Arbeit

Vom Helfer zur Fachkraft in Xanten

Dachdeckergeselle Michal Gradzki und seine Chefin Coletta Giltz packen auf einer Baustelle in Xanten-Marienbaum an. 

Dachdeckergeselle Michal Gradzki und seine Chefin Coletta Giltz packen auf einer Baustelle in Xanten-Marienbaum an. 

Foto: Jasmin Ohneszeit

Xanten-Marienbaum.  Michal Gradzki machte eine betriebliche Einzelumschulung zum Dachdecker bei der Xantener Firma Giltz Bedachungen – eine Win-Win-Situation.

Der Übergang von der Schule ins Berufsleben ist nicht immer leicht – erst recht nicht, wenn die Ausbildung etwas holprig anläuft. So war es auch 2011 beim damals angehenden Dachdecker Michal Gradzki. Das Arbeitsklima in seinem ersten Ausbildungsbetrieb habe nicht gestimmt, erzählt er heute. Gradzki wagte also den Schritt und brach die Ausbildung ab. Dass er aber bei diesem Handwerk bleiben wollte, stand für den jungen Mann sofort fest. Nach einem Jahr ohne Beschäftigung fing er an, als Helfer bei Giltz Bedachungen in Xanten zu arbeiten. Vier Jahre lang übte er leichte Tätigkeiten aus, reichte Material an und arbeite nach Anweisung. Die Dachdeckermeister Coletta und Thomas Giltz gaben Gradzki 2017 dann die Chance, im Rahmen einer betrieblichen Einzelumschulung die Ausbildung zum Dachdecker nachzuholen.

Das Wissen erweitern

Eine Chance, die der junge Mann nutzen wollte. „Helfer zu sein war damals eine Entscheidung aus der Not heraus. Mir war klar, dass ich nicht immer Helfer bleiben wollte, sondern auch selbstständig arbeiten möchte“, sagt er. Die sogenannte betriebliche Einzelumschulung richtet sich an Menschen, ohne abgeschlossene Berufsausbildung, die aber dennoch interessiert sind, einen Abschluss zu erlangen. „Solch ein Abschluss mindert das Risiko, arbeitslos zu werden, denn jeder Fünfte ohne Berufsabschluss ist arbeitslos“, erklärt Sabine Hanzen-Paprotta, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Wesel. Die zweijährige Einzelumschulung ist ein Jahr kürzer als eine reguläre Ausbildung. Sie wird aber genauso bei der Handwerkskammer eingetragen und hat einen schulischen Pflichtteil. „Das ist eine sehr gute Maßnahme, weil Vorerfahrungen im Bau schon da sind und Fachwissen durch die Schule und die Praxis erweitert werden“, sagt Inhaberin Coletta Giltz.

Weiter ausbilden

Für den 25-jährigen Xantener hat die Umschulung einen weiteren Vorteil, er bekam weiterhin den Helferlohn gezahlt. „Man hatte da ja auch schon ein gewisses Geld und das war attraktiver als das Ausbildungsgehalt“, erklärt Gradzki. Und auch die Firmen, die die Umschulung bei sich anbieten profitieren. „Die Unternehmen haben Fachkräftebedarf. Der Markt ist im Handwerkerbereich so gut wie leergefegt“, sagt Wolfgang Beckmann-Lipp vom Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Wesel.

„Da ist man froh, wenn man so eine qualifizierte Fachkraft ausbilden kann.“ Im Kreis Wesel haben 17,1 Prozent der Beschäftigten – dass sind 3021 Personen – einen Job, allerdings ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Gradzki mag die Vielseitigkeit des Dachdeckerberufs. „Wir decken Dächer, bauen Fenster ein und sind immer an der frischen Luft.“ Aktuell deckt die Firma ein Dach eines Einfamilienhauses in Marienbaum.

Die Handgriffe bei Gradzki sitzen. Er weiß, welche Dachschindeln wie gesetzt werden müssen, er arbeitet eigenständig. Das überrascht nicht, denn vor wenigen Wochen hat der 25-Jährige seine Abschlussprüfung zum Dachdeckergesellen bestanden – mit der Note 1,1. „Natürlich haben wir Michal dann sofort weiterbeschäftigt“, sagt Coletta Giltz lachend.

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