Historie

Wanderer besichtigen historische Munitionsanstalt in Birten

1938 genehmigt, ab 1939 gebaut und 1940 in Betrieb genommen: Dr. Ralph Trost (mitte) zeigt den Teilnehmern die historische Munitionsanstalt.

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1938 genehmigt, ab 1939 gebaut und 1940 in Betrieb genommen: Dr. Ralph Trost (mitte) zeigt den Teilnehmern die historische Munitionsanstalt.

Xanten.   Nach 70 Jahren zurück auf die Muna: Fertigungshallen und Bunker sind letzte Überbleibsel der Anlage. 1942 kam es zu einem verheerenden Unfall.

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Eichen überschatten den Trampelpfad mitten im herrlich modrig riechenden Wald. 70 bis 80 Jahre alt dürften die Bäume sein. In diesem Waldstück in Birten arbeiteten einmal 1200 Menschen in der Munitionsanstalt der deutschen Luftwaffe Anfang der 40er Jahre. Jetzt sind 100 Wanderer einer Einladung des SPD-Landtagsabgeordneten René Schneider gefolgt. Zum ersten Mal seit rund 70 Jahren wird einer Gruppe Eintritt ins ehemalige Muna-Gelände gewährt.

Der Weg führt zunächst vorbei am „Haus Katharina“ des St-Josef-Krankenhauses. Die frühere Entbindungsstation war 1939 als Hauptquartier der Muna errichtet worden, erklärt Historiker Ralph Trost den Ursprung jener Anlage, die 1938 genehmigt, ab 1939 gebaut wurde und 1940 in Betrieb ging.

Zwei ehemalige Fertigungshallen und 111 Bunker sind die letzten Überbleibsel der Anlage. Eine Außentreppe führt in einen Bunker, in den sich nach dem Krieg britische, später Nato-Soldaten und danach Angestellte der deutschen Fernleitungsbetriebsgesellschaft hätten verkriechen sollen. Von dort aus wurde seit den 50er Jahren die unterirdisch verlaufende 5300 Kilometer lange mitteleuropäische Nato-Leitung überwacht, die von Nordseehäfen kommend, militärische Anlagen mit Kerosin versorgt.

Trost meint, es habe früher eine Reihe von Interessenten für das Areal gegeben. Die Pflugfabrik Lemken zum Beispiel wollten die Briten wegen der möglichen Nähe zu einer Waffenproduktion nicht, Farbenlager stießen gleichfalls auf wenig Gegenliebe und in neuerer Zeit hatte ein Dino-Park keine Chance.

Die Stadt hat hier ohnehin das Planungsrecht. Da tue sich seit Langem nichts mehr, weiß der Förster. Eine Zeit lang konnte Xanten aus den Kriegshinterlassenschaften Kapital schlagen: Pflastersteine wurden in den 50ern in die Niederlande zum Deichbau verkauft.

Von solchen Steinen, so Trost, gab und gibt es auf dem 140 Hektar großen Gebiet zwischen Veen und dem Röschen reichlich.

Straßen und Schienen verlegt

Ende der 30er Jahre wurden dort Straßen und Schienen verlegt und der Ort über Birten an Wesel sowie über Winnenthal an Duisburg angeschlossen. „Diese Lage machte Xanten für eine Muna interessant“, sagt Trost. Per Bahn wurden die mit Sprengstoff gefüllten Hülsen der 1000-Kilogramm-Bomben angeliefert, die dann mit Lkw in Hochbunker transportiert wurden, fernab von den Zündern. Das „Scharfmachen“, also das Anschrauben und Anbohren der Zünder, gehörte zu den gefährlichsten Tätigkeiten der Arbeiter, von denen nur gut 20 Prozent Soldaten waren. Dazu kamen die zum Arbeitsdienst verpflichteten Männer und zum überwiegenden Teil Angestellte aus der Umgebung. In Stoßzeiten gingen Hunderte von Tonnen scharfer Munition per Bahn raus. Am 20. November 1942 sollten in einer Fertigungshalle 150 Granaten abwurffertig gemacht werden. Gegen 12 Uhr gab es eine Explosion, die das Haus und die nähere Umgebung ausradierte, dabei wurden 45 Menschen getötet.

Ein halbes Jahr später wurde der Betrieb angesichts der anrückenden Roten Armee nach Thüringen verlegt. In Birten blieb ein Munitionsdepot. Als die Alliierten hier näher kamen, versenkten deutsche Truppen 8000 Tonnen Munition im Altrhein. Die liegen heute noch im Schlamm.

Entschärfungskommandos der Briten schafften später nicht explodierte Munition heran und sprengten schließlich die gefüllten Lagerstätten. Ins „Haus Katharina“ zogen die Alliierten-Befehlshaber. Später betreuten Katharinenschwestern dort Kriegswaisen. 1953 wurde das Innenstadt-Krankenhaus nach Birten verlegt.

Am Ende der Wanderung nahm der Historiker Josef Röös in den Arm. Zum 1790. Mal pflegte der Victor-Schütze das Denkmal für die Toten des Muna-Unglücks: „Das ist unsere Geschichte.“

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