Gericht

Urteil im Cannabis-Prozess soll heute fallen

Unter dem Dach wurden die Pflanzen dann getrocknet. 

Unter dem Dach wurden die Pflanzen dann getrocknet. 

Foto: Foto: Polizei

Rheinberg.   In der Verhandlung gegen die Männer, die in Birten eine Marihuana-Plantage aufgezogen haben sollen, sagte ein IT-Spezialist des LKA aus.

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Computerfans und IT-Spezialisten hätten gestern Morgen im Moerser Amtsgericht ihre wahre Freude gehabt. Denn im Prozess gegen die drei Männer, die in einem Bauernhaus in Birten zwischen 2011 und 2017 eine Cannabis-Plantage aufgezogen haben und dort rund 210 Kilogramm Marihuana geerntet haben sollen, ging es eine knappe Stunde um Bilddateien im Allgemeinen, um Betriebssysteme, Metadaten und Zeitstempel, das Erzeugen, Kopieren, Verschieben und Speichern von Dateien, um Motherboards, um Realzeit und Systemzeit im Speziellen.

Als Zeuge war ein Beamter des Landeskriminalamtes (LKA) geladen, der die beim Hauptangeklagten aus Rheinberg aufgefundenen Fotos ausgewertet hatte – und nun erklären sollte, warum er im Gutachten seine Ergebnisse durchweg im Konjunktiv formuliert hatte. Schon zu Beginn seiner Befragung stellte der Kriminalhauptkommissar klar, dass die jeweiligen Zeitstempel auf den Fotodateien von vielen Parametern abhängig und durchaus veränderbar seien. „Das Zeitattribut ist nicht tragfähig für irgendeine Beweisführung“, betonte der Beamte.

Theoretisch könne man auch das Jahr 2100 einstellen. Man können zwar versuchen, einen „sinnvollen Kontext“ herzustellen, doch einen Beweiswert habe die Auswertung nicht. Eine Datei sei beispielsweise am 1. April 2016 um 22.10 Uhr erstellt worden. Kopiert man die Datei nun, würde sich das Erzeugerdatum nun zum Datum des Kopierens ändern.

Viele der mit Hilfe einer forensischen Software untersuchten Fotos seien am 17. Februar 2013 um 13.31 Uhr erstellt und gespeichert worden, danach seien die Bilddateien aber mehrfach kopiert worden. Auch an den Metadaten würden sich keine verwertbaren Resultate ableiten lassen.

„Die Exaktheit des Datums ist nicht zu verifizieren“, sagte der IT-Spezialist des LKA. „Eigentlich ist alles möglich in der Computertechnik. Es ist extrem schwierig zu sagen, was das System da gemacht hat.“ Auch der Beamte der Kreispolizei Wesel könnte die Zeitstempel beim Öffnen der Dateien ungewollt verändert haben. Letztendlich musste der LKA-Beamte eingestehen: „Die Zeitstempel haben wenig Aussagekraft, weil es viele Unwägbarkeiten gibt und nur schwer ein logischer Kontext zu erstellen ist.“

Eingangs der Verhandlung hatte der Anwalt des 46-jährigen Rheinbergers, der das Haus angemietet und umgebaut hatte, eine Einlassung verlesen. Wegen der langjährigen Umbaumaßnahmen und ständigen Auflagen der Behörden sei er in einen „finanziellen Strudel“ geraten und wäre deshalb auf die „Idee mit der Plantage“ gekommen. Für die Ernte habe er aber keine Abnehmer gefunden. Von seiner Stiefschwester sei er in dieser Zeit monatlich mit 500 Euro unterstützt worden. Nach den Plädoyers der Rechtsanwälte will Richter Johannes Huismann heute auch das Urteil sprechen.

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