Musik-Projekt

Wenn Musik verbindet

Bewegung unterstützt das Singen bei den Kids.  

Bewegung unterstützt das Singen bei den Kids.  

Foto: Alexander Florie

Alpen.   Drei Tage lang probten 230 Erwachsene und Kinder, Anwohner und Flüchtlinge aus Alpen und Umgebung in einem Workshop Musik für ein CD-Projekt.

Schon beim Betreten des Alpener Schulzentrums am ersten Tag wurde Patrick Depuhl die Dimension des Projekts bewusst. „Wir mussten sogar einen Anmeldestopp aussprechen“, berichtete der Vorsitzende der Flüchtlingshilfe Alpen beim Blick auf das Gewusel im Schulflur. Dort tummelten sich am Freitag an Stehtischen rund 230 Mitglieder der diversen Chöre, Kinder und Musiker, während sie ihre Namensschilder abholten und die Einverständniserklärung für Bild-und Tonaufnahmen unterzeichneten. Denn schließlich sollten ja schon während des Workshops – und später im Juni – die sechs von Sängerin Judy Bailey geschriebenen Lieder zum Thema „Home“ für eine CD aufgenommen – und am 17. November im Agroforum der Firma Lemken uraufgeführt werden.

„Wir wollten ursprünglich einfach nur eine CD für Weihnachten aufnehmen“, erinnerten sich Inga Mosters und Michaela Würzinger vom Kinder-und Jugendchor Menzelen. „Da hat Malte Kolodzy vom Musikverein Menzelen den Projektantrag zur Arbeit mit den Flüchtlingen gestellt. Judy und Patrick kamen einfach dazu.“ Kolodzy war von der Resonanz beeindruckt. „Wir hatten schon gehofft, dass viele kommen, aber das hat jetzt eine Eigendynamik bekommen.“ Zur Eröffnung spielte der Musikverein „We will entertain you“ in der Aula.

Und dort begrüßten Patrick Depuhl und Judy Bailey auch die Gäste. „Das ist ein großes Abenteuer“, rief er in den Saal. „So etwas hat’s hier noch nie gegeben.“ Und suchte nach der jüngsten Teilnehmerin, den ältesten Teilnehmern, Menschen aus den diversen Himmelsrichtungen wie aus Tadschikistan und Somalia oder die fünf Sprachen sprechende Amina aus Aserbaidschan.

Für den dreitägigen Workshop hatten sich die Organisatoren Musikprofis dazu geholt. Daniel Jakobi von der Pop-Akademie Mannheim stimmte alle mit kollektivem Stanpfen und Klatschen auf den Rhythmus ein. Er übernahm später die Rhythmusgruppe, probte mit ihnen das Cajunspielen. Der eigens aus Manchester eingeflogene Leroy Johnson sorgte mit dem gemeinsamen Singen von „Alpen is my home – I love this place called Alpen“ und „Freedom“ für eine mitreißende, mehrstimmige Party.

„Ich bin von der Stimmung restlos begeistert“, sagte Sabina Helen vom Kirchenchor St. Vinzenz. „Ist wie ein Gospel-Kirchentag“, fand Uli Jansen vom Menzelener Gospelchor „Confidence“.

Danach arbeitete Leroy Johnson mit Judy Bailey in der Bibliothek mit dem großen Chor von ungefähr 120 Leuten – er auf englisch, sie übersetzend. „Ich kann nicht so gut singen, versuche aber alles mitzumachen“, verriet die 19-jährige Nikita Barairade-Shyam aus Indien. „Die Menschen sind so freundlich und nett zueinander.“ Nach einer Dreiviertelstunde klangen die Zeilen des Liedes „Frieden“ mit dem afrikanisch geprägten Rhythmus ziemlich rund.

Arrangements gecheckt

Steve Mc Gregor aus Birmingham übernahm den Kinderchor, bei dem Inga Mosters und Michaela Würzinger die Idee umsetzten, die Songs jeweils mit Gesten zu versehen. „Reach your hands out to the other side“ gelang sowohl praktisch wie gesanglich. „Ihr müsst dabei lächeln“, sagte der Profi, während der die Kids am Keyboard-Piano. „Der hilft gut – und lacht selbst so schön“, schmunzelte die 13-jährige Sidra aus Syrien. Und Thilo Speckmann checkte die Arrangements des Orchesters, das in der Aula probte. „Passt schon, ich gebe nur zu ein paar Sachen meinen Senf dazu.“

Am Abend kamen alle beim Essen, das Flüchtlinge zubereitet hatten, zusammen. Am Samstag und Sonntag folgten die Aufnahmen, am Samstag gab es zudem ein internes Abendkonzert mit den Songs. Mitinitiatorin Judy Bailey war am Ende einfach nur happy. „Es sind so viele Leute dabei, ein großes Miteinander des gesamten Ortes. Interaktion ist Integration. Das Ziel ist erreicht.“ Und Teilnehmerin Petra Wittmann befand: „So was Tolles hat Alpen noch nicht gesehen.“

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