Hochzeit

Trauung für schwules Paar vom Dombauverein Xanten abgelehnt

Ist beliebt für Trauungen: der Rokokosaal im Haus Thomas in Xanten.

Ist beliebt für Trauungen: der Rokokosaal im Haus Thomas in Xanten.

Foto: Wer

Xanten.  Zwei Männer aus Xanten wollten standesamtlich im Saal im Haus Thomas heiraten. Doch der Dombauverein als Vermieter lehnte ab.

Nick Heuser und sein Partner hatten sich einen festlichen Ort für ihre standesamtliche Eheschließung ausgesucht. Das Haus Thomas ist ein altes Kanonikerhaus und liegt im Schatten des Xantener Doms. „Wir haben uns dafür entschieden, da wir unsere Trauung nicht kirchlich vollziehen können, sie aber dennoch festlich in einer tollen Location veranstalten wollen“, sagte Heuser unserer Redaktion. Sie hätten am 20. September dort heiraten wollen und vom Vermieter, dem Dombauverein, auch schon eine mündliche Zusage gehabt.

Am Dienstag war er deshalb ins Büro des Dombauvereins in Xanten gegangen, um den Termin schriftlich zu vereinbaren. Es sei dabei unter anderem auch um die Namen der Brautleute gegangen, woraufhin er nach der Braut gefragt worden ist, berichtete Heuser am Mittwoch. Als die Mitarbeiterin des Dombauvereins dann verstanden habe, dass es keine Braut gibt, sondern einen Bräutigam „und wir ein gleichgeschlechtliches Paar sind, erhielt ich eine Absage“, so Heuser. Er spricht von Diskriminierung.

Der Dombauverein bestätigt auf Anfrage, dass er die Räume im Haus Thomas für eine Trauung bisher nicht an gleichgeschlechtliche Paare vermietet hat. „Wir sind ein konservativer Verein, wir müssen nicht jedem Zeitgeist hinterherrennen“, sagte der Vorsitzende Hans-Wilhelm Barking am Vormittag. Er stelle sich aber der Diskussion, der Verein sei weltoffen.

Xantener Dombauverein stellt sich der Diskussion

Es gebe auch kein Verbot, ergänzte Adrian Thyssen, der zweite Vorsitzende des Vereins. „Wir bedauern, dass der Eindruck entstanden ist, dass ein gleichgeschlechtliches Paar hier nicht heiraten darf.“ Sie hätten kurzfristig im Vorstand über den Fall gesprochen und würden das homosexuelle Paar noch kontaktieren. Wenn die beiden Männer das noch wollten, sei die Eheschließung im Haus Thomas möglich. „Auch gleichgeschlechtliche Paare können bei uns heiraten“, sagte Barking am Nachmittag nach der Besprechung im Vorstand.

Allerdings werden sich Heuser und sein Partner nun einen anderen Raum für ihre Trauung suchen. Im Haus Thomas wollten sie nicht mehr heiraten, sagte der Xantener. „Es hätte einen sehr bitteren Beigeschmack.“ Sie stünden bereits in Kontakt mit dem Betreiber eines Hotels, wo die standesamtliche Hochzeit ebenfalls möglich sei. „Dort freut man sich auf uns so, wie wir sind.“ Getraut werden sie übrigens von Bürgermeister Thomas Görtz, wie er bestätigte.

Xantener Standesamt traut an fünf Orte

Seit dem 1. Oktober 2019 haben gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland das Recht auf Eheschließung. Das Haus Thomas ist einer von fünf Orten, an denen das Xantener Standesamt die Eheschließung anbietet.

Heuser hatte den Fall zunächst in einer örtlichen Facebook-Gruppe geschildert. Seitdem wird dort über die Absage an die beiden Männer diskutiert, einige kritisieren die katholische Kirchengemeinde St. Viktor. Jedoch ist sie gar nicht zuständig. Kaplan und Pfarrverwalter Christoph Potowski stellte klar: „Es entspricht nicht dem Menschenbild der Kirchengemeinde, dass Menschen weggeschickt werden.“ Es sollten alle Menschen so angenommen werden, wie sie seien. „Komm, wie Du bist – das ist unser Anspruch.“ (wer)

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