Coronakrise

Volle Baumärkte in Xanten, leere Spielplätze in Rheinberg

Eileen Peters und Celina Szupancsics - normalerweise im Jugendzentrum Zuff bzw. Puzzle beschäftigt - kontrollieren in Rheinberg die Spielplätze.

Eileen Peters und Celina Szupancsics - normalerweise im Jugendzentrum Zuff bzw. Puzzle beschäftigt - kontrollieren in Rheinberg die Spielplätze.

Foto: Fischer, Armin ( arfi ) / Fischer, Armin (arfi )

Rheinberg.  Die Folgen der Coronavirus-Krise sind in den Städten und Gemeinden spürbar. Größere Menschenmengen gibt es nur in den Baumärkten.

Ein Schwanenpaar dreht unter der einladenden Frühlingssonne seine Kreise im Hegerbecken, eine einsame Rentnerin füttert die Enten. Der Rheinberger Stadtpark ist ebenso verlassen wie die einen Steinwurf entfernt endende Gelderstraße. Keine Frage, die Folgen der Coronavirus-Pandemie haben das öffentliche Leben stillgelegt. Größere Menschenmengen gibt es nicht, weder auf Spiel- oder Bolzplätzen noch in der Stadt.

„Jeder hält sich an die Regeln“

Das bestätigt auch Mike Angelone vom Ordnungsamt der Stadt, der seit mehreren Stunden die Lage in der Innenstadt und den Randbezirken kontrolliert: „Die Rheinberger verhalten sich absolut vorbildlich, jeder hält sich an die Regeln.“

Die sehen als Ausnahme vor, dass Frisörsalons geöffnet bleiben dürfen. Dennoch sind im Salon „Cutter“ an der Orsoyer Straße alle Plätze leer. Die beiden Friseurinnen sind fast schon froh darüber, denn sie haben Angst. „Wir kommen mit den Menschen in Berührung, das lässt sich nicht vermeiden. Aber wir haben auch Familien, Kinder, Großeltern“, sagt eine Mitarbeiterin.

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Die Hochstraße in Sonsbeck mit ihren vielen Geschäften ist normalerweise ein Nadelöhr, durch das der Durchgangsverkehr nur zäh fließt. In diesen Tagen ist das anders: Die meisten Geschäfte haben geschlossen, freie Parkplätze – sonst eher Mangelware – gibt es zuhauf. Die Menschen erledigen ihre Einkäufe und fahren zu ihren Familien nach Hause. Nur raus aus der Stadt.

Die Bewohner und Bewohnerinnen des Gerebernus-Seniorenheims trifft es doppelt. Sie gehören zur Risikogruppe und müssen auf den Kontakt mit Angehörigen verzichten. „Bis jetzt kommen sie mit dieser Situation sehr gut zurecht. Mit vielen zusätzlichen Kleingruppenangeboten sorgen wir dafür, dass keine Gefühle der Vereinsamung oder gar Depressionen entstehen“, erklärt Pflegerin Michaela Verpoort.

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Drei Pärchen sitzen in Xanten in gebührendem Abstand auf den Bänken des Gradierwerks und genießen das Klima. Zwei ältere Damen fahren mit ihrem Rollator durch den Parkbereich am Ostwall, ansonsten wirkt der Grüngürtel verlassen. Fast schon gespenstisch ruhig präsentiert sich die Einkaufsmeile Marsstraße. Vereinzelte Menschen mit Schutzmasken machen den Ernst der Lage angesichts des Coronavirus deutlich.

Ungewohnte Bilder auch einige Meter weiter auf dem Wochenmarkt. Die Menschen stehen im Sicherheitsabstand von jeweils zwei Metern vor einem Gemüsestand und treten nur einzeln vor, sobald sie an der Reihe sind. Alles wirkt sehr geordnet und sehr ruhig. Nur hin und wieder ein Schwätzchen.

„Die Leute sind durchweg vernünftig“, sagt Theo Cleve. Der Standbesitzer wundert sich nicht über den gleichbleibend guten Umsatz: „Frische Luft und frische Salate, gesünder kann man doch gar nicht einkaufen.“ Mit dem Umsatz scheint er ganz zufrieden zu sein. Ein Eindruck, der in diesen Tagen selten ist.

In Xanten sind die Baumärkte nach wie vor voll

Es scheint noch andere zu geben, die nicht auf Umsatz verzichten müssen: Während die Innenstädte wie ausgestorben wirken, bietet sich in den Baumärkten ein völlig anderes Bild: Überfüllte Parkplätze vor den Märkten und volle Einkaufswagen. Ein Xantener Bürger, der namentlich nicht genannt werden möchte, liefert einen Erklärungsansatz: „Wenn ich demnächst zu Hause schon bleiben muss, möchte ich wenigstens was zu tun haben.“

Im Gegensatz zu den anderen Orten wirkt Alpens Kern nach wie vor belebt. Grund dafür ist, dass Aldi, Netto und Edeka hier mitten im Ortskern angesiedelt sind. Durch eine Beschränkung der Zahl gleichzeitig einkaufender Menschen wird die Gefahr der Ansteckung dennoch minimiert. Die Discounter achten auf Abstand. Es soll nicht zu voll werden zwischen den Regalen und vor allem vor den Kassen.

Kirchengemeinden wollen den Menschen helfen

Einen besonderen Service bietet die St.-Ulrich-Kirchengemeinde: Sie hat an diesem Samstag alle sechs angeschlossenen Gotteshäuser geöffnet. „Da die Gottesdienste ausfallen, möchten wir den Menschen auf diese Weise die Gelegenheit bieten, Trost in ihrem Glauben zu finden“ sagt Diakon Ludger Funke, der in seiner Funktion als Leiter des Ordnungsamtes der Gemeinde Alpen die Bevölkerung lobt: „Das Verständnis ist da, alle verhalten sich toll. Aber wir spüren natürlich auch die Sorgen der Geschäftsleute.“

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