Kabarett

Rheinberg: Martin Zingsheim gastiert in der Stadthalle

Martin Zingsheim

Martin Zingsheim

Rheinberg.   Mittwochabend präsentiert der Kabarettist sein Programm „aber bitte mit ohne“. Sein Talent für Comedy entdeckte er eher durch einen Zufall.

Auf der Bühne steht Martin Zingsheim ganz allein: Kein Schnickschnack, keine Pyrotechnik, denn der Kabarettist weiß: Heutzutage ist Verzicht der wahre Luxus. Ob weniger in den meisten Fällen nicht doch irgendwie mehr ist, darum geht es in seinem aktuellen Programm, mit dem Zingsheim morgen Abend um 20 Uhr in der Stadthalle gastiert. Im Gespräch mit der NRZ verriet der 34-Jährige, was ihn als Teilzeitveganer zu diesem Programm inspiriert hat und warum eine Karriere als Komponist doch nicht das Richtige war...

Seit sieben Jahren stehen Sie auf der Bühne und sind zwischen Kiel und Zürich unterwegs. Wie haben Sie Ihre Leidenschaft fürs Kabarett eigentlich entdeckt?

Martin Zingsheim: Ich bin Spätstarter und dachte meine ganze Jugendzeit über, ich würde einmal Komponist für tierisch komplexe und vor allem hochernste Orchestermusik werden. Erst durch Zufall habe ich entdeckt, dass ich deutlich besserer Pointen schreibe als Takte. So kann man sich täuschen.

Ihr aktuelles Programm heißt „aber bitte mit ohne“. Was hat Sie dazu inspiriert und ganz schön kurioser Titel, oder?

Ich als Teilzeitveganer bestelle auch andauernd irgendwo irgendetwas „aber bitte mit ohne dies und auf jeden Fall ohne das, danke“. Eigentlich total nervig, aber was willste machen? Humor fängt für mich immer mit der kritischen Betrachtung der eigenen Person an. Und ich persönlich mäandere auch ganz gerne mal zwischen ökologisch bewusstem, nachhaltig konsumierenden, Ressourcen schonendem und sämtliche fair-Labels beachtendem Hyperaktivsten und komplett überfordertem „Ach, komm, is doch eh alles Wahnsinn da draußen, was wollen die eigentlich von mir?“-Spießer. Die ganze Absurdität unseres postpostmodernen Daseins findet man immer noch am allerbesten in sich selbst.

Was erwartet den Besucher morgen Abend?

Zwei Mal 45 Minuten kreativer Wortwahnsinn zum Thema „Ist weniger nicht in den meisten Fällen tatsächlich mehr und warum strebt man dann doch stets irgendwie nach mehr?“ Ein bunter Abend zwischen Sprache und Religion, zwischen Ernährung, Erziehung und einer kurzen Abhandlung zum Thema Karneval als Exportschlager.

Es ist nicht Ihr erster Auftritt in Rheinberg. Wie gefällt es Ihnen hier?

Ich meine, dies wird mein bislang dritter Auftritt in Rheinberg, wir sind also mittlerweile so etwas wie gute Freunde, die sich alle zwei, drei Jahre treffen, um zu schauen, wer sich in der Zwischenzeit wie entwickelt hat. Leider erfahre ich über die Rheinberger stets weniger als sie über mich, aber das bringt der Beruf so mit sich. Publikum – und das ist das Spannendste am Theater – lässt egal wo, egal wann niemals einschätzen, jeden Abend werden die Karten völlig neu gemischt.

Was wollen Sie denn bei Ihrem Publikum erreichen?

75 Prozent ekstatische Freude, 20 Prozent kritische Reflexion, vier Prozent Kopfschütteln, ein Prozent „Den muss ich mir beim nächsten Mal in Rheinberg wieder anschauen, der hat doch echt ‘nen Knall, der Typ!“

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