Wirtschaft

Rheinberg-Orsoy: 154 Unterschriften gegen Hafenerweiterung

Sabine Kleinholdermann und Dankwart Bender von der Interessengemeinschaft Belastung durch Hafen auf dem Damm in Rheinberg-Orsoy vor dem Niag-Hafen mit Kohleumschlag

Sabine Kleinholdermann und Dankwart Bender von der Interessengemeinschaft Belastung durch Hafen auf dem Damm in Rheinberg-Orsoy vor dem Niag-Hafen mit Kohleumschlag

Foto: Elke Wiegmann

Rheinberg.   Anwohner wehren sich gegen Schmutz, Staub, Lärm und Erschütterungen durch den Güterumschlag am Niag-Hafen. Der soll nun noch größer werden.

Schwarzer Staub überall im und am Haus, in der Luft, die sie atmen, in ihren Gärten, auf ihren Terrassen und Balkons und auf den Spielgeräten ihrer Kinder, nächtliche Erschütterungen durch den zunehmenden Güterzugverkehr und auch der damit verbundene, gestiegene Lärm im Ort – tagsüber, aber auch nachts – quälen die Anwohner.

„Es ist einfach nicht mehr schön, hier zu leben“, sagt Sabine Kleinholdermann. Seit 50 Jahren ist sie in Orsoy zu Haus – ihre ganzes Leben lang also. Sie hat ihre Kindheit hier verbracht, ist hier groß geworden, hat sich später mit ihrem Mann und ihren Kindern hier niedergelassen, vor 25 Jahren ein eigenes Haus hier gekauft. Doch jetzt ist sie enttäuscht, fühlt sich nicht mehr wohl in ihrer Heimat, fühlt sich nicht Ernst genommen von ihrer Stadt mit ihren Bedenken gegen und die Beeinträchtigungen durch den Niag-Hafen und den dortigen Güterumschlag. „Wir wissen ja nicht einmal, was dort genau lagert“, sagt sie. Klar, der schwarze Staub und die riesigen Hügel auf dem Gewerbegebiet am Hafen, das sei Kohle. „Aber letztens lagerte dort auch etwas Gräuliches und die Niag will uns nicht sagen, was das war. Es hieß nur, dass es nicht schädlich wäre und ihre Mitarbeiter alle gesund seien“, erzählt sie.

Den schwarzen Staub, den kennen alle Nachbarn im Grünen Winkel und auf den umliegenden Straßen in Orsoy. Nur wenige hundert Meter liegen ihre Häuser und Wohnungen vom Niag-Hafen entfernt. „In diesem Sommer war es dann durch die lange Trockenheit besonders schlimm“, bestätigt auch Axel Mauter-Paulsen, der in der alten Volksschule wohnt. „Wenn wir barfuß durch die Wohnung gelaufen sind, waren die Füße hinterher ganz schwarz unten drunter – und natürlich hatten auch alle Möbel diese schwarze Schmutzschicht.“ Aber selbst jetzt im Winter, bei Schnee und Regen, ist der schwarze Schmierfilm sichtbar, beweist Dankwart Bender an seinem Haus, ebenfalls im Grünen Winkel: „Meine Frau hat erst vor zwei Tagen die Fenster und Fensterbänke gereinigt“, sagt er. Dann nimmt er ein sauberes, gelbes Tuch und wischt über die überdachte Fensterbank an seiner Terrasse. Das Tuch zeigt den schwarzen Schmutz – nicht bräunlich dreckigen, sondern kohlrabenschwarzen. „Und das ist kein normaler Staub, den man einfach durchs Wischen wegbekommt“, weiß Kleinholdermann. „Der Schmutz ist schmierig und ölig.“ Dann schaut sie resigniert hinaus. „Es ist einfach nicht mehr lebenswert hier“, sagt sie.

„IG Belästigung durch Hafen“ in Orsoy

Im September vergangenen Jahres haben sich einige Anwohner wegen der immer stärker werdenden Belästigungen durch Schmutz, Staub, Lärm und Erschütterungen durch den Schüttgüterumschlag am Niag-Hagen und dem dadurch auch zugenommenen Güterzugverkehr zu einer Interessengemeinschaft (IG) zusammengeschlossen. Sie haben seither Gespräche mit Vertretern des Hafenbetreibers Niag – ein Verkehrsunternehmen des Kreises Wesel und der Rhenus Veniro GmbH & Co. KG mit Sitz in Moers – sowie mit Vertretern der Stadt und des Kreises Wesel geführt. Das Ergebnis zeige, wie ernst man ihre Beschwerde nehme, finden die Mitglieder der IG: „Anwohner, die sich wegen des schwarzen Schmutzes beschwerten, bekamen 150 Euro als Entschädigung und später, nach dem Gespräch, dann noch einmal 150 Euro“, sagt Dankwart Bender. Ebenso wie Sabine Kleinholdermann ist er ein Mitglied der ersten Stunde der „IG Belästigung durch Hafen“ in Orsoy. „Eine Hausreinigung würde aber alleine bereits 600 Euro nur für die Außenreinigung kosten“, gibt Bender zu bedenken.

Die IG ist nun seit vergangenem Herbst verstärkt aktiv, um sich gegen die Belästigungen durch den Niag-Hafen zu wehren. „Wir haben uns auch an die Fraktionen der CDU, der SPD und der Grünen in Rheinberg gewendet“, sagt Bender. Bei den Grünen seien sie auf offene Ohren gestoßen. „Die SPD wolle noch prüfen, die CDU äußerte sich indifferent.“ Vor einer Woche lud die IG dann zu einer Bürgerversammlung in Orsoy mit rund 120 Teilnehmern ein. „Damit, dass so viele Leute kommen würden, hatten wir gar nicht gerechnet“, sagt Bender. „Aber es zeigt, wie viele Anwohner betroffen sind – und es sind sicher noch mehr.“

Unterschriften übergeben

Am Donnerstag übergaben nun Kleinholdermann, Bender und Peter Schmitz als Vertreter der „IG Belästigung durch Hafen“ Rheinbergs Bürgermeister Frank Tatzel sowie dem 1. Beigeordneten der Stadt, Dieter Paus, eine Unterschriftenliste. 154 Bürger drückten darin ihre „Bedenken gegen die Festsetzungen im Regionalplan Ruhr zur Ausweisung des Rheinhafens Orsoy als ‘landesbedeutsamer Hafen’ sowie zur Ausweisung des Gebietes Landrat-von-Laer Straße als Gewerbe- und Industriegebiet (GIB) aus“, wie es in dem dreiseitigen Schreiben zur Unterschriftenliste hieß. Hintergrund ist unter anderem eine im Regionalplan Ruhr vorgesehene und bisher von der Stadt Rheinberg begrüßte „Erweiterung des Gewerbegebietes am Hafen in Orsoy um weitere 120.000 Quadratmeter“, erklärt Bender.

Doch eine größere Fläche für den Schüttumschlag am Hafen bedeute noch mehr Schmutz, Staub, Lärm und Erschütterung für die Anwohner. Im Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss am Dienstag, 5. Februar, steht das Thema jetzt auf der Tagesordnung. „Und wir bitten die Stadt Reinberg um eine ablehnende Stellungnahme zu diesen Festsetzungen“, so die IG-Mitglieder. Sie bemängeln in ihrem Schreiben, dass der Regionalplanentwurf seinen eigenen Zielen widerspreche, wie beispielsweise beim Umgebungsschutz, der einen Abstand „bei staubenden Schüttgütern von mindestens 500 Meter zur nächstgelegenen Wohnbebauung vorsieht“, heißt es darin. „Festgesetzt werden soll jedoch ein Gebiet bereits in 100 Metern Nähe“, so die IG.

Auch geben die IG-Mitglieder in ihrem Schreiben zu bedenken, dass Orsoy ein historischer Ort sei und auch das Landschaftsbild durch die Pläne erheblich gestört werde. Bei einer Erweiterung des Hafengebietes sei auch mit der „Zunahme des Schwerlastverkehrs und der Zugbewegungen“ zu rechnen, gibt die IG zu bedenken. „Der Lkw-Verkehr wird vermutlich auch in der Stadtmitte, Binsheimer und Kuhstraße zunehmen, da es sich um Landstraßen handelt. Auch auf dem Orsoyerberg und in Vierbaum werden diese Auswirkungen zu spüren sein. Drießen, Eversael und Budberg dürften dann auch von Staub- und Lärmimmissionen betroffen sein“, heißt es weiter.

Treffen mit Niag, Stadt und Kreis

Die IG-Mitglieder aus Orsoy hoffen nun, dass ihre Einwendungen berücksichtigt werden. Und, dass „hoffentlich viele Bürger in den Ausschuss kommen, um ihre Bedenken persönlich vorzubringen“, so Bender. Am 13. Februar treffen sich die IG-Mitglieder dann noch einmal mit Vertretern der Niag, der Stadt und des Kreises, bevor der Rat der Stadt am 12. März einen Beschluss in dieser Angelegenheit fassen wird. Weitere Informationen und Kontakt zu der Interessengemeinschaft (IG) Belastung durch Hafen gibt es für Interessierte per E-Mail an igbelastung-durch-hafen@web.de

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