Nahverkehr

Ruhe ist in Sicht an der Niag-Bahnstrecke in Rheinbergs Südosten

Auch die ungesicherten Bahnübergänge will die Niag mit einer neuen Signaltechnik sichern. Dadurch sollen künftig auch Pfeifsignale unnötig werden.

Auch die ungesicherten Bahnübergänge will die Niag mit einer neuen Signaltechnik sichern. Dadurch sollen künftig auch Pfeifsignale unnötig werden.

Foto: Waz FotoPool

Rheinberg.   Die Niag und die Bürgerinitiative Niag-Bahnlärm wollen schon bald eine Vereinbarung unterzeichnen.

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Endlich Ruhe: Das wünschen sich die Anwohner der Niag-Güterzugstrecke Baerl, Vierbaum, Orsoyerberg und Orsoy. Die Erfüllung dieses Wunsches rückt für sie jetzt zumindest etwas näher. Eine Vereinbarung zwischen der Bürgerinitiative Niag-Bahnlärm und den Niederrheinischen Verkehrsbetrieben, die unter anderem eine Geschwindigkeitsbegrenzung der Züge auf der Strecke vorsieht, soll bald von beiden Seiten unterzeichnet werden.

„Wir sind kurz vor dem Durchbruch. Es muss jetzt eintreten, was besprochen wurde“, betont Eva Hellmis, Vorsitzende der Bürgerinitiative. Neben weniger Tempo auf der Bahnstrecke wünschen sich die Anwohner auch, dass Nacht- und Wochenendfahrten deutlich begrenzt werden. „Weil durch die Vibration Gläser klirren und das ganze Haus wackelt, werden wir mehrfach in der Nacht geweckt“, beschwert sich Eva Hellmis – und das mitunter bis zu sechs Mal in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr.

Verantwortlich für die starke Vibration seien die Betonschwellen, glaubt die Vorsitzende der Bürgerinitiative. Vorher waren die Schwellen aus Holz. „Der Radius, in dem die Vibrationen übertragen werden, ist durch die neuen Schwellen größer geworden.“

Ein Gutachter habe zudem bereits vor eineinhalb Jahren Lärmspitzenwerte von 117 Dezibel gemessen. „Eindeutig gesundheitsschädigend“, sagt Eva Hellmis. Bei den Anwohnern liegen die Nerven blank – ein weiterer Grund, aus dem sich bereits Anfang 2013 die Bürgerinitiative gründete. „Seit 2012 hat sich die Zahl der Züge stark erhöht, sie sind länger und schwerer geworden. Das führt zum Anstieg des Lärms durch Rollgeräusch, Vibration und Hupen“, erklären die Betroffenen auf ihrer Website den Hintergrund.

Zudem sei die ungesicherte, eingleisige Bahnstrecke für das Verkehrsaufkommen, das Gewicht und die Geschwindigkeit der Züge nicht geeignet. „Dass das Hupen an den unbeschrankten Bahnübergängen keine ausreichende Sicherheit bietet, zeigen die schweren Unfälle.“ Im November 2012 war es am Bahnübergang Lohmühler Weg zu einem tödlichen Unglück gekommen.

Das soll nicht wieder passieren: Durch eine neue Signaltechnik sollen die Bahnübergänge in Zukunft sicherer werden, betont Niag-Vorstandsmitglied Peter Giesen. Sie verhindere gleichzeitig, dass ,Pfeifsignale durch Züge notwendig sind“. Die Folge: weniger Lärm. Geplant seien auf der Stecke zwischen Orsoy und Baerl zudem „zahlreiche Maßnahmen am Oberbau der Gleisanlagen, die bewirken sollen, dass die Erschütterungen geringer werden und es weniger Lärm gibt“, erklärt Giesen. Auch das Schotterbett soll verdichtet, Schienenstöße verschweißt und Bahnschwellen ausgebaut werden. An der Bahnstrecke im Bereich von Orsoy soll zudem eine Schienenschmieranlage für Lärmminderung sorgen.

Auch am Tempo der Züge wolle die Niag arbeiten, die Geschwindigkeit auf 30 km/h begrenzen. Die Bürgerinitiative hatte eine Tempolimit von 20 km/h gefordert. „Das ist aus betriebstechnischen Gründen nicht möglich. Die Zuglänge und Bahnübergangssignaltechnik spielen dabei eine Rolle“, erklärt Peter Giesen. Und betont: Inhaltlich sei die Vereinbarung zwischen Niag und Bürgerinitiative „nur noch eine Formalie“ – auch dank der „sehr sachlichen und konstruktiven Diskussion“.

Die anschließenden Arbeiten seien „an einem Wochenende natürlich nicht erledigt“. Der Niag-Vorsitzende rechnet mit einem Zeitraum von etwa zwei Jahren.

Auch Eva Hellmis als Vorsitzende der Bürgerinitiative wagt einen zuversichtlichen Blick in die Zukunft. Die Vereinbarung sei ein Kompromiss, aber: „Wenn sich die Niag an die Vereinbarung hält, ist ein Nebeneinander möglich.“

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