Soziales

Seit zehn Jahren eine Anlaufstelle in Rheinberg

Freuen sich über das zehnjährige Bestehen der Anlaufstelle im St.-Nikolaus-Hospital: Ralf Nennhaus, Geschäftsführer des St.-Josef-Krankenhauses Moers, Beraterin Bettina Schilling und Pflegedirektor Thomas Weyers.

Foto: Mareike Kluck

Freuen sich über das zehnjährige Bestehen der Anlaufstelle im St.-Nikolaus-Hospital: Ralf Nennhaus, Geschäftsführer des St.-Josef-Krankenhauses Moers, Beraterin Bettina Schilling und Pflegedirektor Thomas Weyers. Foto: Mareike Kluck

Rheinberg.   Bettina Schilling kümmert sich um ältere Menschen mit psychischen Problemen und Angehörige. Gerontopsychiatrische Beratungsstelle feiert Jubiläum

Seit zehn Jahren berät Bettina Schilling ältere Menschen mit psychischen Problemen. Die offizielle gerontopsychiatrische Beratungsstelle feiert nun ihr zehnjähriges Jubiläum. Rund 250 neue Fälle im Jahr, daneben die laufenden Beratungen. Bettina Schilling ist seit zehn Jahren in den gerontopsychiatrischen Beratungsstellen im St.-Nikolaus-Hospital Rheinberg, im St.-Josef-Hospital Xanten und im St.-Josef-Krankenhaus Moers Ansprechpartnerin für Betroffene und ihre Angehörigen da. Weit über 2500 Schicksale unterschiedlicher Art hat die Fachgesundheits- und Krankenpflegerin für psychiatrische Pflege in den vergangenen zehn Jahren kennengelernt.

Demenz, Depression oder Sucht

Gerontopsychiatrische Beratungsstelle: Für den Laien schwer zu erkennen, was genau dahinter steckt. Grob könnte man es als „Alterspsychiatrie“ bezeichnen. Menschen, die älter als 65 Jahre sind und an einer psychiatrischen Erkrankung wie etwa Demenz, Depression oder auch an einer Suchterkrankung leiden. Neben der gezielten medizinischen Behandlung der Betroffenen selbst sind auch die Angehörigen auf Unterstützung angewiesen. „Es herrscht eine große Ratlosigkeit, sowohl bei den Patienten als auch bei den Angehörigen. Da ist eine Beratung sehr wichtig“, sagt Schilling. Wo drückt der Schuh? Was kann ich tun, um die Ratsuchenden zu entlasten? „Ich schaue, an welcher Stelle abseits der Medizin ich allen Beteiligten helfen kann“, so Schilling. „Wir klären über Therapiemöglichkeiten auf, über Pflegegrade und welche Möglichkeiten da sind, die betroffenen Angehörigen mit Hilfe externer Dienste so lange wie möglich zuhause zu pflegen.“

Dass ein Zusammenleben nach einer Diagnose im gerontopsychiatrischen Bereich, sei es Demenz, eine ausgeprägte Depression oder auch eine Suchterkrankung, schwierig wird, das ist auch Schilling klar. Dennoch weiß sie aus langjähriger Erfahrung, dass eine gute Aufklärung sowohl im medizinischen Bereich als auch im sozialen Miteinander wichtig ist. „Wir bieten Selbsthilfegruppen für Angehörige an“, so Schilling. „In den Gruppen klären wir über die unterschiedlichen Formen der Demenz auf und wie Angehörige damit umgehen können. Je detaillierter die Informationen sind, desto besser können Angehörige auch auf unterschiedliche Situationen reagieren.“

Dass der Bedarf einer Beratungsstelle da ist, hat auch der Kreis Wesel längst gesehen und übernimmt seit ihrer Gründung rund 80 Prozent der Kosten. Dabei spielt natürlich auch eine Rolle, dass seit geraumer Zeit in Sachen Altenpflege ambulant vor stationär gilt. „Durch die Beratung können wir den Angehörigen Möglichkeiten aufzeigen, Menschen trotz massiver Einschränkungen zuhause zu behalten.“ Da hilft etwa eine Tages- oder Kurzzeitpflege.

Nach wie vor ein Stigma

Dass immer mehr Menschen von der Demenz betroffen sind, liegt für Schilling auf der Hand: „ Je älter ein Mensch wird, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken.“ Darüber hinaus sei es jedoch ein großes Problem, dass psychische Erkrankungen, egal welcher Art, nach wie vor ein Stigma seien.

Hilfsangebote oft unbekannt

So gäbe es auch heute noch eine hohe Dunkelziffer, was psychische Erkrankungen im Alter angeht. „Hilfsangebote sind nach wie vor nicht hinreichend genug bekannt“, sagt Ralf Nennhaus, Geschäftsführer der St.-Josef-Krankenhaus-GmbH Moers.

Und Schilling ergänzt ihn: „Wenn Sie mich heute fragen, wie viele Menschen über ihre behandelnden Ärzte zu mir in die Beratung geschickt werden, kann ich Ihnen nur sagen, dass der Anteil verschwindend gering ist.“ So hofft Schilling, dass ihre Netzwerkarbeit weiter Früchte trägt und auch die niedergelassenen Ärzte die Beratungsstelle mehr wahrnehmen und ihre Patienten darauf aufmerksam machen.

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