Klimaschutz

Vogelkundler Bruno Gasthaus: Ein Leben für den Naturschutz

Bruno Gasthaus, Vorsitzender der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Sonsbeck, engagiert sich seit rund 50 Jahren im Naturschutz. Bereits mit Anfang 20 betrieb der heute 70-Jährige Vogelkunde.

Bruno Gasthaus, Vorsitzender der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Sonsbeck, engagiert sich seit rund 50 Jahren im Naturschutz. Bereits mit Anfang 20 betrieb der heute 70-Jährige Vogelkunde.

Foto: Dennis Freikamp

Sonsbeck.  Bruno Gasthaus ist seit 1980 Vorsitzender der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Sonsbeck. Nun sucht der 70-jährige Rentner einen Nachfolger.

Bruno Gasthaus hat sein Leben dem Naturschutz verschrieben. Seit nun mehr 40 Jahren ist er Vorsitzender der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Sonsbeck (OAS). Ein Amt, das Gasthaus stets mit Stolz und Leidenschaft ausgefüllt hat. Schließlich hatte er selbst den Verein 1980 zusammen mit sechs Freunden gegründet. Mittlerweile macht sich aber immer häufiger das Alter bemerkbar.

„Wenn ich tagsüber mit der Kettensäge arbeite, kann ich mir abends kein Brot mehr schmieren“, sagt der 70-Jährige. Ein Nachfolger muss her – daraus macht der Vogelkundler keinen Hehl. „Das habe ich bereits vor neun Jahren gesagt“, so Gasthaus. Bislang habe er sich aber ein ums andere Mal überreden lassen. Doch damit soll nun endgültig Schluss sein. Gasthaus will den Vorsitz abgeben.

OAS-Vorsitzender Gasthaus hilft als Junge im Familiengarten aus

Aber zurück zum Anfang: Schon als Kind entdeckte der Vogelkundler seine Leidenschaft für die Natur. „Mein Vater hat als Stadtgärtner gearbeitet“, so Gasthaus. Als ältester Sohn unterstützte der Schüler seine Familie so gut er konnte. „Wir hatten einen kleinen Nutzgarten“, erzählt Gasthaus. „Und so wie ich älter wurde, wurde auch unsere Parzelle immer größer.“ Gasthaus verbrachte viel Zeit im eigenen Garten. „Diese Erfahrung habe ich bis zum heutigen Tage in den Verein mit reingenommen.

Mit Anfang 20 engagierte sich der Kamp-Lintforter beim Deutschen Bund für Vogelschutz (DBV, heute Nabu), beobachtete Vögel, machte Fotos und sammelte Daten. Auch Naturwanderungen, bei denen Gasthaus seinen Teilnehmern die Tier- und Pflanzenwelt näher bringt, standen früh auf seinem Programm. „Ich bin kein Theoretiker, sondern Praktiker“, sagt der zweifache Familienvater.

Umzug Ende der 70er: Sonsbeck wird seine neue Heimat

Dann erwarb Gasthaus Ende der 70er Jahre ein Grundstück in Sonsbeck – dem Geburtsort seines Vaters. „Ich habe zu meiner Frau gesagt: Das hier wird meine Heimat, da will ich auch was für den Umweltschutz tun.“ Der gelernte Stuckateur informierte sich über den Zustand der Nistkästen. „Ach Gott, die haben wir ja ganz vergessen“, sei die Antwort des Försters gewesen. Gasthaus machte sich sofort an die Arbeit, zählte im Winkelschen Busch und am Tüschenwald die Nistkästen und kümmerte sich um die Reinigung.

Auch eine DBV-Ortsgruppe wollte Gasthaus in Sonsbeck gründen. Der DBV habe ihm aber wenig Interesse signalisiert. Über einen Freund sei er auf die Idee gekommen, einen eigenen Verein ins Leben zu rufen. „Er hat mir gesagt: ‘Du musst nur sieben Mitglieder haben, eine Satzung schreiben und zusehen, dass du gemeinnützig wirst’.“ Gesagt, getan: Am 13. Januar 1980 gründete er die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Sonsbeck.

Gasthaus investiert seine ganze freie Zeit in den Verein

Von da an hatte Gasthaus kaum noch eine freie Minute. „Ich hätte nicht gedacht, wie viel Arbeit das macht“, räumt der 70-Jährige ein. Der Vorsitzende und seine Mitglieder kümmern sich bis heute um die Landschafts- und Biotoppflege, übernahmen 1987 im Rahmen der Flurbereinigung ein kleines Waldstück, bepflanzten 1993 eine knapp ein Hektar große Hangwiese mit Streuobst, betreuen seit 2002 den „Lehrgarten für Groß und Klein“ an der Grundschule Sonsbeck, errichteten Erdkrötenschutzzäune und Nistkästen und fördern Kinder- und Jugendgruppen.

Irgendwann habe es nur noch die Arbeit und die OAS gegeben, sagt Gasthaus. Immer wieder hätten Freunde ungläubig gefragt, wie er Vereins- und Berufsleben und die eigene Familie unter einen Hut bekommt. „Meine Frau und die Kinder sind auch bei der OAS“, sagt Gasthaus. „Das ist das große Plus.“ Wenn man als Familienvater immer alleine unterwegs ist, gebe es schnell Ärger. „Aber meine Kinder waren überall mit dabei.“

In zwei Jahren ist Schluss: Suche nach einem Nachfolger

Gasthaus stamme aus einer Zeit, in der er und seine Freunde die Tasche direkt nach der Schule in die Ecke geschmissen haben und bis abends draußen bolzen waren. „Heutzutage kommen die Kinder nach Hause und sind sofort an ihrem Handy“, bedauert Gasthaus. Dass sich die jüngere Generation wieder mehr für Klimaschutz interessiert, findet der Vogelkundler gut. Noch besser wäre es aber, wenn die Schüler aktiv in den Vereinen mit anpacken würden.

Seit acht Jahren ist Gasthaus nun schon Rentner. Wirklich zur Ruhe setzen konnte sich der 70-Jährige aber nicht. „Ich habe noch genau zwei Jahre und dann lasse ich mich nicht mehr wiederwählen.“ Er wolle schnell einen Nachfolger finden, damit die OAS nicht eines Tages mit leeren Händen da steht. „Solange ich noch da bin, kann ich den Neuen unterstützen“, sagt Gasthaus. Schließlich sei der Verein quasi sein drittes Kind. Und das will der Vogelkundler vor seinem Rücktritt in guten Händen wissen.

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