Forschung und Wirtschaft

Teleskope für die Weltraumforschung stammen aus Xanten

Die 3D-Animation zeigt ein Radioteleskop am Aufstellort in den chilenischen Anden.

Die 3D-Animation zeigt ein Radioteleskop am Aufstellort in den chilenischen Anden.

Foto: Wessel

Millionen-Auftrag für Wessel: Die Firma aus Xanten produziert zwei Radioteleskope, mit denen der Ursprung des Universums erforscht werden soll.

Xanten. Das mittelständische Unternehmen Wessel hat sich gegen eine internationale Konkurrenz durchgesetzt und einen mehrere Millionen schweren Auftrag bekommen. Die Xantener werden in den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren für Vertex Antennentechnik aus Duisburg zwei Radioteleskope herstellen, die anschließend in Chile aufgebaut werden, um Informationen über den Ursprung des Universums zu sammeln. Vertreter beider Unternehmen trafen sich am Mittwoch auf dem Firmengelände von Wessel in Birten, um symbolisch den ersten Spatenstich für den Produktionsbeginn zu setzen.

Die beiden Radioteleskope mit den Namen Cerro Chajnantor Atacama Telescope (CCAT-prime) und Simons Observatory Large Aperture Telescope (Solat) sind innerhalb von gut zwei Jahren von Vertex Antennentechnik entwickelt worden. Sie sind jeweils 16 Meter hoch, 23 Meter lang und acht Meter tief und wiegen 230 Tonnen. Die Radioteleskope sollen komplett in Xanten hergestellt, zusammengebaut und auf Herz und Nieren geprüft werden. Dabei sind unter anderem wissenschaftliche Tests von Astronomen geplant.

In Betrieb nehmen

Anschließend werden die Radioteleskope wieder in Teile zerlegt und nach Chile transportiert, um dort an zwei unterschiedlichen Standorten in der Atacama-Wüste in einer Höhe von 5200 und 5600 Metern aufgebaut und in Betrieb genommen zu werden.

In der Vergangenheit seien oft Unternehmen im Ausland mit der Produktion von Komponenten und Bauteilen beauftragt worden, teilten die Duisburger mit. Aber Vertex wolle die Kompetenzen von Firmen am Niederrhein nutzen und die Region stärken. Außerdem sei es ein Vorteil, mit Partnern in der Nachbarschaft zusammenzuarbeiten. Absprachen seien dadurch leichter, erklärte Lars Springer, Teamleiter Einkauf bei Vertex Antennentechnik. Für diesen Auftrag seien internationale Unternehmen angefragt worden. Wessel habe das überzeugendste Angebot vorgelegt. „Wir brauchen einen Präzisionsstahlbau, Wessel ist prädestiniert dafür.“ Für die Xantener hätten mehrere Punkte gesprochen: die fachliche Kompetenz, die jahrelange Erfahrung im Bau von großen Stahlbaukomponenten, die Möglichkeit des kompletten Zusammenbaus auf dem Betriebsgelände und die Anbindung an den Schwerlasthafen in Wesel – darüber sollen die Radioteleskope verschifft werden.

Weltweit führender Entwickler

„Made in Germany kann auch preisbewusst sein“, sagte Jörg Tlauka, Leiter Vertrieb Maschinen- und Anlagentechnik bei Wessel. „Für uns ist es eine Auszeichnung, dass wir einen solchen Kunden gewinnen konnten.“ Beide Unternehmen sprechen nach eigenen Angaben auch über Folgeaufträge. Das erklärte Ziel sei eine nachhaltige Zusammenarbeit, um auch langfristig Arbeitsplätze am Niederrhein zu sichern, schrieben sie in einer Mitteilung. Perspektivisch sei auch eine Erweiterung des Standortes in Xanten geplant, sagte Tlauka. Das Xantener Unternehmen beschäftigt rund 250 Mitarbeiter. Der Betrieb ist von Manfred Wessel vor mehr als 40 Jahren gegründet worden.

Vertex Antennentechnik ist nach eigenen Angaben einer der weltweit führenden Entwickler und Hersteller von großen Reflektorantennen und Radioteleskopen. Das Unternehmen hat zum Beispiel schon 35 Meter Deep Space Antennen für Missionen der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) und 25 Antennen für das Radioteleskop-Feld Alma in Chile entwickelt und geliefert. Vertex Antennentechnik ist aus der Antennenbau-Abteilung von Krupp hervorgegangen und sitzt in Alt-Homberg in Duisburg.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben