Wahlanalyse

Wahl in Rheinberg: Die Grünen sind die großen Gewinner

Erfolgreiches Team: Im Februar wählten die Grünen Dietmar Heyde (mit Blumen) zu ihrem Bürgermeisterkandidaten. Hier mit  (v.l.): Peter Mokros, Ulla Hausmann-Radau, Niels Awater und Dagmar Krause-Bartsch.

Erfolgreiches Team: Im Februar wählten die Grünen Dietmar Heyde (mit Blumen) zu ihrem Bürgermeisterkandidaten. Hier mit (v.l.): Peter Mokros, Ulla Hausmann-Radau, Niels Awater und Dagmar Krause-Bartsch.

Foto: Jasmin Ohneszeit

Rheinberg.  Erstmals ist es den Rheinberger Grünen gelungen, Wahlbezirke direkt zu gewinnen. Die CDU und SPD verlieren viele Stimmen – eine Wahlanalyse.

Um kurz nach Mitternacht war gestern auch der letzte Wahlbezirk in Rheinberg ausgezählt und das Ratswahlergebnis amtlich. Dann stand fest: Die Grünen sind die großen Gewinner der diesjährigen Kommunalwahl in Rheinberg. Mit 26,67 Prozent und damit rund zehn Prozentpunkten mehr als bei der Kommunalwahl vor sechs Jahren, ziehen die Grünen hinter der CDU (33,46 Prozent) als zweitstärkste Partei in den Rheinberger Rat ein. „Das ist fantastisch. Damit konnten wir nicht rechnen, weil es schließlich sechs konkurrierende Parteien gab“, erklärt Dagmar Krause-Bartsch, Ortsverbandssprecherin der Rheinberger Grünen.

Die CDU bleibt zwar mit 33,46 Prozent stärkste Kraft im Rheinberger Stadtrat, musste aber auch neun Prozentpunkte im Vergleich zur letzten Kommunalwahl einbüßen. „Wir freuen uns, die stärkste Fraktion im Rat zu bleiben, bedauern aber auch, dass wir vier Wahlbezirke an die Grünen verloren haben“, erklärt Sarah Stantscheff, Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Rheinberg. „Der landesweite Trend der Grünen hat auch in Rheinberg nicht Halt gemacht“, stellt sie fest.

Für die Grünen war es der erste Einzug in den Rat über ein Direktmandat

Bei der letzten Wahl holten die Christdemokraten 19 der 20 Wahlbezirke direkt. Dieses Mal errangen sie hingegen nur 16 Direktmandate. „Wir haben uns natürlich die Gegenkandidaten der Grünen angeschaut und schon festgestellt, dass es nicht einfach wird. Dietmar Heyde ist zum Beispiel fest mit Millingen verbunden, Ralf Winstroth von der Pulverturm-Initiative bekannt und Ernst Barten hat jahrelang den Schwarzen Adler in Vierbaum geführt.“ Für die Grünen war es das erste Mal überhaupt, dass sie den Einzug in den Rat über ein Direktmandat erzielten – und das gleich vier Mal. „Das ist eine neue Erfahrung für uns. Ich freue mich für unsere Kandidaten, die es direkt geschafft haben. Sie waren nah am Bürger, haben deren Probleme zum Thema gemacht. Das wurde geschätzt und hat sich nun bezahlt gemacht“, so Krause-Bartsch.

Dietmar Heyde gewann den Wahlbezirk 6 Millingen (Wahllokal Grundschule am Bienenhaus) direkt, Peter Mokros den Wahlbezirk 11 Reichelsiedlung (Wahllokal Begegnungsstätte), Ralf Winstroth den Wahlbezirk 13 Innenstadt (Wahllokal Alte Kellnerei) und Ernst Barten den Wahlbezirk 17 Vierbaum (Wahllokal Kindergarten Vierbaum) direkt.

Die FDP konnte ihr Ergebnis fast verdoppeln

Zu den Verlierern zählt die SPD. Die Sozialdemokraten holten insgesamt 18,2 Prozent (2014: 31,48 Prozent) und sind nun die drittstärkste Kraft im Rat. Die Partei konnte keinen Wahlbezirk mehr direkt für sich gewinnen. Die FDP konnte ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Wahl fast verdoppeln. Die Liberalen erreichten in Rheinberg 8,91 Prozent. Die Linke büßte gut zwei Prozentpunkte ein und liegt nun bei 2,57 Prozent und damit noch hinter Die PARTEI, die erstmals zur Stadtratswahl antrat und 4,3 Prozent der Stimmen holte und damit zukünftig auch im Rat vertreten sein wird.

Die AfD stellte sich ebenfalls in Rheinberg erstmals zur Wahl und zieht mit 5,88 Prozent in den Rat ein. In der Reichelsiedlung (Wahlbezirk 11) holte die AfD mit 10,5 Prozent – 53 Stimmen absoluten Stimmen – ihr bestes Ergebnis und den einzigen zweistelligen Wert in Rheinberg. Allerdings lag in der Reichelsiedlung die Wahlbeteiligung nur bei 36,78 Prozent – der niedrigste Wert im gesamten Stadtgebiet. Die geringe Wahlbeteiligung ist ein Grund für den hohen Prozentsatz der Rechtspartei.

Die AfD als „Unbekannte Größe“

Dennoch sei es für CDU-Frau Sarah Stantscheff erfreulich, dass die AfD in der Reichelsiedlung nicht so gut abgeschnitten habe wie bei der Europawahl im vergangenen Jahr. Damals holte die Partei 18,83 Prozent und war die meist gewählte Partei in der Reichelsiedlung. „Dieser Bezirk ist immer sehr schwer zu holen. Wir haben versucht einen Kandidaten aufzustellen, der die Menschen dort kennt. Das hat aber leider nicht gereicht.“ Die CDU erzielte dort mit 15,64 Prozent (2014: 39,64 Prozent) ihr schlechtestes Ergebnis und liegt damit hinter den Grünen (35,84) und der SPD (18,42).

Für Dagmar Krause-Bartsch ziehe mit der AfD nun „eine unbekannte Größe“ in den Rat, da sich die Gewählten – das sind Sebastian Nehnes, Benjamin Erwig und Ludwig Hahn – bisher weder politisch noch als Zuschauer im Rat gezeigt hätten. Die meisten Wähler gingen übrigens in Alpsray (Wahlbezirk 7) an die Wahlurnen. Dort lag die Wahlbeteiligung mit 64,54 Prozent bei der Ratswahl am höchsten im Stadtgebiet. Am häufigsten wurde dort das Kreuzchen bei der CDU gemacht.

Zukünftige Sitzverteilung im Rheinberger Rat

Der Rat wird ab jetzt 48 statt bisher 46 Sitze haben, die sich folgendermaßen aufteilen. In den Klammern sind die bisherigen Ratsmandate angegeben, die die Parteien bei der Kommunalwahl 2014 erzielten:
CDU: 16 (20) Sitze, SPD: 9 (14) Sitze, Grüne: 13 (8) Sitze,
FDP: 4 (2) Sitze, AfD: 3 (-),
Die PARTEI: 2 (-), Linke: 1 (2) Sitze.

Am heutigen 15. September, 17 Uhr, treffen die Politiker erstmals im Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss, ausnahmsweise in der Mensa der Europaschule aufeinander. Es geht unter anderem um die Besucherlenkung am Rhein bei Ossenberg.

Der neue Rat tagt erstmals am 6. Oktober, 17 Uhr, in der Rheinberger Stadthalle.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben