moers lernte er Krankenpfleger, hat lange in Krankenhäusern gearbeitet, war in der Pflegedienstleitung und im Qualitätsmanagement gearbeitet, hat neben seinem Beruf Betriebswirtschaftslehre und Sozialmanagement studiert und dann über die „Erhebung von Belastungsfaktoren bei Betreuungskräften in der stationären Altenpflege“ promoviert.

Seit dem 1. Dezember 2016 ist Kwiatkowski bei der Awo Kreis Wesel, kam als Referatsleiter Altenpolitik nach Rheinberg. Dass ihm dann die Stelle des Geschäftsführers angetragen wurde, hat ihn schon „sehr überrascht: Ich wurde im Urlaub angerufen und gefragt, ob ich Zeit für ein Gespräch hätte“. Das war der Fall – und dabei wollte man wissen, ob er sich die Übernahme von mehr Verantwortung im Kreisverband vorstellen könne. Das Ende ist bekannt.

Jetzt ist er Chef von 1200 Mitarbeitern, verantwortlich für einen Umsatz von etwa 50 Millionen Euro. Zahlen bestimmen im Moment seinen Alltag. „Ich will alle Bereiche kennenlernen, auch außerhalb der Altenhilfe.“ Parallel macht Kwiatkowski sich sehr viele strukturell Gedanken. „Was ist mit den Ortsvereinen? Können sie durch ein Stützpunktmodell unterstützt werden? Wie gewinnen wir Mitglieder, wie kommen wir an junge Leute? Wie funktioniert die Schnittstelle zwischen den Ortsvereinen und der Pflege?“ Denn genau dieser Bereich ist es, in den die Awo unternehmerisch tätig ist. Sie betreibt Kindergärten, bietet ambulante Pflege genauso an wie vollstationäre Einrichtungen (derzeit vier, eine fünfte ist in der Planung). Kwiatkowski befasst sich zur Zeit auch viel mit Bauprojekten, zum Beispiel für eine Tagespflege in Neukirchen-Vluyn. Auch barrierefreies Servicewohnen steht bei der Awo auf der Agenda. Aber zurückgehende Fördermittel sind schon ein Problem.

„Wir sind ein Wohlfahrtsverband“

Über allem steht aber immer noch der Gedanke, der im Namen steckt. „Wir sind ein Wohlfahrtsverband“, so Kwiatkowski. Rechnen müssen sich die ganzen Aktivitäten schon, aber es gibt auch Bereiche, die nicht auf das Verdienen von Geld ausgerichtet sind. Dazu gehören Begegnungsstätten – und die Kooperation mit anderen, zum Beispiel mit dem Caritasverband Moers/Xanten. In Moers gibt es eine Begegnungsstätte, in der die Caritas auch ein Quartiersbüro betreibt. Apropos Begegnungsstätte: „Wir suchen in Rheinberg eine Möglichkeit für Begegnung. Die können wir unseren Mitgliedern im Moment nicht anbieten“, bedauert Kwiatkowski. „Dabei gibt es hier einen sehr aktiven Ortsverein. Wenn wir etwas finden, werden wir tätig.“ Ein Gespräch darüber mit Rheinbergs Sozialdezernentin Rosemarie Kaltenbach hat er am Rande des Neujahrsempfangs der Stadt vereinbart.

Keine Zukunftssorgen

Um die Zukunft der Awo macht Kwiatkowski sich keine Sorgen. „Wir werden auch in 15 Jahren noch ein sehr guter Arbeitgeber sein mit vielen Arbeitsfeldern und einem noch breiteren Angebot.“ Das soll auch durch die künftige neue Struktur gesichert werden. Statt eines Vereins mit einem ehrenamtlichen Vorstand soll es ab Mitte des kommenden Jahres ein Präsidiumsmodell geben. Das kontrolliert dann, vergleichbar einem Aufsichtsrat, die hauptamtlich Tätigen. Kwiatkowski wäre dann Vorstandsvorsitzender, mit zwei weiteren Vorstandsmitgliedern – so er denn von den zuständigen Gremien dazu bestimmt wird. Aber bis dahin dauert es noch. Im Sommer 2018 soll die notwendige Satzungsänderung von den Delegierten aller Ortsverbände beschlossen werden.

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