Soziales

Wegen Corona lautet das Motto: Alpener kochen für Alpener

Auch sie stehen bereit: Tanja Braun und Rolf Lange von der Rheinberger Tafel.

Auch sie stehen bereit: Tanja Braun und Rolf Lange von der Rheinberger Tafel.

Foto: Jasmin Ohneszeit

Rheinberg/Alpen.  Die Tafeln in Rheinberg und Alpen erhalten weniger Lebensmittel. Um ärmere Menschen zu unterstützen, steht nun gleich eine ganze Gruppe am Herd

Keine Nudeln und Konserven, kein Toilettenpapier und auch Mehl ist rar: Die Regale in den Supermärkten sind in Zeiten der Corona-Pandemie teilweise leergefegt. Das erschwert nicht nur den eigenen Einkauf, auch die Tafeln erhalten aufgrund solcher Hamsterkäufe weniger Lebensmittel. „Vor zwei Wochen hatten wir 50 bis 70 Prozent weniger Ware zur Verfügung. In der letzten Woche waren es 30 bis 50 Prozent, die weggefallen sind“, erklärte Werner Koschinski, Pastoralreferent der katholischen St.-Peter-Gemeinde, die die Rheinberger Tafel betreut. Aber nicht nur das schränkt die Ausgabestelle ein: „Zu unseren Mitarbeitern zählen auch Menschen, die der Corona-Risikogruppe angehören, sie fallen derzeit aus“, so Koschinski.

Nachdem die Tafel in dieser Woche nicht öffnen konnte, richtet sie ab dem kommenden Dienstag, 31. März, von 11 bis 13 Uhr eine Notausgabe ein.

Dies bedeutet, dass die registrierten Tafelkunden eine Not-Tüte im Außenbereich ausgehändigt bekommen. „Wir setzen alles in Bewegung, dass niemand leer ausgeht“, betonte der Pastoralreferent. Die Rheinberger Tafel stellte allerdings auch einen Rückgang ihrer Kunden fest. Es komme aktuell nur noch die Hälfte an bedürftigen Menschen, so Werner Koschinski.

Vor leeren Regalen stehen

Die Ausgabestelle Alpen versucht weiterhin den Regelbetrieb so gut wie möglich und verantwortbar aufrecht zu erhalten. So wurden Schutzmaßnahmen wie Bodenmarkierungen für den nötigen Abstand eingeführt. Vor allem haltbare Lebensmittel fehlen, die gegebenenfalls auch eingelagert werden können. „So bedauerlich eine Einschränkung im Tafelbetrieb auch ist, muss jedoch auch darauf hingewiesen werden, dass die Tafel keine Zuständigkeit oder Verantwortung für die Grundversorgung von Bedürftigen hat“, sagte Koschinski.

In Alpen könnte ein neues kostenloses Angebot die Lieferengpässe bei den Tafeln auffangen. Denn auch Denise Cleve ist über das Bild in den Supermärkten schockiert. „Ich habe beim Einkaufen Senioren gesehen, die vor den leeren Regalen stehen oder nur noch zu den ganz teuren Artikeln greifen können“, erzählte die Alpenerin.

Die Resonanz war groß

Sie appelliert an diejenigen, die sich die teureren Produkte leisten können, diese auch zu kaufen. „Das ist für uns alle eine Ausnahmesituation. Aber wenn selbst die, die das Geld hätten, zu den billigen Nudeln greifen, dann leiden gerade die Senioren, die eine kleine Rente haben, noch mehr unter den aktuellen Zuständen.“ Je öfter Cleve das im Supermarkt beobachtete, desto unerträglicher wurde diese Situation für sie. „Ich koche jeden Tag frisch. Ob ich nun vier oder fünf Portionen mache, ist eigentlich egal.“

In einer Alpener Facebookgruppe postete sie, dass sie bei der täglichen Essenszubereitung eine oder zwei Portionen mehr mitkochen würde und diese an Personen verteilen würde, die keine Lebensmittel mehr bekommen haben oder keinen Lieferdienst in Anspruch nehmen können oder wollen. Die Resonanz darauf war groß.

Viele wollten Cleve unterstützen und so rief sie die Gruppe „Alpen hilft – Kochen, Einkaufen und sonstige Hilfe von Alpenern für Alpener“ ins Leben. Schnell fandt sich gut ein Dutzend Unterstützer zum Mitkochen.

Thomas Hommen (FDP) bot sich an, die Speisen auszufahren. Bestellt wurde bisher aber noch kein Essen. Nun ist diese ältere Generation auch nicht zwingend auf Facebook aktiv. Die Gruppe ruft deshalb dazu auf, dass sich Abnehmer für das Essen trauen, sich telefonisch zu melden oder in der Nachbarschaft nachgefragt wird, ob jemand das Angebot in Anspruch nehmen möchte. „Selbstverständlich wird die Anonymität der Empfänger gewährleistet“, betonte Cleve.

„Keine Konkurrenz zu Lieferdiensten“

Das Essen wird verpackt und mit Handschuhen vor die Haustür gestellt. Zudem werde versucht, auf Essenswünsche und auf Unverträglichkeiten einzugehen. Konkurrenz zu örtlichen Lieferdiensten sieht sie in dem Angebot nicht. „Der Mindestbestellwert liegt meistens bei zehn Euro und die Portionen sind für Senioren sehr groß. Außerdem gehören ältere Menschen nicht zum klassischen Kundenkreis der Lieferdienste. Sie möchten nicht unbedingt Pizza, Pasta oder Burger essen, sondern Hausmannskost, die sie kennen.“

Wer kochen oder das Angebot in Anspruch nehmen möchte, meldet sich bei Denise Cleve, oder bei Thomas Hommen,

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