Verkehr

Behindertenbeauftragte: Rheinberger Rollstuhlfahrer fühlen sich abgehängt

2.3.2018 Rheinberg Monika Echstenkämper ehrenamtliche Behindertenbeauftragte der Stadt Rheinberg

2.3.2018 Rheinberg Monika Echstenkämper ehrenamtliche Behindertenbeauftragte der Stadt Rheinberg

Foto: Uwe Plien / Nein

Rheinberg.  Die Rheinberger Behindertenbeauftragte Monika Echstenkämper beklagt eine Benachteiligung von Menschen mit Behinderung im öffentlichen Verkehr. Sie sieht sowohl Stadt als auch Verkehrsunternehmen in der Pflicht.

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So ist für Monika Echstenkämper das Bundesteilhabegesetz kaum das Papier wert, auf dem es gedruckt steht. „Immer weiter an der Kostenschraube der Infrastruktur zu drehen, macht es für Menschen mit Behinderungen sicher nicht besser“, sagt die Rheinberger Behindertenbeauftragte nach ihrer letzten Erfahrung. Was geschehen war: Mit dem ÖPNV wollte die 73-Jährige, die auf den Rollstuhl angewiesen ist, von Alspray zum Schwarzen Adler nach Vierbaum fahren. An einem Montag, in den frühen Abendstunden. Für diese Fahrt setzte die 73-Jährige auf den Taxibus, den die Niag zu verkehrsschwachen Zeiten als Ersatz für den Linienbus anbietet. Bislang bedeutete das: Ein Anruf bei der Niag etwa eine halbe Stunde vor gewünschter Abfahrt und der Taxibus kam.

Taxi nicht für Rollstuhl geeignet

Doch nach dem Anruf bei der Niag kam für Echstenkämper kein Taxibus, sondern Ernüchterung: „Statt des Taxibusses fährt fahrplanmäßig ein Taxi ab der Bushaltestelle“, berichtet die Behindertenbeauftragte der Stadt. Das Problem: Das Taxi, ein normaler Pkw, könne keinen Rollstuhl transportieren. „Auf diese Weise werden genau die abgehängt, die es ohnehin nicht einfach haben. Als Rollstuhlfahrer kommt man aus Alpsray nur schwer heraus“, ärgert sich Echstenkämper. Aber auch für Personen, die auf einen Rollator angewiesen sind, oder Mütter mit Kinderwagen dürfte die Beförderung schwierig werden. Das Argument, Familie und Freunde einzuspannen, lässt die 73-Jährige nicht gelten: „Im Notfall kann man das mal machen, aber dauerhaft ist das niemandem zuzumuten.“

Als Behindertenbeauftragte habe sie von ähnlichen Schwierigkeiten auch aus anderen Ortsteilen gehört. Ein Rollstuhlfahrer aus Ossenberg habe sich beispielsweise darüber beschwert, dass es ihm nicht möglich sei, mit dem Bus nach Moers zu fahren. „Die Ersatzbusse der Deutschen Bahn haben steile Treppen und keine Rampe, so dass weder Rollstuhlfahrer noch Mütter mit Kinderwagen oder Menschen mit Rollator einsteigen können“, erläutert Echstenkämper die Beschwerden des Ossenbergers. Angesichts des ganzen Geredes um Teilhabe hat sie dafür nur unverständiges Kopfschütteln übrig und sieht sowohl Stadt als auch Verkehrsunternehmen in der Pflicht. „Es besteht dringender Handlungsbedarf“, so die Rheinbergerin.

Behindertengerechtes Fahrzeug abgegeben

Bei der Niag weiß man um diese Problematik. Günter Schlüter, zum damaligen Zeitpunkt noch Leiter der Verkehrsplanung, erläutert den Hintergrund: Der Taxiunternehmer, der die Linie nach Alpsray bediente, habe sein behindertengerechtes Fahrzeug abgegeben. „Wegen zu geringer Einsätze habe sich das wirtschaftlich nicht gerechnet“, informiert Schlüter. Das habe der Unternehmer rechtzeitig vor rund zwei Jahren mitgeteilt; Ersatz habe man bislang nicht gefunden. „Für Taxiunternehmer aus Moers oder Kamp-Lintfort, die aufgrund der Krankenhäuser entsprechende Fahrzeuge führen, ist es nicht attraktiv bis Rheinberg zu fahren“, vermutet Schlüter. Auch wenn es immer mal wieder Anfragen gebe, sei die Nachfrage nach dem Taxibus auf der Linie Alspray insgesamt einfach zu gering, bedauert Schlüter.

Doch im Sinne des Bundesteilhabegesetzes müssen alle Beteiligten – ÖPNV und Stadt – bis spätestens 2022 eine Lösung finden. Dann wird auch der 2017 aufgestellte Nahverkehrsplan turnusgemäß auf den Prüfstand gestellt, die Kommunen können sich dazu äußern. Möglicherweise sei bis dahin ein Taxiunternehmer gefunden, der die Linie bediene, aber auch ein Modell im Zusammenspiel mit dem Bürgerbus der Stadt Rheinberg sei denkbar, so Schlüter.

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