Theater

Theaterstück über das, was Frauen wollen

    Um Beziehungen ging es bei „Doch lieber Single“. 

Foto: Stadt

    Um Beziehungen ging es bei „Doch lieber Single“.  Foto: Stadt

Therapiesitzung der munteren Art beim Theaterstück „Doch lieber Single“ in der Stadthalle Rheinberg. Rund 450 Besucher waren dabei.

Rheinberg. Eine Therapiesitzung der humorvollen Art erlebten am Donnerstag rund 450 Besucher in der Rheinberger Stadthalle. In dem musikalischen Theaterstück „Doch lieber Single“ von Amina Gusner geht es um zwei Paare, die sich bei Dr. Rüdiger Leid (Rüdiger Rudolph) einer Tanz- und Gesangstherapie unterziehen und dabei eine Achterbahnfahrt der Gefühle erleben. Vom leicht durchgeknallten Therapeuten, der Probleme mit seiner eigenen Partnerschaft hat, bis zur Karrierefrau Gabi (Alice von Lindenau) nebst Gatten im Erziehungsurlaub wird dabei kaum ein Klischee ausgelassen.

Macht aber nichts, denn genau diese Konstellation bot viel Raum für spritzige Dialoge, gestenreiches Spiel und jede Menge Slapstick. Das Besondere an der überzeugenden Inszenierung aber war der Spagat zwischen Gesang, Tanz und Spiel, den das Ensemble erstklassig hinbekam. Angetrieben vom dynamischen Spiel von Raphael Beil (Gitarre) und Andreas Peschel (Keyboard) entwickelte sich eine muntere Therapiesitzung. Zu Partyhits wie „Major Tom“ oder „Ich will Spaß“ verwandelten sich nach und nach die einzelnen Charaktere. So offenbarte Heiko Senst mit dem absolut gefühlsecht vorgetragenen Celentano-Klassiker „Parole Parole“ schon zu Beginn das Innenleben des wortkargen „Beziehungsbeobachters“ Wolfgang. Dessen Defizite bei der Äußerung von Gefühlen wiederum boten der gut aufgelegten Heike Trinker immer wieder die Gelegenheit, ihr schauspielerisches Vermögen unter Beweis zu stellen. Als Antipol stand Alice von Lindenau ihr in nichts nach. Immer wieder unterfütterte sie ihre Rolle der zielorientierten kühlen Powerfrau mit witzigen Dialogen. Beispiel: „Vielleicht bin ich ein kalter Frosch. Aber dafür gibt es bei uns zu Hause keine Fliegen.“ Die zentrale Rolle aber hatte Rüdiger Rudolph, der das Quartett als Dr. Leid mit geradezu hyperaktivem Spiel auf den Selbstfindungs-Trip schickt. „Fühlt, schreit, singt euer Geschlecht und nutzt dabei den Hohlraum. Telefoniert mit eurem Unterbewusstsein“, forderte er wild gestikulierend. Immer wieder schob Rudolph auch regionale Aspekte ein: „Der Tango hat eine unglaubliche Erfolgswelle hinter sich. Ausgehend von der Volkshochschule Kamp-Lintfort zog er einmal um die ganze Welt.“ Im Mittelpunkt des Therapie-Tangos stand der von Maximilian Nowka mit fein ausbalanciertem Spiel verkörperte Frank. Der Tanz öffnete ihm nicht nur die Augen, sondern zwang im weiteren Verlauf auch Partnerin Gabi zum Umdenken. Allmählich fallen auch die Fassaden der anderen Sitzungsteilnehmer, lange Verdrängtes und Ersehntes gelangt wieder an die Oberfläche. Man kommt sich näher, bis zum fulminanten Happy End zum Blues-Brothers-Hit „Everybody needs somebody to love“ mit Rüdiger Rudolf am Saxophon. Mit lebendigen Dialogen, hochkarätigem Gesang und ausgefeilten Choreographien spielte sich das Ensemble in die Herzen der Rheinberger Zuschauer.

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