Karneval

So lief das wilde Möhnentreiben

Obermöhne Silke eroberteden Schlüssel von Bürgermeister Tatzel.

Foto: Jasmin Ohneszeit

Obermöhne Silke eroberteden Schlüssel von Bürgermeister Tatzel.

Rheinberg.   In Rheinberg, Alpen, Xanten und Sonsbeck stürmten die Möhnen Donnnerstag die Rathäuser und die Schlüssel aus den Händen der Bürgermeister.

Leicht machte es der römische Kaiser alias Bürgermeister Frank Tatzel den Damen gestern Abend in Rheinberg nicht: Mit aller Kraft versuchte er, den Schlüssel des Stadthauses zu verteidigen. Bereits am Nachmittag trafen sich die Möhnen im Pfarrheim St.Peter, um bei sonnigem Wetter von der Gelderstraße Richtung Stadthaus zu ziehen. Mit dabei die Herren der Rhinberkse Jonges und der Spielmannszug Büderich-Ossenberg. Bevor es zum Stadthaus ging, machte die Truppe Halt am „Punto“ und bei Vera Sonderkamp in der Einhorn-Apotheke. Der Sekt war kalt gestellt, wenig später stürmten die Möhnen auch schon die kleine Apotheke. Mit Trommeln, Pauken und Trompeten ging es von der Gelderstraße über den Großen Markt zum Stadthaus.

Rote Schärpe und Lorbeerkranz

Am Eingang wartete Frank Tatzel im weißen Gewand, roter Schärpe und einem goldenen Lorbeerkranz – und dem goldenen Stadtschlüssel in der Hand. Nachdem sich die Gruppe Zutritt zum Stadthaus verschaffen hatte, startete der kleine Machtkampf zwischen Obermöhne Silke Geerkens und ihrem Bürgermeister. „Natürlich gebe ich den Schlüssel nicht einfach so her“, sagte Tatzel. Das Foyer des Stadthauses war voll: Mehr als 100 Narren waren es in diesem Jahr, doch der römische Stadtherr wollte keineswegs einknicken. Gemeinsam wurde das erste Lied angestimmt – die Hymne der Rhinberkse Jonges. „Der Schlüssel der Stadt ist unser Ziel, dafür sind wir hier mit Stil“, konterte Obermöhne Silke. Nachdem sie mit dem Bürgermeister den Tanz im Foyer eröffnete hatte, stürmten auch die anderen Möhnen sowie die Mitglieder des Karnevalsvereins die Tanzfläche. Die ausgelassene Stimmung überzeugte den Bürgermeister aber immer noch nicht. Vielleicht die Polonaise durch das Stadthaus zu typischer Karnevalsmusik.

„Die Sache wird langsam enger“, schmunzelte Frank Tatzel. Kein Wunder, die Möhnen machten Druck und umzingelten den Bürgermeister. Ein paar Tänze später war es dann endlich so weit: Die Obermöhne hielt den Schlüssel in die Höhe, die anderen Möhnen jubelten. Mit der Niederlage konnte Frank Tatzel aber ganz gut leben. „Jetzt bin ich den Schlüssel los. Aber gegen solch eine stattliche Zahl an Möhnen hatte ich auch keine Chance.“ Silke Geerkens schlug sich für ihr erstes Jahr als Obermöhne sehr gut. Schließlich gab der Bürgermeister nach und lieferte den begehrten Schlüssel an die Möhnen aus.

Nach dem Möhnensturm war aber noch lange nicht Schluss. In der Stadthalle ging die Party mit dem Altweiberball weiter.

Das Mädchen, das in Alpen den Rathausschlüssel an sich riss, wird heute erst neun. Finja war’s, die Thomas Janßen die Schlüsselgewalt abnahm. Der zweite Mann auf der „Burg Alpen“ war dem Aufmarsch der Möhnen wehrlos ausgeliefert. Die Obermöhne am Hofe, Andrea Wessel, und ihre Nachfolgerin Melissa Bühren schlugen sich prompt auf die Seite der Weiblichkeit. Kurfürst Thomas Ahls hatte sich vorher schon aus dem Staub gemacht und sich freiwillig in die Arme der alten Weiber begeben.

Zauberformeln gegen die Möhnen

Katzenauge, Spinnenbein: Schnell werd’ ich mit euch fertig sein“: Sonsbecks Bürgermeister Heiko Schmidt hatte einige Zauberformeln parat, als er mit seiner Verwaltungsmannschaft versuchte, seine Hexenküche, das Kastell, zu verteidigen. Vergebens: Nichts konnte die große Schar der alten Weiber um die neuen Obermöhnen Lucia Baumgärtner und Gabi Maibaum aufhalten.

Begleitet vom Musikzug der Helenen und den Karnevalsvereinen – Halt Pölje, XCV und XBK – zog Obermöhne Nadine in Xanten mit ihren zahlreichen Mitstreiterinnen über den Markt Richtung Rathaus. Dort wartete bereits Bürgermeister Thomas Görtz auf die feschen Frauen. Ohne großen Widerstand überreichte er den goldenen Schlüssel.

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