Bürgerbarometer

Warum der Nahverkehr in Rheinberg kaum zieht

Hält auch am Alten Rathaus: die Buslinie 1 in Richtung Ossenberg.  

Foto: David Bieber

Hält auch am Alten Rathaus: die Buslinie 1 in Richtung Ossenberg.   Foto: David Bieber

Rheinberg.  Die Rheinberger bewerten das ÖPNV-Angebot als nur durchwachsen – trotz Bürgerbusses. Andreas Meuskens von der Niag kann das nicht verstehen.

Die Rheinberger beurteilen das Bus- und Bahnangebot in Rheinberg nur mittelmäßig, wie das NRZ-Bürgerbarometer jüngst herausgestellt hat. Demnach sind nur ein Viertel der Rheinberger auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 5 (sehr schlecht) zufrieden mit dem ÖPNV-Angebot. Ein Drittel bewertet das Angebot als durchschnittlich und 32 Prozent, also das andere Drittel, bewertet den ÖPNV als schlecht. Zehn Prozent der Rheinberger wollten oder konnten zu der Frage nicht antworten.

Die Zahlen aus der repräsentativen Umfrage unter 400 Rheinbergern sind Bestätigung für die Kritiker, die der Niag, dem Hauptbetreiber der Buslinien, zu wenig Linien und eine schlechte Taktung vorwerfen. Für den Betriebsleiter der Niag, die ihren Hauptsitz in Moers hat, Andreas Meuskens, sind die Resultate enttäuschend. „Ich hätte gedacht, die Zahlen seien besser. Ich kann das nicht nachvollziehen. Wir haben doch ein gutes Angebot in Rheinberg.“

Damit meint Meuskens nicht nur seine Niag, sondern auch die Nordwestbahn, die von Duisburg über Rheinberg bis nach Xanten einmal in der Stunde in beide Richtungen fährt, und den 2014 gestarteten Rheinberger Bürgerbus.

Dieser soll nach Informationen des Bürgerbusvereins gut laufen. „Wir fahren von 7.20 Uhr bis 18.30 Uhr an Werktagen, außer samstags, und verbinden alle Stadtteile miteinander. Das Projekt läuft als Ergänzung zum Niag-Angebot erfolgreich“, sagt der stellvertretende Vorsitzende, Thomas Frank. Die Niag kümmert sich auch um den Bürgerbus, indem es die aktuell 26 Fahrer ausgebildet hat, den Sprinter immer wieder wartet und den Fahrplan mit entwickelt.

Niag kämpft mit Imageproblemen

Dennoch kommt die Niag in der öffentlichen Wahrnehmung der Rheinberger – vor allem bei den jungen Rheinbergern von 20 bis 29 Jahren und den Älteren von 60 bis 69 Jahren – nicht allzu gut weg. „Ich freue mich aber, dass ein Viertel zufrieden ist mit unserem Angebot, dennoch wird leider zu oft verkannt, dass wir sehr viel für den Umweltschutz am Niederrhein tun“, sagt Meuskens. Er wolle nun prüfen, warum der Niag nur durchwachsene Werte attestiert wurden. Fakt ist aber, dass es kaum mehr Linien und auch keine engere Taktung geben wird. „Die Nachfrage ist nun mal nicht sehr hoch und der Motorisierungsgrad ist auch zu hoch im Individualverkehr in Rheinberg. Die Menschen mit Auto für den ÖPNV zu gewinnen, ist schwierig“, erklärt der Betriebsleiter. In der Tat sieht man oft, außer in den Stoßzeiten morgens und am frühen Nachmittag nach der Schule, fast leere Busse in Rheinberg herumfahren. Man könnte meinen, dass die Rheinberger sich eindeutig für das Auto entschieden haben. Wieso sollte dann investiert werden?

Zudem muss die Niag, anders als in den Ruhrgebietsstädten, durch das Fahrgeld ihren Betrieb finanzieren. „Eine Querfinanzierung oder Subventionen wie in Duisburg gibt es hier nicht“, erklärt Andreas Meuskens.

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