Karneval

Rhinberkse Jonges: Peter Houckens Büttenrede heiß diskutiert

Peter Houcken ging bei seiner letzten Büttenrede in der Stadthalle am Freitag mit Bürgermeister Frank Tatzel und der Stadtverwaltung hart ins Gericht.

Peter Houcken ging bei seiner letzten Büttenrede in der Stadthalle am Freitag mit Bürgermeister Frank Tatzel und der Stadtverwaltung hart ins Gericht.

Foto: Fischer, Armin ( arfi )

Rheinberg.  In seinem letztem Beitrag nach 20 Jahren ging Peter Houckens mit der Stadt und dem Bürgermeister scharf ins Gericht. Hat er überzogen?

Satire darf alles, hat Kurt Tucholsky einmal gesagt. Aber gilt das auch für Büttenreden? Peter Houcken, viele Jahre ein Aushängeschild für originelle, rhetorisch feine, humorvolle und überzeugende Reden im Rheinberger Karneval, muss sich dieser Frage stellen. Was er am Freitagabend bei der ersten Büttensitzung der Rhinberkse Jonges in der Stadthalle herausposaunt hat, sei eine bösartige und sehr persönliche Abrechnung mit der Stadt und insbesondere mit Bürgermeister Frank Tatzel gewesen, heißt es. Was die Reaktionen auf die Rede angeht, so gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen. Sie reichen von absoluter Empörung bis zu weitgehender Zustimmung.

Houcken, der nach 20 Jahren in der Bütt seinen Hut nahm, schoss scharf und ging mit der Stadt hart ins Gericht. Das Stadthaus sei zu einem Ort zum „Parshipen“ verkommen, zudem unternehme die Stadt viel zu wenig gegen die Verödung der Innenstadt. Ganz zu schweigen von der Diskussion um die Zukunft der Sportstätten. „Das war ein Hilferuf eines Bürgers und auf keinen Fall eine persönliche Abrechnung“, sagte Houcken am Montag. „Es geht darum, dass in Rheinberg eine allgemein große Unzufriedenheit herrscht, aber niemand den Mut hat, das offen zu sagen.“

Houcken: „Bisherige Reden waren viel zu weich gespült“

Er habe diese Punkte kritisch ansprechen wollen und sei deshalb auch nicht wie sonst üblich in eine Rolle geschlüpft, sondern sei als Peter Houcken aufgetreten. Die Diskussion um das Sportstättenkonzept, in die er persönlich als erster Vorsitzender des SV Budberg involviert sei, „habe ihn unendlich enttäuscht“. „Meine bisherigen Reden waren immer viel zu weich gespült“, bilanzierte der Budberger.

Mehr Schärfe und Deutlichkeit habe er diesmal deshalb ganz bewusst eingebaut. Im Übrigen sei er der Meinung, dass die von Pastor Martin Ahls geschriebene Bürgermeister-Nummer der jungen Gruppe „Die glorreichen Sieben“ am Freitag mindestens ebenso scharf gewesen sei wie seine Satire. Dem Vorstand der Rhinberkse Jonges habe er angeboten, seinen Beitrag bei den beiden bevorstehenden Büttensitzungen am Freitag und am Sonntag herauszunehmen.

Houcken bekommt Rakete für seine Rede

Doch dazu hätte man keine Veranlassung gesehen, wie Lars Kisters, stellvertretender Präsident der Rhinberkse Jonges, sagte: „Wir haben den Text von Peter Houcken bereits in der Generalprobe gehört“, so Kisters. „Von daher wussten wir, was auf uns zukommt. Bei uns sind die Künstler grundsätzlich frei in dem, was sie tun. Bedingung ist natürlich, dass es weder sexistisch, rassistisch oder persönlich beleidigend ist.“ Das alles habe Houcken berücksichtigt. Gerade kommunalpolitische Schärfe sei sehr gewünscht.

Deshalb begrüße man es, wenn Houcken auch am Freitag und Sonntag in die Bütt gehe. Rhinberkse-Jonges-Präsident Wolfgang Rams hält es für wichtig, dass Karneval auch kritisch sein darf. „Peter Houcken hat niemanden persönlich beleidigt, von daher haben wir da keine Bedenken. Das müssen öffentliche Personen wie ein Bürgermeister aushalten können. Schließlich hat Houcken sogar eine Rakete für seine Rede bekommen.“

Tatzel: Houcken hat aus Eigeninteresse gehandelt

Ganz unabhängig vom diesjährigen Auftritt bedaure er, dass sich der Budberger als Büttenredner nun ganz zurückziehe. Bürgermeister Frank Tatzel kommentierte die Büttenrede von Houcken nur kurz. „Meines Erachtens hat nicht der Karnevalist, sondern der Vereinsvorsitzende im Eigeninteresse gesprochen. Ich löse Probleme nicht auf der Bühne, sondern gemeinsam mit Rat und Verwaltung – und vor allem mit allen Beteiligten“, sagte er am Montagnachmittag.

Tatzel zielte dabei auf Houckens Beiträge, die sich auf das seit Monaten diskutierte Sportstättenkonzept beziehen. Wie gesagt: Der Büttenredner ist auch erster Vorsitzender des Budberger Sportvereins und Vorstandsmitglied des Stadtsportverbands. Rollen Peter Houcken, Zahnarzt im Ruhestand, hat Jahr für Jahr eine andere Rolle für seinen Auftritt gewählt: Golfspieler, Amplonius, Weinkönigin und Bundestrainer waren nur einige. Es werde zunehmend schwierig, eine Rolle zu finden. Deshalb höre er jetzt auf, sagte Houcken.

Für die Büttensitzung am Freitag, 14. Februar, 19.30 Uhr, in der Stadthalle gibt es noch ein paar Karten. Für die Sitzung am Sonntag, 16. Februar, 15 Uhr, sind noch deutlich mehr zu haben.

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