Tierhaltung

Sonsbecks Käfigsysteme gehen um die Welt- In 60 Länder

Von außen ist dem Container nicht anzusehen, welch ausgeklügeltes System sich darin verbirgt.

Von außen ist dem Container nicht anzusehen, welch ausgeklügeltes System sich darin verbirgt.

Foto: Ostermann, Olaf

Sonsbeck.  Die Sonsbecker Firma Specht-Ten Elsen baut große Anlagen zur Haltung von Geflügel und exportiert ihre Produkte in mehr als 60 Länder.

Wichtigster Wirtschaftszweig von Réunion, das rund 750 Kilometer östlich von Madagaskar im Indischen Ozean liegt, ist die Landwirtschaft. Rohrzucker und Rum werden exportiert. Auch Litschis und Vanille wachsen dort. Paula Ten Elsen ist die Insel mit den traumhaften Stränden ein Begriff. Allerdings nicht, weil sie dort schon einen ausgedehnten Urlaub verbracht hat. Die Sonsbecker Firma Specht-Ten Elsen am Dassendaler Weg, deren Inhaberin sie ist, hat dorthin eines ihrer Produkte verkauft. Das Unternehmen vom Niederrhein beliefert Kunden in mehr als 60 Ländern mit Tierhaltungssystemen und ist nach eigenen Angaben globaler Marktführer für Geflügelanlagen.

Varia Plus heißt der Verkaufsschlager. Ein ausgeklügeltes System aus einer robusten Metallkonstruktion für die Bodenhaltung von Legehennen, das auch auf Réunion steht. Auf der Weltkarte im Besprechungszimmer in der Sonsbecker Zentrale ist das doch eher unbekannte Eiland als ganz kleiner Punkt zu erkennen. Die Länder, in die Specht-Ten Elsen bereits ausgeliefert hat, sind hinterleuchtet. Auch der Iran.

Kein Gedanke an Ruhestand

„Im Moment ist die Situation dort sehr schwierig, das Interesse an unserem Baukastensystem zwar weiter groß, aber wegen der Handelssanktionen kann man derzeit keine Geschäfte dort machen“, sagt Paula Ten Elsen, die mit 79 Jahren als Geschäftsführerin den Überblick behält. An den Ruhestand verschwendet sie keinen Gedanken. „Ich bin immer noch mit viel Freude dabei“, betont sie. Seit dem Tod ihres Mannes Johannes im Oktober 2015 steht Paula Ten Elsen alleine an der Spitze des Unternehmens. Alpen, Sonsbeck und Xanten- Glasfaser-Anträge enden baldDer Firmengründer war 2015 während eines Kundenbesuchs gestorben.

Ein Großauftrag mit einem der Varia-Geflügelställe aus Edelstahl, die in individuellen Größen nach Kundenwünschen gebaut werden, ging jetzt, verladen auf zehn Lkw, nach Algerien. „Das Tierwohl in der Nutztierhaltung spielt auch in den nordafrikanischen Ländern eine gewichtige Rolle“, weiß Speditionskaufmann Lukas Kemmler. In der Musterausstellung direkt hinter der Produktionsstätte können sich die internationalen Kunden einen Überblick verschaffen. Die Corona-Pandemie hat die Arbeit bei Specht-Ten Elsen verändert. Beratung und Verkaufsgespräche finden vermehrt über Bildtelefonie oder in Videokonferenzen statt.

Auch das Hotel gegenüber leitet Paula Ten Elsen

Kemmler: „Wir haben die Corona-Zeit bislang eigentlich ganz gut überstanden. Es gab nur zwei Wochen lang Kurzarbeit.“ Die Auftragsbücher seien voll. Aktuell werde für Lieferungen nach Ägypten und Südamerika produziert. Bestellt wurde die Varia Plus. „Das System macht weit über 50 Prozent des Umsatzes aus“, erzählt Kemmler. In der Musterhalle sind noch Broiler-Käfige, Aufzuchtanlagen sowie mobile Ställe ausgestellt.

Aber nicht nur an die globale Kundschaft wird gedacht. Für den Landwirt von nebenan gibt’s unweit der Fertigung einen Verkaufsshop mit Dingen für den täglichen Bedarf auf dem Hof. In dem Hotel auf der anderen Straßenseite nächtigen die Kunden, die von weit her kommen. Paula Ten Elsen ist auch dort die Geschäftsführerin.

Zwei Geburtstage 2021

Die 79-Jährige ist noch gut zu Fuß. Meist kommt sie auf eine fünfstellige Schrittzahl am Tag. Das verrät ihr die Armbanduhr. „Ein Arbeitstag dauert bis zu zwölf Stunden“, sagt die Chefin, die von einem Familienbetrieb spricht, den sie führt. Jährlich lädt Paula Ten Elsen zu einer Feier der Firmenjubilare ein. Dann kommen alle Angestellten. Wegen Corona fällt eine große Feier diesmal flach. Am 21. September gibt’s alternativ – was sonst – Grillhähnchen aus dem Imbisswagen.

Solche innerbetrieblichen Treffen sind Paula Ten Elsen, die 2021 – wie ihr Unternehmen – einen runden Geburtstag feiert, wichtig. Sie wird dann 80, Specht-Ten Elsen 60. Die Geschäftsführerin blickt positiv in die Zukunft: „Geflügelfleisch wird am meisten gekauft, weil es günstig ist. Und ich bin mir sicher, dass wir auch weiterhin den Spagat zwischen Tierwohl und Bedarf hinbekommen.“

Mehr als 100 Mitarbeiter aus 17 Nationen

Die Firma wurde 1961 von Johannes Ten Elsen gegründet. Alles begann mit dem Verkauf von Fertig-Ställen und Fertig-Häusern (bis zur Öl-Krise 1973).

Standort: Die Gewerbeflächen desUnternehmens in Sonsbeck umfassen vier Hektar. Der Jahresumsatz 2018 lag bei 29 Millionen Euro. Angestellt sind 102 Mitarbeiter aus 17 Nationen.

Kerngeschäft ist die Entwicklung und Herstellung von Käfigsystemen für Aufzucht, Legehennen, Elterntiere und Broiler.
Verkauft werden können Anlagen mit einer Länge von über 150 Metern und einer Höhe bis zu zehn Etagen.

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