Unterhaltung

Talk in Rheinberg: Das Internet macht Kleinkünstlern Sorgen

Alpsray - Kulturtalk mit Kulturmachern und interessierten Besuchern hier mit Musikeinlage

Alpsray - Kulturtalk mit Kulturmachern und interessierten Besuchern hier mit Musikeinlage

Foto: Fischer, Armin (arfi)

Vierbaum.  Eine der Grundaussagen des ersten Kulturtalks im „to hoop“: „Kleinkunst ist große Kunst und braucht Luft zum Atmen – und Unterstützung“

Die Idee sei spontan entstanden, als er vor einem halben Jahr vor Ort gewesen sei, erläuterte der Krefelder Kabarettist und Moderator Volker Diefes vor dem Start des ersten Kulturtalks im „to hoop“. „Kleinkunst ist große Kunst und braucht Luft zum Atmen – und Unterstützung“, formulierte er eine der Grundaussagen des Abends.

Als Gäste konnte Diefes den „Obel“ alias Andreas Obering und den Leiter des Oberhausener Ebertbades, Hans-Joachim Sommer, auf dem kleinen Podium begrüßen. Obering plauderte aus vierzig Jahren Bühnenerfahrung, seinem Start als Schlagzeuger mit 15 Jahren, die Begegnung mit Rex Gildo zwei Wochen vor dessen Tod – und dem erkennbaren „Werteverfall“ in Sachen Kleinkunst.

Den Trend umkehren

In den 90er Jahren habe es noch keine Comedy gegeben, erzählte er. Dann, im Jahr 2000, „war jeder Praktikant, der sich berufen fühlte, auf der Bühne“. Und heute lade jeder einfach Videos oder Musik von Künstlern runter, so Obering, der Algorithmen-Musik auf Spotify als „gruselig“ bezeichnete.

Ähnlich argumentierte Sommer: „Jeder doofe Comedian teilt sein Programm bei Youtube. Wer soll da denn noch für 20, 30 Euro die kleinen Bühnen besuchen?“, fragte er rhetorisch. Sommer gab sich aber zuversichtlich, dass sich dieser Trend wieder umkehren wird. „Wenn Du bei der 27. Kreuzfahrt mit 6000 Idioten warst, sehnst Du Dich nach einem Segelboot mit vier Leuten“, erklärte er keck. Auch den Mangel an politischem Kabarett beklagte Sommer. Und er sprach die Unsitte an, Handys bei Konzerten oder Auftritten zu benutzen.

Als Künstler vom Verkauf der Musik leben

„Wir haben bei uns konsequentes Handyverbot“, fügte Pianist Christian Christl als Leiter des Münchener Klavierfestivals in die Diskussion ein. Auch beim Kulturtalk im „to hoop“ lockerte er zusammen mit Christian Noll an der Harfe immer wieder mit kurzen Darbietungen das Programm auf. Und er erzählte: „Leute, denen ich schreibe, sie sollten Videos von meinen Konzerten im Netz löschen, verstehen nicht, dass ich als Künstler vom Verkauf meiner Musik leben muss.“

Im zweiten Teil der Talkrunde unterstrichen die Rheinberger Politiker Karin Winkel (SPD), Ralf Vogel (FDP) und Klaus Wittmann (CDU) die Bedeutung der Kultur für Rheinberg als „Schlüssel, andere Menschen und Kulturen zu verstehen“, wie es Winkels formulierte.

Ein Stiefkind

Sie zollten Sami Durak, dem Betreiber des „to hoop“, Respekt für sein Engagement. Vogel kritisierte, dass es jetzt erst ein Kulturnetzwerk in Rheinberg gebe. Das Zuff-Angebot sei „steigerungsfähig“, es gebe „nicht viel“ für die Altersgruppe der 18- bis 35-Jährigen in Rheinberg. Wittmann widersprach diesem Eindruck. Er zählte die Angebote des Zuff über die der Stadthalle bis hin zum MAP-Festival auf. „Kleinkunst ist ein Stiefkind“, gab er zu. „Aber kulturell sind wir gut aufgestellt.“ Und auch Winkels unterstrich, dass „Rheinberg als kleine mittlere Stadt überproportional viel zu bieten“ habe. Das neue „to hoop“ sei „ein Highlight in Sachen Kultur“.

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