Rheinufer

Rheinberg hat einen Kompromiss für Mensch und Natur gefunden

Die Ranger Ulrich Gräfer und Michael Zielkowski stehen auf dem Rheindamm und schauen nach dem Rechten.

Die Ranger Ulrich Gräfer und Michael Zielkowski stehen auf dem Rheindamm und schauen nach dem Rechten.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Rheinberg.  Rheinberg hat jetzt ein Besucherlenkungskonzept für den Zugang zum Rheinufer in Ossenberg. Dafür ist auch der Bau einer Treppe erforderlich.

Man könnte von einer Win-Win-Situation sprechen: Der Zugang zum Rheinufer in Ossenberg wird für Erholungssuchende wieder möglich sein, allerdings mit einigen Einschränkungen, um der Tier- und Pflanzenwelt nicht mehr zu schaden. Das ist der Kompromiss, den die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Wesel gemeinsam mit der Biologischen Station und verschiedenen Akteuren wie dem Deichverband Duisburg/Xanten, der Stadt Rheinberg, aber auch der Bürgerinitiative ausgearbeitet und in einem Besucherlenkungskonzept festgehalten hat.

Rückblick: Seit dem Sommer des letzten Jahres patrouillieren Ranger des Regionalverbandes Ruhr (RVR) im Auftrag des Kreises Wesel am Rheinufer in Ossenberg, um die Rückzugsorte von Tieren und Pflanzen am Rhein zu schützen und erholungsuchende Menschen über die mögliche Gefährdung der Arten zu informieren. In Rheinberg hat sich daraufhin eine Bürgerinitiative gegründet. „Contra Rheinuferverbot“ hat gegen das Zutrittsverbot zum Rheinufer protestiert, gut 1600 Unterschriften gesammelt und den zuständigen Mitarbeitern im Weseler Kreishaus übergeben.

Zur Deichsicherheit und des Hochwasserschutzes wird eine Treppenanlage gebaut

Winfried Letzner, Landschaftsplaner für den Kreis Wesel, stellte im Rheinberger Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss das ausgearbeitete Besucherlenkungskonzept nun vor. Dieses sieht in zwei Bereichen einen naturverträglichen Zugang zum Rheinufer vor. Im nördlichen Bereich am Rheinkilometer 805 soll das Rheinufer durch einen Rundweg erschlossen werden. Der Weg verläuft im Rheinvorland auf einem vorhandenen Fahrweg sowie auf bestehenden Trampelpfaden oder auf naturnahen Graswegen, die entsprechend durch Leitpfosten markiert werden.

„Wir greifen also unbefestigte Wege auf, stechen aber eine begehbare Trasse ab“, erklärte Letzner. Im Bereich des Deiches soll der Weg über den Deichverteidigungsweg geführt werden. Für die Verbindung vom Deichvorland zum Deichverteidigungsweg ist aus Gründen der Deichsicherheit und des Hochwasserschutzes der Bau einer Treppenanlage erforderlich.

Erschließung über Feuerwehrzufahrt

Im südlichen Bereich am Rheinkilometer 803,9 erfolgt die Erschließung über die vorhandene Feuerwehrzufahrt auf Höhe der Straße Orsoy-Land. Für eine Umsetzung des Besucherlenkungskonzeptes ist eine Änderung des Landschaftsplanes im Raum Alpen/Rheinberg erforderlich. Sollte diese bis zum Jahreswechsel beschlossen sein, könne ab 2021 mit der Planung, 2022 mit dem Bau der Treppe begonnen werden. 2023 soll das Besucherlenkungskonzept dann gelten.

Genau beziffern, wie teuer die Treppe wird, konnte Letzner noch nicht. Er rechnet mit Kosten von rund 30.000 Euro. In Rheinberg wurde mehr ausgekiest als die Stadt erlaubt hatDie Verwaltung begrüßt das Konzept, da einerseits Möglichkeiten für ein Naturerleben und eine naturverträgliche ruhige Erholung am Rheinufer ermöglicht werden, heißt es in einer Stellungnahme. Sie spricht von einem „tragfähigem Kompromiss.“ Dem schloss sich die CDU an. „Wir sehen darin eine große Chance für einen Interessenausgleich“, sagte Josef Devers. Ralf Winstroth (Grüne) zeigte sich über den langen Zeitplan bis zur Umsetzung erschrocken.

Sorge vor Mülltourismus

Auch wenn der Zugang zum Rheinufer punktuell dann wieder erlaubt ist, bleiben einige Verbote bestehen. So müssen Hunde überall angeleint bleiben, das Baden im Rhein ist untersagt, ebenso sogenanntes Lagern, dazu zählt Zelten, Grillen oder Picknicken. „Sich eine kurze Zeit am Rhein aufzuhalten oder sich auf die Steine zu setzen, ist aber in Ordnung“, so Letzner.

Neben dem Besucherlenkungskonzept soll auch ein SPD-Antrag umgesetzt werden: Zwei Bänke, eine davon dort, wo die Treppe errichtet werden soll, sollen im November aufgestellt werden. Dort auch Mülleimer zu installieren, sei hingegen schwieriger. „Die Sorge vor Mülltourismus ist da. Der Dienstleistungsbetrieb schätzt die Kosten für die jährliche Abfallentsorgung auf 10.000 Euro. Wir müssen bei der Haushaltsplanung betrachten, ob das drin ist“, so der Technische Beigeordnete Dieter Paus.

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Ranger bleiben weitere fünf Jahre

Kontrollen sollen häufiger und in unregelmäßigen Abständen erfolgen

Die RVR-Ranger, die seit Juni 2019 in den Naturschutzgebieten des Kreises Wesel unterwegs sind, bleiben vorerst. Das Pilotprojekt gilt als Erfolg, auch in erzieherischer Hinsicht. Deshalb soll es um fünf Jahre verlängert werden, das hat der Planungs- und Umweltausschuss des Kreises Wesel nun einstimmig beschlossen. Die Erfahrung der Ranger habe gezeigt, dass ein nachhaltiger Effekt aber ausbleibt, wenn die Kontrollen zu weit auseinander liegen – oder sich herumspricht, in welchem Rhythmus sie kommen.

Deshalb kontrollieren die Ranger nun häufiger und in unregelmäßigen Abständen und künftig auch im Winter – ursprünglich waren sie nur von Mitte April bis Mitte Juli unterwegs. Knapp 5000 Bürgerkontakte haben die Ranger bislang gehabt, davon 1931 mit Hundehaltern, 2086 Mal sprachen die Ranger Mountainbiker an, die im Naturschutzgebiet unterwegs waren. In der gesamten Zeit verhängten die Ranger lediglich 41 Verwarngelder – in erster Linie an Angler, aber auch an Hundehalter. Sie leiteten 15 Ordnungswidrigkeitsverfahren ein, es gab allerdings auch mal Polizeiunterstützung. 60.000 Euro kostet dieser Naturschutz den Kreis jährlich. Der Kreis Wesel war Vorreiter, inzwischen hat RVR Grün auch einen Vertrag mit Duisburg, weitere Kommunen sind auf ihn zugekommen. sz

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