Drehtürmodell

Schule mal aus einer anderen Perspektive

Merle Lemmer hatte einen tollen Vortrag über Prothesen vorbereitet

Foto: arfi

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Jungen und Mädchen der Europaschule machten mit beim Projekt „Drehtürmodell“, einer besonderen Möglichkeit von Schule und Wissenserwerb.

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Rheinberg. Die Projekte, die im Rahmen des Drehtürmodells an der Rheinberger Europaschule entstanden sind, machten schon bei der Ankündigung neugierig. Karsten Schmidt, stellvertretender Schulleiter, hatte nicht zu viel versprochen. „Das Drehtürmodell ist eine besondere Möglichkeit von Schule und dem Wissenserwerb“, erklärte er. Das Drehtürmodell komme der Begabtenförderung gleich, bei der Schuljugend sich einem eigenen Projekt widmet.

Lernkonzept auf freiwilliger Basis

Das pädagogische Drehtürmodell ist ein Lernkonzept auf freiwilliger Basis. Bis zu zwei Unterrichtsstunden pro Woche über einen Zeitraum von acht Monaten investierten die Schüler. „Mich haben das Durchhaltevermögen beeindruckt und die tollen Themen“, so Schmidt. Die Bandbreite reicht von Porträts über wildlebende Tiere, über Naturphänomene wie Wind und Sturm bis hin zu historischen Epochen oder gesellschaftlichen Verhältnissen wie Armut in Indien.

Alle Teilnehmer stellten mit entsprechender Power-Point-Präsentation kombiniert mit einem Vortag ihre Ergebnisse vor. So beispielsweise Merle Lemmer, die sich dem eher ungewöhnlichen Komplex „Prothesen“ stellte. „Die Präsentation hat mir Spaß gemacht, auch wenn ich anfangs aufgeregt war“, erzählt die Zwölfjährige. Die Idee, sich mit künstlichen Körperersatzteilen zu beschäftigen, sei spontan entstanden. „Ich habe meinen Opa im Krankenhaus besucht“, erinnert sie sich. Dabei erlebte sie Patienten an Krücken mit und ohne Gliedmaße. „Mich hat die Frage interessiert, wie es funktioniert, dass eine Prothese körperliche Funktionen übernimmt“, so die Siebtklässlerin. „Ich habe dabei viel gelernt. Beispielsweise, wie wichtig Prothesen sind, um am Leben teilzunehmen. Das war wirklich toll, alleine zu arbeiten“, so Merle.

Beeindruckt von Sportlern

Nicht nur dem Vergleich der Herstellungsverfahren früher und heute stellte sie vor. Moderne Technik und Messverfahren per Computer bestimmen heute die Arbeitsweise. „Ich habe mich mit Problemen von Prothesenträgern beschäftigt“, so Merle. Dazu zählen unter anderem Allergien, Entzündungen, Spannungsschmerzen oder dass Wunden schlecht verheilen. Beeindruckt zeigte sie sich von Sportlern, die trotz Handicap dank Prothesen in internationalen Wettkämpfen stehen. „Ich würde wieder an solch einem Projekt teilnehmen“, so ihr Fazit.

Ein völlig anderes Thema beschäftigte Paul Eichhorn: das Leben seines Urgroßonkels Johan Windhuis. „Für mich war es aufregend, weil ich mich für Geschichte interessiere und zu Johan Windhuis einen familiären Bezug habe“, sagt der Achtklässler. In der Familie existiert ein Tagebuch, in das Johan ab 1940 Erlebnisse schrieb. Er meldete sich nach seinem Abitur freiwillig zum Kriegsdienst. „Er kam nach Reims, wo er Rekruten ausbildete“, erklärt Paul. Johan Windhuis fiel später an der Ostfront in Russland. „Mich hat das Tagebuch sehr bewegt“, sagt Paul über die verschieden niedergeschriebenen Erlebnisse des Urgroßonkels. Ereignisse, die sich der Schüler heute nicht vorstellen kann und mag. „Im Unterricht erfahren wir mit nüchternen Zahlen etwas über die Zeit. Ich habe dazu nun einen persönlichen Bezug.“ Um seinen Mitschülern ansatzweise das Soldatenleben zu erläutern, stellte er die Maschinerie von Wehrmacht und Luftwaffe in seinem Vortrag vor. Herausforderung sollte das in Sütterlin verfasste Tagebuch sein. Eine ehemalige Lehrerin in Baerl half. „Frau Engeln hat jeden Tag eine Seite in unsere Schreibschrift übertragen. Dass sie die Schrift lesen konnte, habe ich sehr bewundert“, so Paul. Nach dem Vortrag standen die jungen Referenten für Fragen parat. „Mich hat gefreut, dass sich Menschen für das Leben meines Urgroßonkels interessiert haben und mich gefragt haben“, sagt Paul.

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