Schließung

Rheinbergs Lottofee Hildegard Lorkowski hört auf

Hildegard Lorkowski (links) und Mitarbeiterin Petra Steeger in der Lotto-Annahmestelle in der Rheinberger Innenstadt hören auf.

Hildegard Lorkowski (links) und Mitarbeiterin Petra Steeger in der Lotto-Annahmestelle in der Rheinberger Innenstadt hören auf.

Foto: crei

Rheinberg.   Die Rheinbergein nimmt nun zum letzten Mal Tippscheine in der Annahmestelle an der Gelderstraße entgegen. Eine Nachfolge gibt es bisher nicht.

Wer in der Rheinberger Innenstadt sein (finanzielles) Glück gesucht hat, der hat seit Ende der 1950er Jahre die Lotto-Annahmestelle an der Gelderstraße 26 angesteuert. Nachdem Hildegard Lorkowski das kleine Lotto-, Tabakwaren- und Zeitschriftengeschäft 1994 übernommen hatte, war sie hier die Lottofee. Diese Ära auf dem Weg zum Glück geht nun zu Ende. Samstag nimmt die 65-Jährige mit ihren Mitarbeiterinnen Petra Steeger und Brigitte Brüggemann die letzten Tipps entgegen. „Einmal muss Schluss sein“, sagt Hildegard Lorkowski. Ihre Nachfolge ist offen. Das Haus steht zum Verkauf.

Tränen werden fließen

Zum Abschied werden Tränen fließen, da ist sich Lottofee Lorkowski ziemlich sicher. Schon vor ein paar Tagen sei ihr ganz mulmig geworden in der Magengegend. Ein treuer Kunde habe ihr als Dankeschön „fürs Zuhören“ eine Tafel „Merci“ überreicht. Ein anderer brachte zwei weiße Rosen, weil sie einfach „nett und freundlich“ gewesen sei. So war das bei Hildegard Lorkowski und ihren Mitarbeiterinnen: stets ein offenes Ohr für kleine und große Sorgen und Zeit für einen Plausch.

„Zu uns kam fast nur Stammkundschaft, zu der sich im Lauf der Jahre ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hat – es war fast familiär“, erzählt die Lottofee.

Man kannte sich, man mochte sich. Eine Kundin sei über viele Jahre regelmäßig in den Laden gekommen, habe sich ein bisschen hin- und hergedreht und jedes Mal dieselbe Frage gestellt: „Gucken Sie mal, kann ich so gehen?“ Keine Frage: Das Geschäft war eine Art „Glückstempel“ – und zwar im doppelten Wortsinn. Denn hier winkte nicht nur der große Gewinn. Für viele Kunden war die kurze Begegnung an der Ladentheke das kleine Glück im Alltag.

Hildegard Lorkowski erinnert sich noch gut an die ersten Jahre an der Gelderstraße 26. Damals wurden die Lotto-Scheine noch von Hand registriert und jeden Freitagabend von einem Fahrer nach Köln gebracht.

„Für den Fall eines Stromausfalls konnten wir die Lottomaschinen mit einer Handkurbel bedienen“, erzählt Lorkowski schmunzelnd. Anfang 2003 ging das Lottogeschäft online. Aus der Zusatzzahl wurde die Superzahl und neben Spiel 77 eroberten Super 6, Oddset Fußballwette, Rubbellose, Quicktipp und der Euro Jackpot die Glücksspielwelt. Freitags und samstags herrschte Hochbetrieb. „Die Ziehung am Mittwoch war irgendwie nicht so beliebt“, so Lorkowski.

Neben vielen kleinen Gewinnen, die sie ausgezahlt hat, haben auch drei Lotto-Spieler das große Los gezogen: Sie hatten jeweils fünf Richtige mit Zusatzzahl getippt, bei einer Sonderziehung ging ein Mercedes an einen Kunden von Hildegard Lorkowski.

Wirklich berührt hat die gebürtige Millingerin allerdings ein vergleichsweise bescheidener 1000-Euro-Gewinn. „Eine alte Dame aus Alpen hat jede Woche bei uns ihren Tipp abgegeben“, erzählt die Lottofee. Als man im Geschäft gemeinsam entdeckt hatte, dass ein Schein tatsächlich gewonnen hatte, seien Tränen geflossen – in Strömen.

Pläne für die Zukunft

Und hat sie auch selbst ihr Glück versucht und mitgetippt? „Sicher, aber nicht im eigenen Geschäft – das ist nicht zulässig“, sagt Hildegard Lorkowski, die auch künftig nicht die Hände in den Schoss legen möchte.

Sie schmiedet schon fleißig Pläne: Zunächst geht es in den Urlaub – zum ersten Mal, ohne sich Gedanken um den sich stapelnden Schriftverkehr zu machen. Und sie möchte sich ehrenamtlich engagieren, am liebsten für Kinder. „Langweilig wird mir sicher nicht“, so die Lottofee a.D.

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