Einzelhandel

Rheinbergs Protest-Schaufenster

Mit Zeitungspapier und Slogans ist das Schaufenster derzeit abgeklebt.

Foto: crei

Mit Zeitungspapier und Slogans ist das Schaufenster derzeit abgeklebt. Foto: crei

Malgorzata Daron von Daron-Optik an der Gelderstraße macht mit einer ungewöhnlichen Aktion auf die Konkurrenz aus dem Internet aufmerksam.

Rheinberg Irgendwann konnte Malgorzata Daron die Sprüche nicht mehr hören. „Immer wieder bekamen ich und meine Mitarbeiterin Yvonne Hoerhold von Kunden zu hören: Die Innenstadt stirbt aus, hier macht ja ein Geschäft nach dem anderen zu, hier ist ja gar nichts mehr los“, sagt die Inhaberin von Daron-Optik an der Gelderstraße 1. Seit 2007 führt die Augenoptikermeisterin das Geschäft und wird es auch weiterhin führen.

Dass sie in diesen Tagen schon mehrfach gefragt wurde, ob sie vorhabe, ihr Ladenlokal auszugeben, nimmt sie in Kauf. Denn Malgorzata hat über die Karnevalstage und noch bis zum Ende der Woche eine ungewöhnliche Aktion geplant und umgesetzt: Sie hat ihr Schaufenster komplett mit Zeitungspapier abgeklebt und hat hat es mit Parolen und Slogans ausgestattet, die Passanten förmlich zum Stehenbleiben, Lesen und Nachdenken zwingen.

Nun stehen da Sprüche zu lesen wie „Heutzutage kennen die Leute von allem den Preis, aber nicht den Wert!“ Oder: „Kostenloser Kundenservice für alle, die Beratung wollen, aber im Internet nicht bekommen ... Mo-Fr geschlossen, Sa-So zu.“ Oder: „Unsere gute Laune geht gerade unsere Motivation suchen ... jetzt sind bei im www.weit/weit/weg.internet.de“.

Malgorzata Daron will die scheinbar übermächtige Konkurrenz aus dem Internet und das damit einhergehende Verhalten vieler Kunden nicht mehr kommentarlos hinnehmen – deshalb diese Aktion, für die sie viel Zuspruch bekommen hat. „Schaufensterdeko – braucht man nicht, es guckt eh keiner hin, oder?!“ steht da an der Gelderstraße zu lesen oder auch: „Sieht so die Zukunft für Rheinberg aus?“

„Einzelhandel, was ist das?“, lautet eine Frage, die die Optikerin in ihrem Schaufenster aufwirft. Laut Wikipedia handele es sich dabei um „eine vom Aussterben bedrohte Art“. Die Aufmerksamkeit der Menschen, die auf der Gelderstraße unterwegs sind, ist den beiden Optikerinnen sicher. „Viele finden die Aktion gut“, sagt die Geschäftsfrau, die in Velbert lebt und weiß, dass der Einzelhandel dort ganz ähnliche Probleme hat wie der Rheinberg. Hinter der Scheibe hat sie eine kleine Live-Kamera installiert, die nichts aufzeichnet, aber Erkenntnisse darüber liefert, wer das Daron-Fenster wahrnimmt und sich die Zeit zum Lesen nimmt.

Nach ihrer Botschaft befragt, sagt die Expertin für den richtigen Durchblick: „Ich möchte den Menschen sagen: Überlegt euch doch, ob ihr nicht öfter mal in Einzelhandelsgeschäften kauft. Bevor es zu spät ist und es keine Geschäfte mehr gibt.“ Dass sie ihre Aktion gerade jetzt durchführt, habe zwei Gründe, wie die Geschäftsfrau erläutert: „Zum Jahreswechsel haben auffällig viele Geschäfte in der Rheinberger Innenstadt geschlossen. Und Karneval ist eine gute Zeit für so etwas. Denn Karneval ist ja auch die Zeit, wo jeder mal sagen darf, was er denkt.“

Noch bis zum Wochenende wollen Malgorzata Daron und Yvonne Hoerhold die Dekoration hängen lassen, dann kommt sie weg. Es geht aber weiter. „Wir haben uns schon etwas Neues ausgedacht“, so die Inhaberin, die auch Mitglied der Rheinberger Werbegemeinschaft ist. „Etwas ganz speziell für Rheinberg. Rheinberg lohnt sich – mehr wird noch nicht verraten.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik